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Wismar Kinder aus zehn Ländern in einer Kita
Mecklenburg Wismar Kinder aus zehn Ländern in einer Kita
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07:48 16.10.2017
Tala (5) und Zoey (4) sind richtig gute Freundinnen und helfen sich gegenseitig. Quelle: Fotos: Nicole Hollatz

„Hast Du eine Mütze mit?“, fragt Silke Vollstedt den kleinen Shirwan. Die Kinder der „roten Gruppe“ wollen rausgehen, es ist ein schöner, aber kühler Vormittag am Wismarer Friedenshof. „Eine Mütze?“, plappert Shirwan nach und macht große, fragende Augen. Silke Vollstedt zeigt auf einen der anderen Knirpse und seine Kopfbedeckung. Shirwan plappert nach „eine Mütze“ und schüttelt den Kopf. Er hat keine Mütze mit.

Spielend integrieren: Gelingt das im Alltag? In der Kindertagesstätte „Wiki“ am Friedenshof werden Mädchen und Jungen aus zehn verschiedenen Ländern betreut. Vor allem Sprachbarrieren gilt es zu meistern.

Es dauert, bis die Kinder alle angezogen sind und rauskönnen. Silke Vollstedt bleibt geduldig, lächelt und zuckt mit den Schultern: „Das ist so. Ich habe derzeit vier Kinder in der Gruppe, die mich praktisch nicht verstehen.“

So wie Shirwan aus Syrien mit den leuchtenden großen Augen und dem ansteckenden Lächeln. Seit einem Monat geht er in die Kita. Er wird die Sprache schnell lernen, das merkt man. Silke Vollstedt seufzt: „Wir sind ein Kindergarten im sozialen Brennpunkt, wir haben auch deutsche Kinder, die große Probleme mit der Sprache haben.“ Gerade die Kinder mit Migrationshintergrund sind lernwillig.

„Aber manch ein Kind ist einfach noch nicht bereit, mit uns zu sprechen. Sie brauchen Zeit“, erzählt Silke Vollstedt und deutet nur an: „Sie haben Fluchterfahrungen.“ Was die Kinder erlebt haben, was sie gesehen haben und verarbeiten müssen, bleibt offen.

Das erklärt vielleicht die zurückhaltende Tala. „Wie heißt du?“, wird sie gefragt. Sie antwortet nicht. Aber Zoey, viereinhalb Jahre alt, sitzt direkt daneben und springt ein. „Sie heißt Tala!“ Eine schmunzelndes Nachfrage: „Kann sie das nicht selber sagen?“ – „Nein, aber sie ist meine Freundin“, nimmt Zoey das syrische Mädchen in den Arm und kuschelt sich an. Zwei lachende Kinder in der „grünen Gruppe“ um Erzieherin Lisa Schwenckner. „Ein tolles Mädchen, aber sie ist schüchtern, sie traut sich noch nicht zu sprechen, aber sie flüstert mir schon erste Sachen zu“, berichtet Lisa Schwenckner aus dem Alltag. „Man merkt, wenn die Eltern engagiert sind“, berichtet sie von einem ihrer Sorgenkinder. Ein Junge, der sich noch ganz der Sprache verweigert. „Die Kinder helfen ihm, die können das“, lobt sie das Sozialverhalten ihrer kleinen Schützlinge. Und weiß, auch Mohammed wird irgendwann ankommen.

Die Kinder im neueröffneten Wiki-Kindergarten am Friedenshof kommen aus bis zu zehn verschiedenen Nationen. Timon aus Polen, Oivlia aus Russland, Shirwan aus Syrien. Jedes dritte, vierte Kind in der Kita hat einen Migrationshintergrund.

„Wo kommst du her?“, wird Bingul gefragt. Das Mädchen zuckt die Schultern: „Ich weiß nicht“ und fragt selbst weiter: „Wie heißt du?“ – „Nicole. Und du?“ – „Ich heiße Bingul und bin so alt“, zeigt sie sieben Finger hoch. Sie lacht: „Zweimal Nicole!“ und zeigt auf ihre Erzieherin Nicole Schröter. „Bingul spricht schon richtig gut Deutsch, aber ihre Eltern sprechen auch zu Hause viel Deutsch“, erzählt Nicole Schröter. Andere brauchen noch Hände und Füße für die Kommunikation.

Nicole Schröter lacht: „Die Kinder lernen spielend voneinander, die verstehen sich!“ Nur die Kommunikation mit den Eltern ist oft nicht einfach. „Gerade wenn die Entwicklungsgespräche anstehen, dann brauchen wir Dolmetscher! Aber die Eltern sind wissbegierig, kümmern sich und fragen nach“, erzählt Nicole Schröter. Und das ist, unabhängig von der Nationalität, der Hautfarbe oder von Sprachkenntnissen das Wichtigste für jedes Kind.

Nicole Hollatz

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