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Wismar Keine Mehrheit für Verbot von Radfahrern
Mecklenburg Wismar Keine Mehrheit für Verbot von Radfahrern
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07:53 08.03.2018
Radfahren ist in der Fußgängerzone erlaubt. Kollisionen zwischen Fußgängern und Radlern – wie hier nachgestellt – sind die Ausnahme. Quelle: Nicole Buchmann
Wismar

Polizei, Ordnungsamt, Fahrradclub, ein Pizza-Kurierdienst und Vertreter der Fraktionen schilderten im Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft ihre Sicht. Zwar gibt es noch keinen abschließenden Beschluss zu dem Antrag der Fraktion die Linke, doch die Tendenz ist eindeutig. Allerdings wurde auch deutlich, dass nicht alles bestens ist. Darum will die Stadt mehr aufklären und zusätzliche Schilder anbringen.

Antrag der Linken

Ein Antrag der Links-Fraktion in der Januar-Sitzung der Bürgerschaft zielt auf ein Radfahrverbot in der Fußgängerzone. „Fahren mit dem Fahrrad in der Fußgängerzone stellt eine erhebliche Gefahr für alle Fußgänger, insbesondere für kleine Kinder, dar. In keiner anderen vergleichbaren Stadt ist das Fahrradfahren in der Fußgängerzone erlaubt. Wismar sollte auf dieses negative Alleinstellungsmerkmal verzichten“, so Fraktionchefin Christa Hagemann.

OZ-Umfrage

Das Thema wurde anschließend im Wirtschafts- und Verwaltungsausschuss der Bürgerschaft eifrig diskutiert, Experten wurden befragt. Die OSTSEE-ZEITUNG hat eine Umfrage gestartet mit der Frage: Sollte das Radfahren in der Wismarer Fußgängerzone verboten werden? Nach über 700 Stimmen gibt es ein knappen Ergebnis: 50 Prozent sind gegen ein Verbot, 48 Prozent sind dafür, einige wenige sind unentschlossen.

Die Fakten

Seit Januar 2015 hat es nach Polizeiangaben im Bereich der Fußgängerzone 14 Verkehrsunfälle gegeben. Davon waren zwei Unfälle, die sich zwischen Radfahrern und Fußgängern ereigneten. Andreas Walus, Leiter des Polizeihauptreviers Wismar, vermutet, dass es mehr Rempler, Kollisionen und Beinaheunfälle gegeben habe. Er spricht von einem „Dunkelfeld“, das sei aber nicht zu beweisen. Marco Trunk, Sprecher der Stadtverwaltung, appelliert: „Wir sollten nicht ohne objektiv belegbare Tatsachen etwas zurückdrehen.“

Zusatzschilder

Norbert Benz, Abteilungsleiter Verkehr im Ordnungsamt, kündigt angesichts der Debatte in den letzten Wochen zwei Konsequenzen an. Benz: „Wir wollen mehr Öffentlichkeitsarbeit machen.“ Hintergrund ist Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung (gegenseitige Rücksichtnahme). In der Fußgängerzone habe sich der Radfahrer dem Fußgänger unterzuordnen. Außerdem will die Stadt Zusatzschilder „Schritt fahren“ anbringen. Robby Heesch (FDP) regte zudem an, präventiv an Schulen aktiv zu werden.

Schrittgeschwindigkeit

Die Polizei könne in der Fußgängerzone keine Schrittgeschwindigkeit messen, so Andreas Walus. Das, so der Leiter des Polizeihauptreviers, könnten die Lasergeräte technisch nicht beweissicher realisieren. Außerdem stelle sich die Frage: „Was ist Schrittgeschwindigkeit?“ Die könne bei bis zu 15 km/h liegen nach einem Gerichtsurteil. Walus erklärte weiter, dass die Polizei angehalten sei, vor allem bei Brennpunkten tätig zu werden. Das sei angesichts der wenigen Unfälle aber in der Fußgängerzone nicht der Fall.

Verbot zu bestimmten Zeiten?

„Ein Totalverbot wäre nicht die Lösung“, so der Polizeirat. Denkbar sei aber, dies von der Saison oder bestimmten Tageszeiten abhängig zu machen. Walus: „Das würde kontrolliert werden können.“ Norbert Benz vom Ordnungsamt spricht „von einigen wenigen zu schnell fahrenden Radfahrern“. Die Situation sei insgesamt positiv einzuschätzen. An fünf bis zwölf Tagen im Jahr sei die Stadt so voll, dass Radfahren im Boulevardbereich nicht möglich sei. Frieder Weinhold (CDU) sagte, dass seine Fraktion für eine Einschränkung zu gewissen Zeiten tendiert habe. Nach der Anhörung der Experten hält er das für nicht erforderlich. Weinhold: „Bei Festen sollte es aber eine klare Ansage geben.“

Radsam-Kampagne

Marie-Anne Schlaberg vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ist für das Radfahren in der Fußgängerzone. Sie verwies auf die bundesweite „Radsam-Kampagne“ (www.radsam-kampagne.de). Diese wirbt für ein achtsames und rücksichtsvolles Miteinander von Fußgängern und Radfahrern in innerstädtischen Fußgängerzonen. Daraus gehe auch hervor, dass Wismar längst nicht die einzige Stadt ist, in der Radfahren in der Fußgängerzone erlaubt ist. Schlaberg kritisierte aber zu schnell fahrende Pizza-Boten. Die Chefs der beiden Wismarer Domino’s-Filialen erklärten im Wirtschaftsausschuss, das ein „generelles Verbot eine kleine Katastrophe“ wäre. Sie versprachen, mit ihren Fahrern intensiv das Thema zu bereden.

Wie weiter?

Vertreter von SPD, CDU, Für Wismar und FDP/Grüne erklärten im Wirtschaftsausschuss, gegen ein Verbot zu stimmen. Das Thema soll in den Fraktionen nochmal beredet werden. Marion Wienecke (Linke) ließ offen, ob ihre Fraktion den Antrag zurückzieht, verändert oder ihn wie gehabt erneut einbringen wird. Allerdings sind die Linken nicht unzufrieden. „Wir wollen die Radfahrer nicht diskriminieren. Wenn wir alle mehr sensibilisieren, würde ich das sehr begrüßen“, so Wienecke.

Hoffmann Heiko

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