Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 4 ° Sprühregen

Navigation:
Finger-Kunst von blinden Schülern

Neukloster Finger-Kunst von blinden Schülern

Vier Jugendliche aus dem Überregionalen Förderzentrum Neukloster haben mit Andreas Fenner Bilder gestaltet

Voriger Artikel
Italienischer Filmabend in Wismar
Nächster Artikel
Kunst im Zeichen der gelben Schirme

Künstler Andreas Fenner (2. v. r.) unterrichtet erstmals die blinden Schüler Tilman (15), Hendrik (15), Mathias (14) und Maik (16, v. l.) vom Überregionalen Förderzentrum Sehen in Neukloster.

Quelle: Fotos: Sylvia Kartheuser

Neukloster. Es ist ein aufregender Tag für Mathias (14), Hendrik (15), Tilman (15) und Maik (16). Die vier blinden Schüler vom Überregionalen Förderzentrum Sehen in Neukloster werden heute Bilder herstellen. Bilder mit ausgeprägten Strukturen, die sie ertasten können.

OZ-Bild

Vier Jugendliche aus dem Überregionalen Förderzentrum Neukloster haben mit Andreas Fenner Bilder gestaltet

Zur Bildergalerie

In der ehemaligen Scheune hinter dem Galeriecafé hat Fotograf und Künstler Andreas Fenner einiges vorbereitet. Er hat Seesterne und Netze mit unterschiedlichen Fadenstärken besorgt und am Strand Muscheln gesammelt. Jetzt lagern die Zutaten für die Bilder in Tüten oder liegen auf dem Tisch. Nur zögernd greifen die mehrfach behinderten Jugendlichen, zum Teil Autisten, in die Tüten, lassen die Muscheln durch die Finger gleiten. Nach und nach lassen sie sich auf die neue Erfahrung ein. Jeder wählt die Muscheln heraus, die er in seinem Bild verarbeiten will. Das Gleiche geschieht mit den in Streifen geschnittenen Netzen und den Seesternen.

„Ich habe das Thema Meer gewählt, weil die Jungs damit etwas anfangen können. Immerhin kennen sie die Ostsee“, sagt Andreas Fenner. Maik, Hendrik, Tilman und Mathias schieben die Sachen auf der weißen Platte ihres Bildes hin und her. Schließlich haben sie sich entschieden, wo die einzelnen Zutaten ihren Platz finden sollen und kleben sie mit Leim fest. Der Hausherr zollt ihnen Lob: „Ich finde, das ist ganz toll und kann sich schon jetzt sehen lassen.“

Der Kunstunterricht außerhalb der Schule kam durch die Bekanntschaft von Lehrerin Gaby Czajka zu Galeriebetreiberin Kerstin Gerber und Andreas Fenner zustande. „Entstanden ist die Idee hier am Tisch im Café“, sagt Gaby Czajka und lacht. Ihre Schüler, bei denen es im Förderzentrum Sehen zusätzlich um den Förderschwerpunkt geistige Entwicklung geht, haben jetzt die Oberstufe erreicht. Als nächstes folgt die „Arbeitsstufe“, die wie Unter-, Mittel- und Oberstufe drei Jahre dauert. „Jetzt müssen die Schüler einfach mal raus aus dem gewohnten Schulumfeld und an einem anderen, fremden Ort etwas lernen“, erklärt die Lehrerin. Ein Ziel sei dabei auch, die Geschicklichkeit der Hände zu fördern, zum Beispiel durch das Greifen und Platzieren der Gegenstände auf den Bildern.

Andreas Fenner räumt ein, dass der Besuch der blinden Schüler für ihn eine Herausforderung war. „Ich habe mich gefragt, wie kann ich mit jemandem, der nicht sehen kann, in einem visuellen Bereich arbeiten?“, erzählt er. Sein Urteil nach der Premiere in der ehemaligen Scheune: „Es ging ganz hervorragend.“ Er lächelt und schließt eine Wiederholung nicht aus.

Noch sind die vier Bilder naturbelassen: die Netze sind weiß oder schwarz, Muscheln und Seesterne haben ihre natürliche Farbe. So bleibt es aber nicht. Am nächsten Dienstag sind die vier Schüler wieder bei Andreas Fenner. Dann werden sie ihre Finger statt in den Leimtopf in Farbe tauchen. Maik weiß ganz genau, in welche: „Blau“, sagt er, schließlich solle das Bild das Meer zeigen. Als Eva Sauvonnet und Ronny Nowatzki vom Personal mit sonderpädagogischen Aufgaben (PmsA) nachhaken, räumt der 16-Jährige jedoch ein, dass auch ein bisschen „Grün“ dabei sein kann. „Aber es soll das Meer bleiben“, betont er.

Von der Blindenanstalt zum Förderzentrum

Die Schule in Neukloster ist das einzige Überregionale Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Sehen in Mecklenburg-Vorpommern.

Die Wurzeln liegen in der 1864 gegründeten Großherzoglich-Mecklenburgischen Blindenanstalt. Aus deren Schulteil wurde 1953 eine eigenständige Sehschwachenschule.

1975 zog die Schule in die Gebäude des ehemaligen Lehrerseminars. Seit 1991 werden lernbehinderte blinde und sehbehinderte Schüler aufgenommen. Seit 1994 werden dort auch Schwerstmehrfachbehinderte unterrichtet.

Von 1998 bis 2012 war das Land Mecklenburg-Vorpommern Träger der Schule. Am 1. August 2012 erfolgte der Trägerwechsel zum Landkreis Nordwestmecklenburg.

Die Anerkennung als Überregionales Förderzentrum für den Förderschwerpunkt Sehen erfolgte am 25. Mai 2011.

Von Sylvia Kartheuser

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kröpelin
Freuen sich schon auf die szenische Lesung am Sonntag ab 16 Uhr im Kröpeliner Bahnhof: Lo Graf von Blickensdorf und Joelle Meissner — hier am Freitag vor dem Grand Hotel Heiligendamm.

Lo Graf von Blickensdorf und Freundin Joelle Meissner versprechen humor- und sinnvollen Sonntagnachmittag

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Kultur
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.