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Heinrich Thormann prägte Wismar

Wismar Heinrich Thormann prägte Wismar

Heute jährt sich der Geburtstag des Architekten zum 200. Mal

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Die Thormann-Villa am Altwismartor um 1910. Archiv: Detlef Schmidt

Wismar. Begeben wir uns in der Hansestadt auf die Spuren eines ihrer bedeutendsten Söhne. Viele Häuserzeilen, Straßenzüge und Plätze werden durch Bauwerke von Heinrich Gustav Thormann charakterisiert: die von ihm 1861 restaurierte Wasserkunst auf dem Markt, das dortige (spätere) Bankgebäude, das repräsentative Wohnhaus Am Schilde 11, die Villa Am Lindengarten, ganz zu schweigen von den Giebelfassaden der Wohn- und Kaufmannshäuser, die vom Bürgerstolz ihrer Besitzer zeugen. Nicht vergessen werden dürfen Thormanns zahlreiche Entwürfe von Gutshäusern in Mecklenburg und Vorpommern.

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Heute jährt sich der Geburtstag des Architekten zum 200. Mal

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Wer aber war dieser Mann, dessen Geburtstag sich heute zum 200. Mal jährt und dessen künstlerisches Erbe Wismar und sein Umland so geprägt hat? Heinrich Thormann wurde in seinem Elternhaus, Dankwartstraße 31/33, geboren. Er entstammte einer Kaufmanns-, Reeder- und Juristenfamilie. 1835 entschloss sich Heinrich Thormann, Architekt zu werden. Wichtigste Lehrer waren Friedrich Wilhelm Ludwig Stier (1799-1856) und Friedrich August Stüler (1800-56). Die Prüfung nahm schließlich Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) ab.

So liegt es auf der Hand, dass sich die Architektursprache der Berliner Bauakademie auch in den Werken Thormanns widerspiegelt. Der Wismarer beherrschte das historistische Formenvokabular, nicht nur der englischen Gotik, sondern vielmehr der Deutschordens-Gotik, die er der Marienburg/Nogat in Westpreußen entlehnte. So sind die Thormanns Bauten kunsthistorisch in die Romantik einzuordnen.

Thormann und sein Kommilitone Hermann Willebrand (1816-99) gingen als Baukondukteure in den großherzoglich mecklenburg- schwerinschen Staatsdienst, den Thormann allerdings am 18. Oktober 1852 quittierte. Er hatte sich längst als Privatarchitekt einen Namen gemacht. Während seiner Beamtentätigkeit hatte sich Thormann 1850 vergeblich für den Erhalt der aus dem 14. Jahrhundert stammenden „Banzkow‘schen Sühnekapelle“ in Wismar eingesetzt.

Er war zu der Auffassung gelangt, dass er sein Gedankengut ausschließlich als Privatarchitekt in die Praxis umsetzen konnte. Die Initialzündung für seine Karriere als Architekt war das 1839 begonnene und 1842 vollendete Stadttheater. Zwischen 1839 und 1843 erfolgte die Neugestaltung des Chorumganges und der Innenausstattung der Marienkirche. So wurde er als Architekt auf einen Schlag bekannt und erhielt Folgeaufträge. Der Beginn der Architektenlaufbahn war insbesondere dadurch bestimmt, dass sich Thormann mit seinem Entwurf des Theaters auch gegen seinen wichtigsten Mitbewerber, Johann Heinrich Strack (1805-80), durchsetzte.

Parallel zu den ersten Bauaufträgen in Wismar etablierte sich Thormann ab 1842 auch als Architekt von Gutsanlagen im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin. Dabei wurde sehr schnell deutlich, dass der Baumeister keine konventionelle Entwurfsweise wählte, sondern — aus heutiger Sicht gesehen — seinen Mitbewerbern mindestens um eine Nasenlänge voraus war: Ausgefeilte Grundrisse und Innenausstattungen machen seine Gutshäuser zu bequemen Wohnhäusern. Herz seiner Gutshausentwürfe war das zentrale Treppenhaus, dessen natürliche Beleuchtung durch einen Lichtschacht mit Dachfenster erfolgte.

Aufgrund des Vertrauens, das Thormann bei seinen Auftraggebern genoss, erhielt er zahlreiche Empfehlungen und avancierte zum bedeutendsten Gutshaus-Architekten Mecklenburgs der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bisher sind in Mecklenburg und Vorpommern 120 Gutsanlagen bekannt, die zum Bau-Engagement Thormanns zählen. Im Großherzogtum war er an einem Achtel aller Gutsanlagen beteiligt. Dabei ähneln die Bauteile wie Türme, Giebel und Veranden einander, sodass den Häusern das gleiche Entwurfskonzept zugrunde lag. Auch weil Thormann bürointerne Normen für Türen, Fenster und andere Ausstattungsteile entwickelt hatte, konnte er eine höhere Anzahl von Gutshäusern planen und vollenden als seine Zeitgenossen.

Thormann verfügte über ein — nach modernen Gesichtspunkten betrachtet — überregionales Netzwerk von Bauhandwerkern sowie Maurer- und Zimmerermeistern, die seine Entwürfe ausführten. Der Architekt war ein stets in Zusammenhängen denkender und planender Baukünstler, bezog das lokale Umfeld in seine Konzepte ein.

Stadtführung zum 200. Geburtstag von Thormann: heute, Start ist um 10.30 Uhr an der Tourist-Info, Lübsche Straße 23a. Entgelt: 7 Euro.

Thormannsche Stiftung

9000 Mark vermachte Heinrich Thormann der Stadt Wismar für eine Stiftung, die seinen Namen tragen sollte. Der Betrag sollte dem Zweck dienen, strebsamen jungen Handwerkern den Besuch einer Fachschule, einer Werkmeisterschule oder eines Technikums zu erleichtern. Die Stiftungsgründung wurde im Juni 1890 bekannt gemacht. Dem Stadtrat Fritz als Verwalter der Stiftung wurde im November 1946 mitgeteilt, dass von den sowjetischen Besatzungsbehörden bei der Leerung der Schließfächer in den Stahlkammern der früheren Sparkasse auch Wertpapiere der Stiftung entnommen worden und verloren sind. Abrechnungen für die Zeit von April 1948 bis Juli 1951 wurden durch die Kontroll- und Revisionsabteilung der Stadt im August 1951 an den Dezernenten des Sozial- und Fürsorgeamts der Stadt als Verwalter der Stiftung zurückgegeben.

Von Felix Lüdemann

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