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Andrea Röpke: So eine Festung der Neonazis darf es nicht geben

Grevesmühlen Andrea Röpke: So eine Festung der Neonazis darf es nicht geben

Die Politologin und Journalistin stellte ihr neues Buch „Gefährlich verankert“ im Rathaussaal vor — und äußerte sich auch zum Thing-Haus in Grevesmühlen

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. . . ist ein Ort für Veranstaltungen der rechten Szene. Die Polizei ist dort öfter im Einsatz.

Quelle: Fotos: Archiv/karl-Ernst Schmidt/dirk Hoffmann

Grevesmühlen. „Ich war schockiert und überrascht“, sagte die Politologin und Journalistin Andrea Röpke am Mittwochabend auf den Moment zurückblickend, als sie 2011 das erste Mal vom Thing-Haus Kenntnis bekam. So eine Festung der Neonazis in einem Gewerbegebiet dürfe es nicht geben, sagte sie während der Vorstellung ihres Buches „Gefährlich verankert — Rechtsextreme Graswurzelarbeit, Strategien und neue Netzwerke in MV“ im Grevesmühlener Rathaussaal. Das Thing-Haus, so Röpke, sei zu einem Rückzugsort der Neonazis aus ganz Nordwestmecklenburg geworden. Viele Veranstaltungen würden dort im Jahr stattfinden. Lobend erwähnte sie hier die starke Polizeipräsenz. Aber die Ignoranz der Bevölkerung hätte es möglich gemacht, dass das Thing-Haus überhaupt Bestand habe. Wegschauen statt selber aktiv zu werden, das beobachte sie in Mecklenburg ganz besonders.

 

OZ-Bild

Das Thing-Haus im Grünen Weg in Grevesmühlen . . .

Sehr schnell wurde an dem Abend, zu dem die Rosa-Luxemburg-Stiftung und das Kommunalpolitische Forum e. V. eingeladen hatten, klar: Andrea Röpke kennt sich aufgrund ihrer 20-jährigen Recherche in der rechten Szene bestens aus — weil sie immer nahe am Geschehen ist. Denn man brauche konkrete Beweise, um die Gefahr, die von den Neonazis ausgeht, belegen zu können, so ihre Meinung. Deshalb ist es für sie auch völlig normal, dass sie und ihre Kollegen das Treiben in Jamel genau verfolgen. So machten sie zum Beispiel im vergangenen Jahr Aufnahmen vom 11. nationalen Kinderfest. Dort wurden unter anderem Lieder der Hitlerjugend gesungen. „Die machen dort, was sie wollen“, so Röpke, die nach eigener Aussage immer wieder auf das besagte Thing-Haus und Jamel, wo drei Viertel der Häuser den Neonazis gehören, angesprochen wird.

Nicht immer sind die Neonazis sofort erkennbar, wie Röpke bei ihrer Buchvorstellung erklärte. Denn sie sind auch mit anderen Gruppierungen vernetzt und arbeiten mit ihnen zusammen. Teilweise vermischen sich die Szenen. Zum Beispiel befinden sich unter den Rockern Neonazis, umgekehrt ist das ebenfalls der Fall. Welche Mischszenen es gibt und wie gefährlich sie sind, das hat Andrea Röpke in der 3. Auflage ihres Buches „Gefährlich verankert“ auf 40 Seiten dargestellt.

Auch zu Parteien wie der AfD oder Bewegungen wie Pegida oder MVgida hat die Journalistin eine klare Meinung, die sie bei der Buchvorstellung offen vertrat. So würde sich die AfD in ihren Augen als Ordnungshüter aufspielen und sei doch ein „völlig zerstrittener Haufen“, wie sie nach ihrem Besuch auf dem Landesparteitag im Februar in Demmin feststellte. Dort hatte sie nach einer Stunde den Saal verlassen müssen.

„Ich fand es gut, dass bei der Gegendemonstration zur MVgida viele Menschen in die Kirche kamen“, warf Gundula Siegerth (56) in die Diskussion mit ein. Das Schlimme an den Bewegungen und Szenen ist, so Röpke, dass sie sich gegenseitig befeuern.

„Die Veranstaltung war sehr informativ“, meinte der 85-jährige Lutz Tannhäuser vom Freundeskreis der Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern. „Wir haben großen Nachholebedarf in der Aufklärungsarbeit“, fasste Simone Oldenburg als bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag ihre Eindrücke aus der Veranstaltung zusammen. Und Horst Krumpen (49), Kreisvorsitzender der Linken, der Andrea Röpke schon bei anderen Vorträgen erlebt hatte, war einmal mehr tief beeindruckt. „Sie kennt die Szene sehr gut“, so Krumpen. Er fand es nur schade, dass so wenig Leute — es waren gerade einmal 23 — kamen.

Die Journalistin und Politologin schien mit der Resonanz dennoch zufrieden. Mehr Publikum hatte sie gar nicht unbedingt erwartet. Zu Beginn ihrer Buchvorstellung hatte sie sich bei den Besuchern für fehlende Exemplare entschuldigt. Ganz verzichten müssen sie auf dieses Buch aber nicht. Bei der SPD ist es kostenlos zu bekommen.

Von Dirk Hoffmann

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