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Wismar Kaufhaus erinnert an Rudolph Karstadt
Mecklenburg Wismar Kaufhaus erinnert an Rudolph Karstadt
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06:34 06.06.2017
Blick auf das Karstadt-Stammhaus in der Wismarer Innenstadt. Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa
Wismar

Überraschung für die Kunden des Karstadt-Stammhauses in Wismar: Ein langer roter Teppich leitete sie am Sonnabend in das Warenhaus, ein Portier begrüßte die Gäste. Grund war der erste Rudolph-Karstadt-Tag in Wismar.

Das Wismarer Mutterhaus der 79 Filialen starken Karstadt-Warenhauskette hat den ersten Rudolph-Karstadt-Tag gefeiert. Künftig soll in jedem Jahr zu Pfingsten auf diese Weise dem Gründer des Warenhauses gedacht werden. Auch eine Büste des gebürtigen Grevesmühleners wurde eingeweiht.

Bereits am 14. Mai gab es in Wismar den Auftakt zum Jubiläumsjahr „135 Jahre Karstadt“. Der gebürtige Grevesmühlener Rudolph Karstadt hatte sein erstes Warenhaus am 14. Mai 1881 in der Krämerstraße 4 in Wismar eröffnet. „Wir wollten nicht bis zum 140. Jubiläum warten, um wieder feiern zu können“, sagte Eleonore Jennes. „Deshalb der Beschluss, mit einer Tradition zu beginnen und in Wismar künftig immer am Pfingstsamstag den Rudolph-Karstadt-Tag zu begehen“, erklärte die Leiterin des Verbundes Bremen, zu dem elf Karstadt-Filialen gehören, darunter auch die in Wismar. „Unser Unternehmen kann eine interessante Geschichte aufweisen. Dies wollen wir würdigen und an den Gründer unserer Warenhaus-Kette erinnern“, betonte Filialgeschäftsführerin Heike Pepic.

Während die Kunden von Angeboten profitierten und sich Kuchen und Karstadt-Stammhaus-Sekt schmecken ließen, sparte Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) während eines Empfangs vor dem Kontor im Erdgeschoss nicht mit Lob: „Der Rudolph-Karstadt-Tag ist eine tolle Idee. So wird die Erinnerung wachgehalten, vor allem nach außen.“ Für die Wismarer sei Karstadt sehr präsent. „Viele bleiben hier mit Gästen stehen und zeigen das Stammhaus. Es ist in das Stadtgedächtnis eingezogen, darauf sind wir stolz.“

Wie Eleonore Jennes berichtete, ist das Stammhaus eine der erfolgreichsten Filialen im Unternehmen. „Das hat auch damit zu tun, dass die Mitarbeiter für ihre Filiale leben.“ Eine Nachricht, die Beyer freut. „Ich bin froh, dass Karstadt immer zu seinem Stammhaus gestanden hat. Die Mitarbeiter, die Wismarer und die Gäste danken das. Wenn sich Karstadt gut entwickelt, ist es auch ein Zeichen dafür, dass sich Wismar gut entwickelt. Hoffentlich werden wir auch in den nächsten Jahren aneinander festhalten und voneinander profitieren“, so der Verwaltungschef.

Auch Pepic sprach von einer „erfolgreichen Entwicklung“ des Stammhauses. Nicht nur die Einheimischen, sondern auch die Touristen hätten der Filiale in den vergangenen Wochen gute Umsätze beschert.

„Wir bauen das Sortiment mit neuen Marken weiter aus“, versprach die Filialleiterin. Die Zukunft sei „definitiv gesichert“.

Ein gutes Zeichen – musste die angeschlagene Karstadt Warenhaus GmbH, die bundesweit noch 79 Häuser betreibt, in den vergangenen Jahren mehrere Filialen schließen (die OZ berichtete). Das Stammhaus in Wismar blieb bislang verschont.

Laut Jennes wolle Karstadt im Internet-Zeitalter auf Emotionen und Erlebnisse setzen: „spüren, riechen, schmecken, Kommunikation“. „Unser Handel- und Warenhaus soll als Marktplatz erlebt werden, wo Menschen miteinander in Kontakt treten können.“

Bei der Feierstunde waren auch der Schifffahrtskaufmann Holger-Philipp Bergt (51) aus Bremen, Heinrich Bodenberger aus Grevesmühlen und Birgit Lang vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Wismar dabei. Bergt, der Objekte aus der Karstadt-Historie sammelt, zeigt noch bis zum 10. Juni einige Exponate im Stammhaus. Bodenberger stellte eine neue, schwarze Büste von Rudolph Karstadt vor. Sie befindet sich auf einem Sockel in einer Vitrine vor dem Kontor. „Ich habe 30 bis 40 Stunden daran gearbeitet und einige Veränderungen im Vergleich zur bisherigen Büste vorgenommen, zum Beispiel die Augen anders gestaltet. Nun gefällt mir Rudolph Karstadt besser. Er wirkt freundlicher“, so der Künstler.

Bewegte Geschichte

Am 14. Mai 1881 eröffnete Rudolph Karstadt (1856 bis 1944) sein „Tuch-, Manufaktur- und Confectionsgeschäft“ in der Krämerstraße in Wismar. Sein Prinzip: feste billige Preise, nur Barzahlung.

1884 folgte die erste Filiale in Lübeck. 22 Jahre später gab es 24 und 1931 schon 89 Karstadt-Filialen.

Das Warenhaus in Wismar wurde 1907/1908 nach den Plänen des Architekten Johann Busch am heutigen Standort errichtet.

1945 waren 22 Filialen in der sowjetischen Besatzungszone enteignet. Im Westen waren mehr als 30 der verbliebenen 45 Häuser zerstört.

Mit der Wiedervereinigung kehrte das Unternehmen 1990 auch wieder an seinen Gründungsort in Mecklenburg zurück.

Norbert Wiaterek

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