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Aus Fäden entstehen Schmuckstücke

Groß Raden Aus Fäden entstehen Schmuckstücke

Imra Möhring aus Karow beschäftigt sich mit dem Brettchenweben.

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Imra Möhring aus Karow am selbst gefertigten Brettchenwebrahmen und Kursleiterin Ruth Barczewski (l.).

Quelle: Ines Engelbrecht

Groß Raden. Immer wieder zählt Imra Möhring die Zeichen, die sie sich auf dem karierten Papierblatt aufgemalt hatte. Dann dreht sie die Brettchen, die zwischen den Fäden gespannt sind und geht mit dem Schiffchen durch. Sie besucht zum zweiten Mal den Kursus im Brettchenweben im Archäologischen Freilichtmuseum in Groß Raden bei Sternberg.

Dazu hatte Museumsmitarbeiterin Ruth Barczewski eingeladen. Vor 15 Jahren arbeitete die Ruchowerin als Museumspädagogin und hatte hier den Schülern verschiedenste Handarbeitstechniken nahegebracht.

„Die Technik des Brettchenwebens hatte mich schon zwei Jahre vor dieser Tätigkeit fasziniert und ich habe sie mir im Laufe der Zeit weiter angeeignet. Es ist schon erstaunlich, wie man mit einem Einzug drei verschiedene Muster herstellen kann“, erzählt die 55-Jährige. Die Brettchenweberei ist eine sehr alte Bandwebtechnik, die von den Völkern zur Anfertigung von Lasttragbändern und Schmuckborten genutzt wurden. Zum Weben nahm man zwei dünne Holzbrettchen mit Löchern. Heute gibt es diese Webtechnik noch in Skandinavien und im europäischen Teil Russlands.

Bevor die Frauen in Groß Raden mit der Praxis starteten, gab es Theorie. „Die Zahl zeigt beim Weben immer nach links auf dem Webbrettchen“, erklärte Ruth Barczewski. Damit die Erkennung leichter fällt, gab sie den Tipp, die schmalen Seiten der Brettchen unterschiedlich mit Farbstiften zu kennzeichnen. „Das Spannende dabei ist der Aha-Effekt, wenn man sich sein eigenes Muster ausgedacht und aufgezeichnet hat, anstatt ein vorgegebenes zu probieren“, sagte Imra Möhring. Sie hatte einen transportablen kleinen Webstock mitgebracht, den ein Bootsbauer aus ihrem Freundeskreis fertigte. „Ich mache mit der Arbeit weiter, die ich im November begonnen hatte. Es ist aber nicht einfach, wieder den Faden zu finden. Ich möchte Brettchenweberei aus Interesse machen, weil wir mit unseren Freunden und der eigenen Sippe auf Mittelaltermärkten unterwegs sind. Mein Mann ist mit Schnitzereien künstlerisch tätig und ich bin für die Gewandungen zuständig“, so die Karowerin.

Manuela Blecken hat ihre Schmuckborte an einem Wandhaken befestigt und arbeitet an ihrem Stück weiter. Auch sie besucht zum zweiten Mal den Kursus der Brettchenweberei. „Mit dem Zierband möchte ich das Kleid meiner Tochter verzieren. Ich bin sonst viel mit den Pfadfinderkindern bei uns unterwegs, mag die Natur und die früheren Techniken“, so die 48-Jährige. Konzentriert arbeitet die Remplinerin an ihrem Band weiter und erzählt, dass sich eine Großtante aus Plön mit der Brettchenweberei beschäftigte, was sie zufällig herausgefunden hatte. Ruth Barczewski hat zwei Schraubzwingen am Tisch befestigt und zeigt Renate Peter die Vorgehensweise, um gleich lange Webfäden zu bekommen.

„Jetzt im Ruhestand habe ich endlich Zeit für all die schönen Dinge, die ich schon immer machen wollte. Gerade die handwerklichen Sachen haben es mir angetan. Ich liebe alles, was natürlich ist und von der Natur kommt. Ich stricke, sticke und nähe seit sehr vielen Jahren. Zurzeit stricke ich viel für mein Enkelkind und male dreidimensionale Bilder in Ölfarbe. Ich kann mich richtig hineinsteigern in Kunst“, sagt die Güstrowerin und sucht sich die passenden Farbknäuel aus. Sie besuchte den Kursus erstmals, ebenso wie Steffi Ewert. „Wir sind eine Wikingertruppe und auf Märkten zu finden. Als Beschäftigung dafür möchte ich nicht immer nur kochen, sondern mir die Brettchenweberei aneignen, weil sie dazu passt. Ich nähe gerne, mache Patchworkarbeiten und Nadelbinden, eine ebenfalls mittelalterliche Technik. Mein erster Gürtel jetzt soll ein einfaches Muster haben und ein Gürtel für die Tunika meines zweijährigen Sohnes werden“, sagt die 30-Jährige aus Wismar.

 



Ines Engelbrecht

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