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Kaufmann spendet eine Grünanlage

Wismar Kaufmann spendet eine Grünanlage

Tuch- und Seidenhändler Carl Drewes wurde 1850 Wismarer Bürger, 1864 dann Ratsherr und Senator

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Das Dreweswäldchen ist in Wismar noch heute ein beliebter Weg. Die Grünanlage, die 1885 noch vor den Stadttoren lag, war ein Geschenk des Kaufmanns und Senators Carl Drewes. Fotos (2): Archiv Detlef Schmidt

Wismar. Am 13. August 1850 erhielt Carl Drewes aus Krickow bei Neustrelitz das Wismarer Bürgerrecht. Der Vorgang ist heute bei vielen in Vergessenheit geraten. Als Bürger einer mittelalterlichen Stadt zu gelten, war ein großer Vorzug, das bedeutete Sicherheit und Rechtsschutz. Wer Bürger der Hansestadt Wismar werden wollte, musste eine bestimmte Summe zahlen, die sich nach dem jeweiligen „Stande“ richtete. So hatten nach dem Bürgervertrag von 1600 Angehörige des Adels 60 Taler, Kaufleute, Brauer und „gelehrte Herren“ 40 Taler, Notare, „gemeine“ Kaufleute und „führnehme“ Handwerker 20 Taler und alle übrigen „Bürgerwilligen“ nach Ermessen des Rates zu zahlen. Söhne von eingesessenen Bürgern mussten lediglich zehn Schillinge nach Erreichen ihrer Volljährigkeit bei der Stadtkasse abliefern.

 

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1902 wurde der Gedenkstein zu Ehren des Senators aufgestellt.

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Der Bürgereid lautete: „Ich schwöre, dass ich meinem Gnädigen Herrn, dem Herzoge zu Mecklenburg, und dem Ehrsamen Rathe zu Wismar treu und hold sein, ihr Bestes wissen, ihr Ärgstes kehren, kein Verbündnis wider den Rath und die Stadt machen, . . . einem Jedem volles Gewicht und Maaß liefern, alle meine binnen und außer der Stadt habenden Güter alle Jahr getreulich versteuern, und ein gehorsamer Bürger sein will“. Wurde ein neuer Bürger angenommen, hieß es: „Hei wakt und schatet mit.“

1835 war der Preis für das Bürgerrecht gesunken. Er betrug für Personen des Ersten Standes nur noch 20 Taler, doch kamen noch eine Reihe anderer Zahlungen hinzu: für Wassergeld fünf Taler, Eimergeld vier Taler, Rekrutengeld zwei Taler und zur Ablösung der Kriegsschuld elf Taler, um nur einige Positionen zu nennen. Insgesamt betrug die Summe knapp 60 Taler. Zu jener Zeit ein ganz schöner Batzen Geld, den sich nicht jeder leisten konnte.

1870 wurde dann einheitlich von allen Personen, die das Wismarer Bürgerrecht erwerben wollten, l5 Taler verlangt. Die Zeiten, da das Bürgerrecht Vorteile mit sich brachte, waren 1890 endgültig vorbei – und so wurden Bürgereid und Bürgergeld abgeschafft. Am 24. Juni 1890 wurde eine neue Verordnung über das Wismarsche Bürgerrecht herausgebracht, worin die Wahlberechtigung und auch die Wählbarkeit zur Bürgerschaft festgelegt wurden. Danach konnte nur Bürger der Hansestadt Wismar werden, wer das 25. Lebensjahr vollendet hatte und einen Wohnsitz in der Stadt besaß. Nicht ins Bürgerbuch wurde aufgenommen, wer „wegen Geistesstörung oder Verschwendung unter Kuratel steht“ oder „wegen Unvermögens“ von der Zahlung der städtischen Abgaben befreit ist.

Carl Drewes war beim Erwerb des Bürgerrechtes ein gestandener Mann von 28 Jahren. Er ließ sich als „Seidenkrämer“ in dem Haus Hinter dem Rathaus 7 nieder und gründete mit seiner Frau Sophie Weyergang, Tochter eines Kaufmannes aus Lauenburg, eine Familie mit acht Kindern. Er brachte es als Tuch- und Seidenhändler zu Wohlstand und Ansehen in der überschaubaren Wismarer Gesellschaft. 1864 wurde Carl Drewes zum Ratsherrn gewählt und gehörte bis zu seinem Tod im Jahr 1892 dem Rat als unbesoldetes Mitglied und Senator an.

Der Senator Carl Drewes wäre mit Sicherheit heute vergessen, trüge nicht ein Stück „Wismarer Grün“ seinen Namen: das Dreweswäldchen. 1885 wurde neben der 1834 gebauten Schweriner Chaussee ein Spazierweg zum 1832 eröffneten Friedhof mit einer Baumpflanzung angelegt. Die Grünanlage fügt sich in die im 19. Jahrhundert angelegten Promenaden und Villenstraßen um die Wismarer Altstadt ein.

Allmählich verschwanden die morastigen Verhältnisse vor der Stadt. Der Weg zum Friedhof führte von der Dankwartstraße bis zum Gaswerk und von da aus durch das heutige „Dreweswäldchen“, geschützt vor Verkehr und Schmutz. 1902 ließ Wilhelm Hermes, Junggeselle und vermögender Kaufmann, einen Erinnerungsstein im Dreweswäldchen aufstellen, um den Senator zu ehren.

Viele Wismarer gehen täglich durch das kleine Wäldchen, genießen an heißen Tagen die angenehme Kühle. Kinder auf Fahrrädern und Skates schätzen vor allem die Sicherheit – dank Senator Carl Drewes vor mehr als 130 Jahren.

Was sonst noch geschah

13. August 1951 Demontage des Seegrenzschlachthauses im Hafen.

14. August 1935 Aufstellung eines Prangers am Marktplatz durch die Nationalsozialisten. Gezeigt werden Bilder von Wismarern und Juden, die gegen die Ideologie der Nazis verstießen.

15. August 1951 Anerkennung der Vereinigten Stiftungen (hervorgegangen aus den Geistlichen Hebungen) der Hansestadt Wismar, Neugründung am 4. April 1996.

15. August 1952 Die OSTSEE-ZEITUNG ist Wismars einzige regionale Tageszeitung. Sie löste damals die ab 1946 erscheinende Landes-Zeitung ab. 15. August 1991 Gründung der Stadtwerke Wismar GmbH.

16. August 2003 Eröffnung und Verkehrsfreigabe der Osttangente.

16. August 1835 Susanne Ockel (geboren am 16. August 1757) stirbt und wird am 17. August in St. Marien beigesetzt. Es ist die letzte Bestattung in Wismarer Kirchen.

17. August 1880 Einweihung des Neubaus (Architekt Helmuth Brunswig) der Knaben-Bürgerschule (Schwarzes Kloster). Die Kirche wurde abgerissen, der Chor blieb für Turnhalle und Aula erhalten. Heute ist es die IGS Johann Wolfgang von Goethe.

18. August 2000 begeht die Hansestadt Wismar das 1. Schwedenfest. Es wird zum größten „schwedische Fest außerhalb Schwedens“.

Detlef Schmidt

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