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Französische Mode: Kleid und Hut aus Wismar restauriert

Wismar Französische Mode: Kleid und Hut aus Wismar restauriert

Die Textilien aus dem 19. Jahrhundert sollen ab Ende 2017 im Stadtgeschichtlichen Museum zu bewundern sein / Fielmann-Stiftung will Geld für weitere Arbeiten geben

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Die Diplom-Konservatorin Rosemarie Selm (60) neben den von ihr restaurierten Textilien. Das Chemisenkleid und der Zweispitz sind wahrscheinlich um 1810 entstanden. Eine beliebte Mode im Wismar der damaligen Zeit. Fotos (4): Norbert Wiaterek

Wismar. Der Modegeschmack der Wismarer Bürgerinnen und Bürger war um 1800 französisch geprägt. Besondere Zeugnisse für diese Frankreich-Liebe befinden sich in der Sammlung des Wismarer Museums: ein Chemisenkleid und ein Zweispitz-Hut. Beide Objekte wurden lange genutzt und wiesen viele Gebrauchs- und Altersspuren auf. Dank der Günther-Fielmann-Stiftung konnten die wertvollen Exponate restauriert werden. Sie befinden sich momentan im Magazin in der Beguinenstraße und sollen bald im Stadtgeschichtlichen Museum an der Schweinsbrücke zu sehen sein.

 

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Das Kleid und der Zwei- spitz befanden sich in einem schlechten Zustand.“Corinna Schubert, Wismarer Museum

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Die beiden Exponate wer- den eine Be- reicherung für das Wismarer Museum sein.“Carsten Oettle, Fielmann-Filiale Wismar

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Das Kleid und der Zwei- spitz befanden sich in einem schlechten Zustand.“Corinna Schubert, Wismarer Museum

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Die beiden Exponate wer- den eine Be- reicherung für das Wismarer Museum sein.“Carsten Oettle, Fielmann-Filiale Wismar

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„Das Damenkleid, etwa Größe 32, ist wahrscheinlich seit 1864 in der Sammlung des Wismarer Museums. Von verschiedenen Abbildungen wissen wir, dass solche Kleider eine kurze Zeit lang in der Hansestadt modern waren“, erklärt Schabbellhaus-Mitarbeiterin Corinna Schubert. „Es ist möglich, dass das Kleid der Frau von Gottfried Frahm aus dem Haus Schweinsbrücke 6 gehört hat.“ Der Hut war 1948 auf der Inventarliste des Museums aufgetaucht.

Das Schabbellhaus und der angrenzende Kemladen werden derzeit saniert. Geht alles nach Plan, wird das Museum Ende 2017 – mit fast 2000 originalen Sachzeugen der Wismarer Geschichte in mehr als 300 Präsentationsmöbeln – eröffnet. Das Kleid und der Hut, denen die Diplom-Konservatorin Rosemarie Selm aus Preetz (Schleswig-Holstein) jetzt zu alter Schönheit verhalf, erhalten ihren Platz im ersten Obergeschoss des Vorderhauses Schweinsbrücke 6 im Bereich „Wismar mecklenburgisch“ – neben einem Bild, das eine Frau Lummert aus Wismar in einem ähnlichen Kleid zeigt.

Etwa anderthalb Monate brauchte Rosemarie Selm für die Schönheitskur der beiden Exponate. Wie die 60-Jährige erklärte, wurde das filigrane, tief ausgeschnittene Kleid um 1810 oder 1820 angefertigt.

Das Oberteil aus Tüll und die Puffärmel sind reich verziert. „Die Zierelemente wurden teilweise mit Baumwollwatte gepolstert, was zu diesem schönen 3-D-Effekt führt. Die blattförmigen Aufsätze sowie der schlauchartig gepolsterte Besatz des Rocksaums, der den leichten Stoff etwas in Richtung Boden zieht, betonen das Volumen, während das transparente Tüllgewebe den Eindruck delikater Leichtigkeit vermittelt“, so die Expertin mit Wurzeln im US-amerikanischen Bundesstaat Indiana. Während der Konservierungsarbeit entdeckte Selm, dass die „Röllchen“ an den Puffärmeln mit Papier, das hauptsächlich aus Bastfasern besteht, gepolstert waren. Rosemarie Selm reinigte das vergilbte und teilweise bräunlich verfärbte Mädchenkleid, es ist 1,30 Meter lang, und unterstützte Fehlstellen mit Seidenstoff.

Außerdem glättete sie das verklumpte Papier, das „hart wie Holz“ war.

Das Unterkleid aus Seide stammt aus dem Jahr 2000. Eine Mitarbeiterin des Museums soll es genäht haben.

In einem schlechten Zustand präsentierte sich auch der klappbare Hut aus napoleonischer Zeit. Insekten hatten Löcher in den Filz aus Hasenhaar geknabbert, es gab dunkelgraue Ablagerungen, das Innenfutter aus Seide war gerissen und hatte starke Falten. Selm reinigte den Stoff, sicherte die fragilen Zierelemente und unterstützte schwache Stellen der Ausfütterung mit neuem Seidenstoff.

„Fehlende Filzstellen habe ich leicht retuschiert, das Lederschweißband ist nun ausgerichtet und stabilisiert“, so die Fachfrau. Interessant ist die verblasste dreifarbige Kokarde, also das kreisförmige Abzeichen, auf dem 52 Zentimeter breiten und 35,5 Zentimeter hohen Hut. „Darauf könnten einmal die Farben Mecklenburgs zu sehen gewesen sein. Aber sicher ist das nicht“, so Corinna Schubert. Damit der Zweispitz im Museum gezeigt werden kann, wurde er auf eine maßgeschneiderte Form gesetzt.

Wie Jürgen Ostwald berichtet, kostete die Konservierung der beiden Wismar-Exponate insgesamt etwa 7500 Euro. Das Geld stammt von der Fielmann AG, in deren Auftrag Ostwald nach Schätzen für Museen in Nord- und Ostdeutschland sucht. „Ich betreue etwa 150 Sammlungen in kleinen und mittleren Museen und kann im Jahr etwa 500000 Euro für neue Objekte oder die Bestandspflege ausgeben“, sagt der Kunsthistoriker, der darauf wartet, dass man ihm Wünsche mitteilt. Die Günther-Fielmann-Stiftung kann sich ein weiteres Engagement in Wismar vorstellen. So könnten zum Beispiel die Restaurierung des Wasserleitungsplanes der Wismarer Altstadt und einer Fahne von Kapitän Bale finanziert werden. Im Jahr 2014 hatte die Stiftung bereits wertvolle englischsprachige Bücher aus dem 19. Jahrhundert für mehrere Tausend Euro gekauft und damit die Möglinsche Sammlung des Stadtgeschichtlichen Museums ergänzt.

Kupferstich gesucht

1808 soll J. L. Hornemann einen colorierten Kupferstich angefertigt haben. Darauf sind die Wismarer Altstadt, der Hafen mit Schiffen sowie Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt zu sehen. Das etwa 70 Zentimeter breite Bild zeigt auch eine Frau mit einem Kleid, das dem von Rosemarie Selm restaurierten Objekt ähnelt. Das Wismarer Museum ist am Kauf des Original-Kupferstiches interessiert.

Norbert Wiaterek

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