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Wismar Klützer Allee: Elf kranke Kastanien müssen weichen
Mecklenburg Wismar Klützer Allee: Elf kranke Kastanien müssen weichen
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00:10 17.02.2017
Die Rosskastanien an der Landesstraße von Grevesmühlen nach Klütz sind krank. Quelle: Foto: Malte Behnk

Die Alleebäume zwischen Grevesmühlen und Klütz sind krank. Zumindest sind elf der historischen Rosskastanien so stark von bakteriellen Erregern befallen, dass sie gefällt werden müssen. Das wird laut Auskunft des Ministeriums für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung in den kommenden Wochen geschehen. Dann wird es auch zu Verkehrsbehinderungen kommen, weil die Straße halbseitig gesperrt und eine Ampel aufgestellt wird.

Bei der turnusgemäßen Winterbaumschau der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Nordwestmecklenburg war die Krankheit bei den Alleebäumen festgestellt worden. „Die vorwiegend betroffenen Rosskastanien sind von einem bakteriellen Erreger vorgeschädigt. Dies führt dazu, dass die Baumrinde abstirbt und anschließend Pilze vordringen, was zum gänzlichen Absterben des Baumes führt und die Fällung des Hochstammes unvermeidbar wird. Zur Erhaltung der Verkehrssicherheit ist die rechtzeitige Abnahme der Bäume erforderlich“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums auf Anfrage. Bäume, die bei der Schau auffällig waren, sind nun mit roten Punkten oder roten Zahlen markiert.

Die Gemeinde Damshagen liegt in der Mitte der Allee zwischen Grevesmühlen und Klütz. Bürgermeisterin Mandy Krüger (parteilos) reagiert mit gemischten Gefühlen auf die Information der bevorstehenden Fällungen. „Es ist natürlich schade um so alte Bäume. Ich gehe aber davon aus, dass Ersatz geschaffen wird“, sagt sie. Tatsächlich ist vorgeschrieben, dass für einen gefällten Alleebaum zwei neue gepflanzt werden müssen. Gibt es keine Standorte für den Ersatz, muss Geld in den Alleenfonds des Landes gezahlt werden.

„Ich sehe aber auch oft mit Angst, wie krank die alten Bäume der Allee sind. Bei Stürmen müssen häufig die Feuerwehren ausrücken“, sagt Krüger. Sie hatte bislang den Eindruck, dass sich die Straßenverkehrsbehörde des Landes „etwas aus der Verantwortung gezogen“ habe, indem Bäume lediglich beschnitten wurden. Für die jetzt anstehenden Fällarbeiten zeigt sie deshalb auch Verständnis. „Die Gefahr ist viel zu groß, dass mal etwas Schlimmes passiert.“

Diese Einschätzung teilt auch Martin Bauer vom Nabu Mecklenburg-Vorpommern. „Wenn die Bäume vom Bakterium befallen sind, sind sie dem Tode geweiht“, sagt der Naturschützer. „Sobald sich ein Pilz einnistet, werden sie unberechenbar. Sie gehen innerhalb von ein bis zwei Jahren ein“, sagt er. Dann könnten die Bäume jederzeit abbrechen oder umfallen. Die jetzt betroffenen elf Bäume sind nach Ansicht des Nabu-Geschäftsführers nur die Spitze des Eisberges. Er geht davon aus. dass es in den nächsten Jahren zu weiteren Fällungen kommen wird. „Die Rosskastanien dort werden über kurz oder lang wahrscheinlich weiter von der Krankheit befallen und müssen dann wieder entfernt werden“, sagt er. Aufgrund der schädlichen Bakterien sei es auch nicht sinnvoll, an den Standorten, wo jetzt kranke Bäume entfernt werden, wieder Rosskastanien zu pflanzen. Ersatzpflanzungen würden eher mit anderen Baumarten an anderer Stelle erfolgen. Der etwa zehn Kilometer lange Abschnitt der Landesstraße 03 zählt zu den schönsten Alleen im Landkreis. Die Filmland MV gGmbH führt die Allee als attraktiven Drehort für Filmschaffende.

Die Krankheit

Im vergangenen Herbst mussten in Groß Schwansee in der Gemeinde Kalkhorst 67 Kastanien gefällt werden, die erst vor 17 Jahren gepflanzt worden waren. Sie waren vom sogenannten Rosskastaniensterben befallen. Dabei handelt es sich um das Bakterium „Pseudomonas“, das den Baum schwächt, sodass Pilze eindringen können.

Rosskastanien stammen ursprünglich vom Balkan, unter optimalen Bedingungen werden die Bäume bis zu 300 Jahre alt. Sie wurden als Alleebäume ab dem 18. Jahrhundert nach Mitteleuropa geholt.

Malte Behnk

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