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Wismar Junge Leute retten Wismars Grabkapellen
Mecklenburg Wismar Junge Leute retten Wismars Grabkapellen
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12:39 25.10.2018
Tobias Gerding (l.) und Torben Kubsch kümmern sich um einen Zaun auf dem Ostfriedhof. Er soll vom Rost befreit werden. Quelle: Michaela Krohn
Wismar

Die Martenskapelle auf dem Wismarer Ostfriedhof ist äußerlich in keinem guten Zustand mehr. Auf dem Dach wächst Moos, der Putz an den Außenwänden bröckelt, Steine und Treppen im Sockelbereich lösen und verschieben sich. Um zunächst wenigstens oberflächlich auszubessern, haben Jugendliche und junge Erwachsene nun zu Schaufel, Bürste, Spaten und Hochdruckreiniger gegriffen, um die Schäden freizulegen. Dann kann sich die Denkmalpflege darum kümmern. Während die Martenskapelle – der größte städtische Grabbau überhaupt in Mecklenburg – allerdings in den 1990er Jahren schon einmal umfassend saniert wurde, haben die anderen Kapellen auf dem Wismarer Friedhof schon lange keinen frischen Anstrich mehr bekommen, geschweige denn einen Restaurator gesehen.

Robert Klaiber kärchert das Dach der Martenskapelle. Quelle: Michaela Krohn

Wismars Grabkapellen sind besondere Schätze

Grit Schaller-Uhl, Leiterin der Friedhofsverwaltung, weiß: „Es ist überhaupt bemerkenswert, dass der Wismarer Friedhof solche Schätze hat.“ Gemeint sind die insgesamt neun Grabkapellen auf dem Friedhof – drei auf dem Westfriedhof und sechs weitere auf dem Ostfriedhof. In anderen Städten des Landes sind solche Mausoleen vor Jahrzehnten einfach abgerissen worden. „Wir wollen aber gern öffentlich zeigen, welch wertvolle Schätze unser Friedhof zu bieten hat. Es ist unheimlich wichtig, dass wir dieses Kulturgut erhalten und jungen Menschen zugänglich machen“, sagt die Friedhofsverwalterin. Die Martenskapelle sei ein bedeutendes Baudenkmal und kunsthistorisches Zeugnis.

Durch ein Projekt des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes Wismar (IJGD) haben nun 20 junge Menschen an drei Tagen dazu beigetragen, die Martenskapelle etwas aufzuhübschen. Tobias Gerding und Torben Kubsch zum Beispiel – sie haben sich unter anderem darum gekümmert, den Zaun einer Grabanlage vor der Martenskapelle von Rost zu befreien. Die beiden 18-Jährigen machen gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr beim IJGD und haben auf dem Wismarer Friedhof beherzt mit angepackt. Mit Spaten und Schaufel haben sie zunächst die Erde rund um den Randstein abgetragen, altes Laub und Unkraut entfernt. Mit einer Bürste hat Tobias Gerding zudem noch den Teil des Zauns bearbeitet, der von Rost befallen war, bevor ein neuer Anstrich aufgetragen wurde.

Kaufmann Martens ersteht erste Grabkapelle in Wismar

Die Martenskapelle auf dem Westfriedhof ist die größte der neun Grabkapellen in Wismar, die auf dem Friedhof zu finden ist. Bereits 1832 kaufte sich Johann Gottfried Martens als einer der Ersten überhaupt auf dem Friedhof ein Mausoleum. Er selbst war Kaufmann und Schiffsdeklarierer und gehörte der Friedhofskommission der Stadt Wismar an. Die Grabkapelle wurde im Stil griechischer Tempelarchitektur gebaut und beherbergt bis heute die Särge der Familie Martens.

Die Kapelle steht immerhin schon seit mehr als 150 Jahren auf dem Wismarer Friedhof. Weil sich im Laufe der Jahre immer auch eine Moosschicht auf dem Dach bildet, sind andere Jugendliche beim Arbeitseinsatz des IJGD damit beschäftigt gewesen, diese Schicht mit einem Reinigungsgerät zu entfernen – alles unter den wachsamen Augen von Dozent und Zimmermeister Stefan Schulz. Er sagt: „Wir legen damit die Schäden auf dem Dach frei. Danach kümmert sich die Denkmalpflege darum.“ Auch Maurermeister, Restaurator und Lehmbauer Nikolaus Delueg betreut die Arbeit der jungen Leute an der Kapelle und gibt ihnen Tipps, wie viel sie freilegen dürfen.

Kapellen müssen dringend saniert werden

„1994/95 wurde die Martenskapelle schon einmal grundlegend saniert. Sie soll jetzt nicht wieder verfallen“, betont Friedhofschefin Grit Schaller-Uhl. Drei weitere Grabkapellen seien zudem „sehr sanierungsbedürftig“. Zwar gebe es Sicherungsmaßnahmen, für die auch Mittel in den städtischen Haushalt eingestellt seien. Wichtig sei aber auch, sie umfassend zu restaurieren.

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Michaela Krohn

Ulf Knolle sammelt Platten, seit er Schüler war. 2010 hat er den Verein der Schallplattenfreunde Wismar gegründet.

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