Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 18 ° Regenschauer

Navigation:
Den Blinden ein Denkmal gesetzt

Neukloster Den Blinden ein Denkmal gesetzt

Neukloster hat am Alten Markt ein neues Stück Kunst / Sieben Skulpturen von Wolfgang Friedrich

Voriger Artikel
Premiere auf der Kammerbühne
Nächster Artikel
Kleiner Oktopus mit großer Symbolik

Der Rostocker Bildhauer Wolfgang Friedrich hat für das Geländer am Alten Markt in Neukloster sieben kleine Skulpturen geschaffen. Die erste trägt die erklärende Unterschrift: „Kleine Kulturgeschichte der Blindheit von der Antike bis zur Gegenwart“. FOTOS (7): SYLVIA KARTHEUSER

Neukloster. Wer sagt denn, dass Kunst im öffentlichen Raum immer groß sein muss? In Neukloster ist sie eher filigran. Jüngstes Beispiel ist die Arbeit des Rostocker Bildhauers Wolfgang Friedrich für das Geländer am Alten Markt. Im vergangenen Jahr hat er einen von der Stadt ausgelobten Wettbewerb für sich entschieden. Eine Bedingung: Die Skulpturen sollten auf eine Besonderheit der Stadt hinweisen: In Neukloster wurde 1864 die erste Großherzogliche-Mecklenburgische Blindenanstalt als staatliche Institution eröffnet. Und noch immer ist die Stadt mit Schule und Internat ein Zentrum der Bildung für Blinde und Sehbehinderte.

OZ-Bild

Neukloster hat am Alten Markt ein neues Stück Kunst / Sieben Skulpturen von Wolfgang Friedrich

Zur Bildergalerie

An dem Wettbewerb hatten sich sechs Künstler beteiligt, die sich mit dem Thema Sehen und Blindheit auseinandersetzten. Und jeder hatte seine Vorstellung, wo auf dem Alten Markt seine Arbeit aufgestellt werden sollte. Wolfgang Friedrich wählte einen eher ungewöhnlichen Platz: das Geländer, das den höher gelegenen Teil des Alten Marktes vom niedriger gelegenen trennt. Dafür schuf er sieben Figurengruppen aus Bronze, jede auf einer knapp 40 Zentimeter langen und etwa zehn Zentimeter breiten Grundplatte. Unter dem selbst gewählten Motto „Blinde Seher, sehende Blinde, blinde Sehende“ hat der 69-jährige Bildhauer „eine kleine Kulturgeschichte der Blindheit“ geschaffen. Die Darstellungen reichen von „Blendung des Polyphem“ aus der „Odyssee“ des blinden Dichters Homer bis zu Louis Braille, dem Erfinder der Punktschrift.

„Ich denke, es war eine gute Entscheidung des Preisgerichts, Wolfgang Friedrich zu wählen“, sagt Neuklosters Bürgermeister Frank Meier (parteilos). Das zwölfköpfige Gremium bestand aus Stadtvertretern, Mitgliedern verschiedener Vereine und Institutionen sowie interessierten Bürgern. „Und wir haben harte Diskussionen geführt“, erinnert sich Stadtvertreter Andree Kopitzke (Wähler für Neukloster).

Mit den Arbeiten von Wolfgang Friedrich werde in der Stadt eine weitere künstlerische Handschrift präsentiert, sagt Frank Meier. 2001 stellte Dörte Michaelis aus Vogelsang, einem Ortsteil von Neuburg, auf dem Neumarkt drei Nonnen in verschiedenen Lebensaltern auf. Die gemauerten Figuren erinnern an die Kloster- und Stadtgründung von 1219.

Fünf Jahre später gedachte Rainer Kessel aus Neu Nantrow, ebenfalls ein Ortsteil von Neuburg, der Schwedenzeit mit einer vierteiligen Skulptur. Ein Helm mit Kragen, ein Pferdekopf, ein Wagenrad und ein Vogel erinnern daran, dass Neukloster nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) bis zum Malmöer Pfandvertrag von 1803 unter schwedischer Herrschaft stand, wie auch Wismar und Poel. Die Skulpturen in Neukloster erinnern an die Klostergründung, die Schwedenzeit und die Besonderheit als „Blindenstadt“. Das muss nicht zwangsläufig die letzte künstlerische Arbeit im öffentlichen Raum sein. „Mal sehen, was uns noch einfällt“, sagt Frank Meier und lacht.

Aus dem Lebenslauf von Wolfgang Friedrich

1947 Geburt in Torgau 1966   Abitur mit Berufsausbildung als Glasfacharbeiter 1968-73   Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden bei Prof. Gerd Jaeger, Prof. Walter Arnold, Prof. Herbert Naumann und Dozent Helmut Schwager 1973-74   Aspirantur 1977-78   Lehrer an der Abendschule der HfBK Dresden seit 1978 freier Bildhauer in Rostock 2003-09 Dozent für Grundlagenstudium an der Technischen Kunstschule in Rostock Zitate von Wolfgang Friedrich: Gefahren lauern überall: Das Kleine kann niedlich sein, das Große peinlich werden. Ich sehe meine Arbeit als Gratwanderung hin zur eigenen Mitte. Die Welt als Modell, in dem das Auge lange umherwandern kann, ohne anzukommen.

Figur – Figuration – Architektur: Vom sinnlich Organischen hin zum tektonisch Brüchigen, Idyllen und Katastrophen. Die Vergegenwärtigung des antiken Erbes auf dem Horizont heutiger Erfahrung.

Verwendete Materialien: Wachs, Gips, Ton und anderes für Terrakotten und Bronze. Blei- und Kupferbleche, Stein, Stahl, auch als Fundstücke ergänzen die Arbeiten. Zeichnung und Radierung begleiten zunehmend das plastische Werk von Wolfgang Friedrich.

Sylvia Kartheuser

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Binz

Sandra Pixberg aus Altefähr stellt in Binz ihr Buch „99 Besonderheiten der Insel“ vor

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Kultur
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.