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Wismar Kalte Dusche für Wariner im Wald-Eck
Mecklenburg Wismar Kalte Dusche für Wariner im Wald-Eck
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04:01 12.05.2018
Gudrun Schröder kocht Wasser für die Katzenwäsche. Quelle: Nicole Buchmann
Warin

Drei Wohnblöcke mitten im Wald. 15 Menschen leben dort in den ehemaligen Militärunterkünften der Nationalen Volksarmee (NVA), genannt „Wald-Eck“. Manchen von ihnen schon seit mehr als 50 Jahren. So wie Gudrun Schröder. Auf dem Herd in ihrer Küche steht ein großer Topf mit Wasser. Das soll kochen irgendwann, damit sich die Rentnerin waschen kann. Seit Dienstag sind die Leitungen für Warmwasser und Heizung tot. Das Fernsehkabel - auch abgeklemmt. In allen drei Blöcken.

Weil sich Vermieter und Wärmeversorger um Heizkosten streiten, müssen neun Mietparteien in Warin seit Dienstag auf warmes Wasser verzichten.

Außenstände in fünfstelliger Höhe

„90 000 Euro sind bis Anfang Mai an Außenständen für die Nebenkosten aufgelaufen“, sagt Frank Wobser. Der Prokurist der Firma Horst Jeske Wärmeversorgung GmbH aus Warin ist nach Wald-Eck gekommen, um mit den Mietern zu sprechen. Mit Gudrun Schröder, Mirko Schönfelder und Birigt Deckert. Sie sitzen vor Deckerts Garage um einen Gartentisch und sehen sich schweigend an, als sie die Summe hören aus erster Hand. Gemunkelt wurde darüber in Warin schon viel. „Dann stimmt das also doch“, murmelt Mirko Schönfelder leise.

Die Außenstände beim Wärmeversorger soll aber hat der Vermieter und Eigentümer der Wohnblöcke haben. Als solcher tritt seit dem Verkauf im Jahr 2015 Klaus Bielfeldt auf. In der als Vermieter benannten Firma aber - der startconnect GmbH & Co. KG mit Sitz in Hamburg - ist laut Handelsregisterauszug ein Georg-Maximilian Bielfeldt als Geschäftsführer eingetragen. Ein 25 Jahre junger Mann. Offenbar haben weder Bielfeldt junior noch Bielfeldt senior mehr als zwei Jahre lang dafür gesorgt, dass die von den Mietern bezahlten Nebenkosten entsprechend an die Versorger weitergeleitet wurden.

Wärmeversorger stellt Warmwasser ab

Mirko Schönfelder legt zwei Einschreiben auf den Tisch. Über und über beklebt von der Post. Nicht zustellbar an die angegebene Firmenadresse. Telefonisch ist Bielfeldt weder für die Mieter noch für Frank Wobser zu erreichen. Auf dessen Mahnungen aus den Jahren 2015, 2016 und 2017 - keine Reaktion. Erst als Wobser mit Hilfe eines Rechtsanwaltes im Januar dieses Jahres Bielfeldt mitteilt, dass im Wald-Eck noch im Januar Warmwasser und Heizung abgestellt würden, sollte Bielfeldt nicht binnen zwei Wochen 50 000 Euro überweisen, erhält der Prokurist Antwort. Von Anwalt Tobias Fischer aus Rostock kommt die Androhung einer einstweiligen Verfügung, sollte die Firma Jeske ihr Vorhaben wahr machen. Die Frist verstreicht. Auf dem Firmenkonto geht kein Cent von Bielfeldt ein. Wobser lässt weiter Mahnungen schreiben. Dann ist am 7. Mai das Maß voll.

Mieter beklagen Verhältnis zum Vermieter

So wie Wobser ergeht es auch den Mietern. Sie mähen den Rasen, schippen den Schnee, obwohl sie dafür monatlich bezahlen. Geraten an ständig wechselnde Ansprechpartner, die sich gegenseitig die Anfragen zuweisen, keine Nebenkostenabrechnung seit 2015, verstopfte Abwasserkanäle, durch die die Fäkalien zurückdrücken nach oben und sich in die Keller ergießen. Nach einer Woche erst kommt ein Saug- und Pumpwagen, der das Gröbste bereinigt. Und nun nicht einmal mehr warmes Wasser - auf unabsehbare Zeit. „Kann man denn da gar nichts machen?“, fragt Schönfelder leise. „Dann haben wir kein Druckmittel mehr“, antwortet Wobser. Es fällt ihm sichtlich schwer, den Wald-Eckern keine Lösung anbieten zu können.

Landkreis will Abrechnung für Flüchtlingswohnungen prüfen

Druck auf Bielfeldt könnte aber auch vom Landkreis kommen. Bis zu 16 Wohnungen hatte der in den Jahren 2015 bis 2017 in den drei Blöcken angemietet. Für Menschen aus Afghanistan, Syrien, als die zentrale Unterkunft in der Haffburg nicht mehr ausreichend Platz bot für die Flüchtlinge. Miete ist geflossen an Bielfeldt, inklusive der Nebenkosten.

Die Verträge seien inzwischen alle gekündigt, eine Nebenkostenabrechnung liege aber nur für 2015 vor, sagt Justiziar Yann-Christoph Collin. Der Landkreis werde die ausstehenden Abrechnungen anfordern und prüfen und seine Rechte vollumfänglich wahrnehmen. Für die Mieter indes sei das alles sehr bedauerlich. „Wir verurteilen das Handeln des Vermieters“, sagt Collin.

Duschcontainer als vorübergehende Lösung

Wobser steht nun auf vom Gartentisch, auf dem drei Aktenordner Bielfeldts Wald-Eck dokumentieren. „Hm“, sagt Schönfelder. Eigentlich könnten sie ja froh sein, dass Jeske das so lange mitgemacht habe. „Andere hätten vielleicht schon bei 5000 Euro Schulden abgestellt.“ Wobser nickt. Dann kommt ihm eine Idee. „Wenn wir Häuser sanieren, haben die Mieter auch kein Warmwasser! Da nutzen sie dann Containerduschen! Eine Firma sitzt hier in der Nähe von Wismar!“ Birgit Deckert greift zu ihrem Smartphone. Sucht, findet die Nummer, wählt sie.

„Einen Duschcontainer haben sie noch!“, ruft sie den anderen zu. Wobser überlegt. Zu- und Abflüsse seien vorhanden. Das sollte klappen. Und die Miete für den Container - die wollen sie von den Nebenkosten finanzieren, die sie von nun an einbehalten werden. Auf Ratschlag des Mieterbundes.

Juristische Auseinandersetzung: Ausgang offen

Dem gegenüber hat sich Klaus Bielfeldt genau so wenig geäußert wie gegenüber der Ostsee-Zeitung. Dafür ruft dessen Anwalt zurück. „Aus unserer Sicht ist die Vertragslage mit der Firma Jeske komplett unklar, und die Forderungen sind unberechtigt“, teilt Tobias Fischer mit. Sein Mandant habe deshalb einen Teil der Nebenkostenzahlungen einbehalten. Die Wald-Ecker jedenfalls wollen Anzeige erstatten - allesamt. Frank Wobser hat für seinen Arbeitgeber Klage einreichen lassen.

Buchmann Nicole

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