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Wismar Kräne heben Kutter „Marlen“ aus dem Wasser
Mecklenburg Wismar Kräne heben Kutter „Marlen“ aus dem Wasser
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00:11 15.01.2015
Was für ein Spektakel: 42 und 35 Meter hoch sind die beiden roten Kräne, die gestern den Schleppnetzkutter „Marlen“ im Westhafen aus dem Wasser hoben. Das Schiff wird generalüberholt. Das Jobcenter NWM gab die Anschubfinanzierung. Quelle: Fotos: Ina Schwarz (5); H.-J. Zeigert

Fünf Kerzen hatte Irmtraud Rakow bereits am frühen Morgen ins Fenster gestellt. „Ein alter Seemannsbrauch“, erklärte die stellvertretende Vereinsvorsitzende vom Förderverein „Schleppnetzkutter Marlen“. „Soll Glück bringen“, ergänzte sie schmunzelnd.

Und das hat es. Ohne Komplikationen und bei herrlichem Sonnenschein wurde die „Marlen“ gestern im Westhafen von zwei Kränen aus dem Wasser gehoben und aufgepallt. Ein spektakuläres Schauspiel, das viele Menschen anlockte. „Ich habe 25 Jahre bei einer Reederei gearbeitet“, erzählte Vereinsvorsitzender Dietrich Goertz. „Aber so etwas habe ich auch noch nicht erlebt.“

Über 65 Tonnen wiegt der alte Kutter, der mehr als zwei Jahre ungenutzt an der Kaikante am Alten Holzhafen lag. Das fast 18 Meter lange Schiff wurde 1950 auf der Boddenwerft in Damgarten gebaut. Wind und Wetter haben ihm zugesetzt. Der Rost hatte längst das Kommando an Deck übernommen. Die Vereinsgründung im Oktober letzten Jahres hat das Schiff vor der Verschrottung gerettet. Und gestern begann für „Marlen“ nun wahrlich ein aufregender neuer Lebensabschnitt. Kurzzeitig erlebte sich der alte Dampfer sogar als Luftschiff.

Zwei leuchtend rote Kräne — 42 und 35 Meter hoch — hievten die Lady Stück für Stück aus dem Wasser. „Machen wir selbst auch nicht alle Tage“, verriet Kranfahrer Oliver Röhr. Er koordinierte den Einsatz seiner Kollegen — Profis von der Rostocker Korrosionsschutz GmbH der Krebs Unternehmensgruppe. „Die Herausforderung ist, den Pott erst mal aus dem Wasser zu bekommen. Wenn er dann in der Luft ist, geht es leichter“, erläuterte der Experte. Über Funk hielt er bei der Aktion Kontakt mit den beiden Kranfahrern Thomas Kirste und Henry Neumann. Sie hatten ihre tonnenschwere Last voll im Griff.

„Eine Meisterleistung der Schwerlastlogistik“, freute sich Sigfried Rakow, Geschäftsführer der SR Bildungszentrum Wismar GmbH. Seine Firma wird die Restaurierungsarbeiten begleiten. Die Anschubfinanzierung hat das Jobcenter Nordwestmecklenburg übernommen. „Ein tolles Projekt, für das wir eine Maßnahme gestartet haben“, so Geschäftsführer Martin Greiner. „Elf Langzeitarbeitslose sind aktuell bei dem Projekt bereits dabei. Alles freiwillig. Die Leute sind hoch motiviert. Ziel ist es, diesen Menschen wieder Perspektiven zu bieten — von Ausbildung bis Beschäftigung.“

Zimmermannmeister Klaus Becker aus Upahl wird das Team leiten. Er freut sich auf die kommenden zwei Jahre. So lange etwa wird der Schleppnetzkutter an Land bleiben. „Zunächst überholen wir die gesamte Außenhaut“, erklärte Dietrich Goertz. „Dann folgen Ruderanlage, Schwanzwelle und Propeller.“

Viel Zeit hat der junge Verein bisher in alle Vorbereitungen zur Generalüberholung der „Marlen“ gesteckt. „Mehr als ein Fulltimejob“, sagte Goertz, der sich auch im Verein „Poeler Kogge“ engagiert.

Vision des Fördervereins ist ein Traditionsschiff und damit die Bewahrung von Lebensart und Traditionen im Küstenraum.

Das Projekt
Der Förderverein „Marlen“ e. V. wurde im Oktober letzten Jahres gegründet. Er hat aktuell 19 Mitglieder. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das maritime Erbe — insbesondere die Fischerei an der Ostseeküste — in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses zu setzen. Das Gebiet des Wismarer Hafens eignet sich dafür hervorragend. Der stillgelegte Schleppnetzkutter „Marlen“, auf dem die traditionsreiche Wismarer Fischer-Familie Saager lange Jahre gefischt hat, soll wieder flottgemacht werden. Ein maritimes Zentrum mit musealem Charakter soll schließlich entstehen. Damit wird die „Marlen“ die bereits existierende Traditionsflotte, bestehend aus der „Atalanta“ und der „Wissemara“, ergänzen. Der Förderverein hat den Kutter vor der Verschrottung gerettet.



Ina Schwarz

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