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Jubiläumsvorstellung: „Denk di doch wat anners ut“

Wismar Jubiläumsvorstellung: „Denk di doch wat anners ut“

Die Wismarerin Lisa Kuß steht seit sechs Jahrzehnten bei den Maaten auf der Bühne / Am 10. September ist die 78-Jährige im Theater zu erleben

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Lisa Kuß und Juliane Gössel, ebenfalls Darstellerin der Niederdeutschen Bühne, blättern im Fotoalbum.

Quelle: Nicole Hollatz

Wismar. Lisa Kuß denkt sich immer wieder gerne „wat anners ut“, wenn es um „ihre“ Niederdeutsche Bühne geht. Neue Spielszenen, neue Sketche, neue Ideen. In diesem Jahr feiert die jung gebliebene 78-Jährige ihr 60. Bühnenjubiläum. Für die besondere Vorstellung am Sonnabend, dem 10. September, um 17 Uhr im Wismarer Theater mit dem Stück „Denk di doch wat anners ut“ (Premiere 2014) gibt es noch Karten.

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Die Wismarerin Lisa Kuß steht seit sechs Jahrzehnten bei den Maaten auf der Bühne / Am 10. September ist die 78-Jährige im Theater zu erleben

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Gefragt, was die intensivsten Erlebnisse in diesen 60 Jahren auf den Wismarer Theaterbühnen und darüber hinaus waren, macht Lisa Kuß große Augen. „Jede Vorstellung ist ein neues Erlebnis, jedes Publikum anders“, sagt sie lachend. Und plaudert mit dem ersten von vielen Fotoalben in der Hand von den Anfängen. „Ich wollte immer Schauspielerin werden, aber die Eltern haben natürlich gesagt, ich soll erst einmal was Anständiges lernen“, erzählt sie. Auf der Werft lernte sie erst Schlosser, wechselte dann in den kaufmännischen Bereich. Die Niederdeutsche Bühne hatte damals ein hohes Ansehen, also fragte sie an, ob sie mitmachen dürfe. Platt konnte sie natürlich.

„Meine Großeltern haben nur platt mit uns geredet.“ Auf die Bühne durfte sie nicht gleich, musste erst im „Kasten“ als Souffleuse ihre Sprachkenntnisse beweisen. „Da kam der Bühnenleiter aus Güstrow und meinte: So wat sett ji in’n Kasten? De möt doch op de Bühn rup!“ Also wechselte Lisa Kuß – damals noch unverheiratete Draehmpaehl – vom Souffleusenkasten auf die Bühne. „Dat Horoskop“ war ihr erstes Stück. Am 27. März 1956 stand sie erstmals auf der Bühne. Inzwischen hat sie bei 82 Inszenierungen mitgemacht, hatte 2421 „Einsätze“. Lisa Kuß erzählt von der Aufregung vor den ersten Bühnenküssen für sie als junges Mädchen. Vom „Hamburger Beer“ – so hieß ein Stück – in der „Sonne“. „Jahrzehnte haben wir dort gespielt, das war das Haus der Plattdeutschen.“ Alleine das Stück „Keen Utkamen mit'n Inkamen“ wurde 53-mal aufgeführt. „50 war Satz, so oft haben wir damals jedes Stück gespielt“, erinnert sie sich. Namen wie August Schönberg als Mitbegründer der Bühne und Käthe Schröder fallen. „Die kennen die alten Wismarer noch.“

1959 stand sie mit den „Fuul Eier“ erstmals mit ihrem Mann Willi auf der Bühne. „Da ich nicht von der Bühne runterzukriegen war, ist er mit raufgekommen“, schmunzelt Lisa Kuß. Sie spielte immer weiter. Als sie hochschwanger war, musste das Kostüm entsprechend umgenäht werden, später waren die Kinder einfach mit dabei. „Die haben irgendwann gefragt, wie sprecht ihr da? Dann haben sie auch angefangen“, erzählt Lisa Kuß weiter. Die damals 14-jährige Tochter Antje war Auslöser für die Gründung der Kindertheatergruppe – die erste plattdeutsche im ganzen Land. „Die gibt es immer noch und sorgt dafür, dass wir nie Nachwuchssorgen hatten“, dankt Lisa Kuß.

Eine besondere Vorstellung gab es am 9. November 1989 mit „De Boors an de Angel“. Eigentlich ausverkauft, spielten die Maaten vor einem fast leeren Saal. Von der Grenzöffnung erfuhren sie erst später von einem Lübecker Reporter, der so mit im Publikum saß und Probleme hatte, wieder nach Hause zu kommen. Ihr Lieblingsstück war das Märchen „De Fischer un sien Fru“ (1961). Laut Zeitung bekam die junge Lisa das „Keifen“ der Fischersfrau so wunderbar hin. „Das kann ich“, lacht Lisa Kuß. Auch im wiederaufgenommenen Stück darf sie sich von der garstigen Seite zeigen als Schwiegermutter Wilhelmine. „Minsch Alfred, woans hest du dat schafft, di so een Swiegermudder an Land to trecken?“ Das müssen die Zuschauer selbst herausfinden. Ans Aufhören denkt sie nicht (mehr). „Ich hab immer gesagt, mit 60 höre ich auf. Dann mit 65, dann wurde ich 75, ohne dass ich es gemerkt habe. Ich kann nicht aufhören. Wenn ich aufhören würde und nur noch zu Hause sitze wie manch ein anderer, dann wär es vorbei!“

Vorstellungen

Für alle Vorstellungen im September, November und Dezember der Niederdeutschen Bühne Wismar gibt es im Wismarer Theater noch Karten. Am 10. September um 17 Uhr wird „Denk di doch wat anners ut“ aufgeführt, am 8. Oktober um 17 Uhr das aktuelle Stück „Wat den eenen sien Uul . . .“ zum 30. Bühnenjubiläum von Astrid Kuß.

Nicole Hollatz

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