Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Ein Altar wie aus Porzellan

Dorf Mecklenburg Ein Altar wie aus Porzellan

Nach fünf Jahren Restaurierung hat Dorf Mecklenburg bei Wismar ein prächtiges Ausstattungsstück von 1622 zurück. Es ist einer der ersten Altäre mit protestantischem Bildprogramm.

Voriger Artikel
Noch freie Plätze an Musikschule
Nächster Artikel
Spuren der Reformation

Der Altar von 1622 in der Kirche von Dorf Mecklenburg (hier ein Detail) ist frisch restauriert. Offiziell wieder in Betrieb genommen wird er am Sonntag.

Quelle: Sylvia Kartheuser

Dorf Mecklenburg. Weiß, vor allem Weiß, und erst dann die zurückhaltende Farbgebung mit Akzenten in Gold – das ist der erste Eindruck vom Altar in der Dorfkirche von Dorf Mecklenburg. „Jemand hat zu uns mal gesagt, der Altar sähe aus wie aus Porzellan“, sagte Restauratorin Katharina Geipel aus Berlin am Mittwoch bei der Vorstellung des Prunkstücks. Etwa 3600 Stunden, verteilt über fünf Jahre, haben sie und die Wismarer Restauratorin Annette Seiffert an dem Hochaltar von 1622 gearbeitet.

Farbreste von 1851 beseitigt

Zunächst galt es, die dicken Farbreste einer Übermalung von 1851 zu beseitigen. „Von der ursprünglichen Renaissance-Fassung haben wir nur Reste an der Predella, dem Sockel, gefunden“, erklärte Katharina Geipel. Zu wenig, um daraus eine Farbgebung für den gesamten Altar rekonstruieren zu können. In Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege entschied man sich daher für die nachgewiesene barocke Bemalung. Und die hat eben so viel Weiß, dass von dem eigentlichen Material Eichenholz nichts zu sehen ist.

Allianz für die Finanzierung

145000 Euro hat die Restaurierung des Altars gekostet, ein kleiner Teil ist dabei auch in die Konservierung der Kanzel geflossen. Das Geld kam durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung mit der Sparkasse Mecklenburg-Nordwest und der Rudolf-August Oetker-Stiftung sowie der Ella Freifrau von Lüttwitz-Stiftung, der Wilhelm und Käthe Kracke Stiftung, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Stiftung Kirche im Dorf im Rahmen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zusammen. „Heutzutage kann man ein solches Projekt nur in einer Allianz durchführen“, sagte Friedrich-Wilhelm von Rauch, Geschäftsführer der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. Er zeigte sich beeindruckt von dem, was den Restauratorinnen gelungen ist. „Am Anfang hat man nur eine Vision. Es ist schön, wenn man am Ende sieht: sie ist aufgegangen.“

Hofküchenmeister als Geldgeber

Lob gab es auch von Bischof Andreas von Maltzahn. Er wies zudem auf die Bedeutung des Altars hin. Mit seinem evangelischen Bildprogramm sei er exemplarisch für die Umgestaltung von Kirchenräumen während der Reformation. Mit dem Ausbau der Dorfkirche aus dem 14. Jahrhundert wollte Herzog Adolf Friedrich I. von Mecklenburg-Schwerin (1588-1658) nahe des Stammsitzes Mikelenburg an das Alter seiner Dynastie erinnern. So erhielt die Kirche als eine der ersten eine Ausstattung, die sich an der Reformation orientierte – auch, weil der Herzog seinen Hofküchen- und Zeremonienmeister Gregor Wolff dazu bewegen konnte, den neuen Altar zu stiften.

Ohne Irmtraut und Gottfried Hempel aus Kiel wäre die Restaurierung wohl nicht so schnell zustande gekommen. 1995 gründeten sie die Stiftung Kirche im Dorf. Sie unterstützt vor allem die Restaurierung von Innenausstattungen. „Für die großen Sachen gibt es Fördermittel, aber bei den kleineren hapert es oft“, begründete der 88-Jährige gestern in Dorf Mecklenburg das Stiftungsziel. 2012 sei es schlichtes Gottvertrauen gewesen, dass die Restaurierung klappen würde. „Jetzt freut es mich, den Altar so schön zu sehen“, so Gottfried Hempel.

Offizielle Einweihung am Sonntag

Offiziell wird Pastorin Antje Exner den Altar mit dem Gottesdienst zum Erntedank am Sonntag ab 10 Uhr wieder in Betrieb nehmen. „Und ich freue mich sehr, dass die Restaurierung so hervorragend war“, sagte sie. Die Reliefs, die erstmals Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament einander gegenüberstellen, würden jetzt viel plastischer wirken. Zudem freue es sie, „dass der Altar pünktlich zum Jubiläum der Reformation vor 500 Jahren fertig wurde“.

Sylvia Kartheuser

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.