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Kirchenrechnungen verraten viel

Wismar Kirchenrechnungen verraten viel

Heft 22 der Wismarer Beiträge im Handel erhältlich

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Stadtarchivar Dr. Nils Jörn mit den handlich verpackten Schätzen, den Kirchenrechnungen. FOTO: NICOLE HOLLATZ

Wismar. Das Heft 22 der beliebten Reihe „Wismarer Beiträge“ ist druckfrisch im Handel erhältlich. Zehn Beiträge rund um die Geschichte Wismars und der Region auf 160 Seiten – die Themen reichen von mittelalterlichen Schnipseln über historische Kirchenrechnungen bis hin zum Wismarer Kriegsdienstverweigerer Paul Suhrbier. Die Kirchenrechnungen sind, so Stadtarchivar Dr. Nils Jörn, ein besonderer Schatz. Ein im wissenschaftlichen Sinne noch ungehobener. „Wir haben mehrere Zehntausend solcher Rechnungen seit dem 16. Jahrhundert“, erklärt der Historiker. Die Rechnungen sind in Päckchen zusammengebunden, Ehrenamtler sichten, ordnen und glätten sie derzeit. Nils Jörn: „Ich habe an einer dieser Rechnungen beispielhaft gezeigt, welches wissenschaftliches Potenzial dort drin steckt. Das ist eine wunderbare Quelle, die wir haben.“

Eine Kirchenrechnung aus dem Jahre 1703 hat er ausgewertet. In dem Jahr ist bei einem Sturm der Kirchturm von St. Nikolai eingestürzt, Kirchendach, Gewölbe und die Ausstattung der Kirche wurden zerstört. „Was haben die Menschen damals zuerst wieder aufgebaut, wie sind sie vorgegangen, woher haben sie Materialien wie die Dachziegel bezogen?“, fragt Dr. Jörn. Die entsprechende Kirchenrechnung gibt Antworten. „Die Handwerker sind monatelang in der Kirche unterwegs, um den Schutt rauszuschleppen“, weiß Dr. Jörn dank der neu ausgewerteten Quelle. Und: In ganz Deutschland wurde gesammelt für den Wiederaufbau der Kirche, drei Jahrhunderte vor dem „Wunder von St. Georgen“. „Man sieht an den Kirchenrechnungen die wahnsinnige Sammelleistung, es dauerte 20, 25 Jahre, bis die Kirche wieder fertig war.“ Die Rechnungen von damals verraten noch weit mehr. Was hat die Tonne Bier, was der Hering zur Verköstigung der Handwerker gekostet, was hat der Maurer am Tag verdient und was konnte er sich davon leisten? Und was, wenn all die Rechnungen wissenschaftlich ausgesucht werden könnten? Aber nur eine Quelle, nur ein Schatz von vielen. Dr. Anette Löffler schreibt in den Wismarer Beiträgen „... von einem gar alten ist nit mehr alß nur noch pergamentines Blat zur findten . . .“ und beschreibt ihr Projekt, die alten Handschriften im Bestand des Stadtarchivs zu datieren und zu bestimmen. Mehrere Hundert solcher „Schnipsel“ haben die Jahrhunderte überdauert – Fragmente, manch eines nur wenige Quadratzentimeter groß, andere als ganze Seite.

Beim ersten Blick hat die deutschlandweit bekannte Fachfrau vom Hugo von Sankt Viktor-Institut für Quellenkunde des Mittelalters ein Pergament aus dem 10. Jahrhundert entdeckt. Älteres könnte aus dem 8. und 9. Jahrhundert stammen und damit mehr als 1000 Jahre alt sein. Bisher ist das Stadtbuch von 1250 die älteste bekannte Quelle im Wismarer Archiv.

Das Heft 22

Die weiteren Themen des 22. Bandes der „Wismarer Beiträge“: Nils Jörn schreibt über die Sicherung der Wismarer Archivalien, Rainer Däbritz über die Wismarsche Reederei David Daniel Erdmann & CO., Maik-Jens Springmann über den Hafenverkehr Wismars im 19. Jahrhundert im Spiegel der Akten der Akzisekammer Wismars, der US-Amerikaner Roter P. Minert schreibt über die Volkszählungen in Mecklenburg-Schwerin von 1816-1916, Rita Gralow über eine historische Ansichtskarte vom „Hafen von Wismar in Mecklenburg“.

Das Heft gibt es im gut sortierten regionalen Buchhandel, im Stadtarchiv und in der Tourist-Information.

Nicole Hollatz

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