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Wismar Kind missbraucht: Wismarer muss fast fünf Jahre in den Knast
Mecklenburg Wismar Kind missbraucht: Wismarer muss fast fünf Jahre in den Knast
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00:00 10.02.2015
Der Wismarer Georg Hein hat ein Kind mehrere Jahre sexuell missbraucht. Er wurde gestern im Landgericht Schwerin zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt. Pflichtverteidiger Ralph Schürmann (r.) sprach von „Abgründen“. Fotos (3): Cornelius Kettler
Schwerin

Fast regungslos nahm der 57-jährige Georg Hein sein Urteil entgegen. Das Landgericht Schwerin verurteilte den Mann gestern zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten. Mindestens vier Jahre lang hatte der Frührentner aus Wismar ein ihm anvertrautes Mädchen sexuell missbraucht. Der Angeklagte war während der Hauptverhandlung letzte Woche geständig.

Er gab seine Taten in 33 Fällen zu.

Von „Abgründen ohne Ende“ sprach Pflichtverteidiger Ralph Schürmann noch vor der Urteilsverkündung. „Der Mann hat einen IQ wie ein Kleinkind, ist aber nicht schwachsinnig“, so der Jurist. „Solche Fälle sucht man sich nicht aus“, gab er unumwunden zu. Schürmann ist fassungslos und beschreibt ein Milieu, in dem auch die Mutter der kleinen Betti (Name von der Redaktion geändert) offenbar Geld und Geschenke von dem Verurteilten bekommen habe. Schweigegeld?

Darauf ging der Vorsitzende Richter Armin Lessel gestern nicht näher ein, machte jedoch aufmerksam, dass das Verhalten der Mutter die Taten von Georg Hein erleichtert hätte. Der war ein Freund von Sabrina S. und ihrem Lebensgefährten Andreas W., die mit drei Kindern in Wismar lebten. Die 2003 geborene Betti war die Jüngste der drei Geschwister. Vermutlich bereits im Kleinkindalter lernte das Mädchen den Angeschuldigten kennen. Der entwickelte sich zu einer Art „Babysitter“. Er holte das Kind fast täglich mit seinem Auto oder fußläufig vom Kindergarten, später auch von der Schule ab.

Betti übernachtete auch regelmäßig bei Georg Hein. Dabei kam es immer wieder zu sexuellen Übergriffen. Zunächst schwieg Betti, die von ihrem Peiniger mit Geschenken wie Barbie-Puppen oder bunten Zeitschriften zum Schweigen erpresst wurde, doch irgendwann vertraute sie sich ihrer Mutter an. Das war zwischen 2008 und 2009. Diese glaubte ihrer Tochter nicht. Sabrina S. gab Betti weiterhin in die Obhut des Kinderschänders.

Am 25. April 2012 schließlich wurde das Kind an der Westtangente von der Polizei aufgegriffen. Es war nicht ihr erster Fluchtversuch. Betti wollte „per Anhalter“ weg und so ihrem Martyrium entkommen. Während ihrer richterlichen Vernehmung gab sie später an, dass sie von zu Hause weggelaufen sei, weil sie von Georg Hein „vergewaltigt“ worden sei. Das Kind beschrieb die Taten als schmerzhaft. Der Ermittlungsrichterin erzählte Betti, dass sie den Mann mehrmals angefleht hätte, sie in Ruhe zu lassen. Doch der habe dazu immer nur geschwiegen.

Die heute Elfjährige äußerte sich gegenüber Mitarbeitern vom Kinder- und Jugendnotdienst außerdem, dass sie immer zu „Georg“ abgeschoben wurde, wenn ihre Eltern keine Lust auf sie gehabt hätten.

Richter Armin Lessel sprach gestern von einer „langen Tragödie für das geschundene Kind“.

Georg Hein muss für seine Taten büßen. Staatsanwältin Heidrun Sprenger hatte zunächst für die Höchststrafe von fünf Jahren und sechs Monaten plädiert.

„Auch wenn er ein sehr einfach gestrickter Mann ist, hätte er das Unrecht seiner Taten jederzeit erkennen und beenden können“, so Lessel, der sich bei der Urteilsverkündung auf das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen bezog. „Der Angeklagte hat ein Geständnis abgelegt, Reue gezeigt und sich im öffentlichen Raum entschuldigt“, erläuterte Lessel gestern Aspekte, die für den Angeklagten sprechen. Er sei nicht einschlägig vorbestraft.

Gleichzeitig machte Richter Armin Lessel auch darauf aufmerksam, dass Georg Hein seine Freiheitsstrafe unter erschwerten Bedingungen absitzen wird. „Es ist kein Geheimnis, dass der Vollzug hart wird. Verurteilte mit dem ,K‘ auf der Stirn haben durch ihre Mithäftlinge oft einiges zu ertragen. Und auch nach der Haft wird der Verurteilte es schwer haben, sich sozial wieder einzubinden.

Fast alle Menschen werden sich abwenden.“

Staatsanwältin Heidrun Sprenger ließ gestern nach der Verhandlung gucken, dass sie prüfen werde, ob auch das Verhalten der Mutter von Betti strafrechtlich relevant ist. „Wir werden der Frau noch einmal richtig auf die Füße treten“, verkündete sie.



Ina Schwarz

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