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Kogge segelt durch die Breite Straße

Wismar Kogge segelt durch die Breite Straße

Die Kunst von Sprayer Christian Pursch fällt auf in Wismar. Derzeit sorgt der 32-jährige Graffiti-Künstler dafür, dass die Stromkästen zu Hinguckern werden.

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Darf sprayen und verdient damit sogar sein Geld: Christian Pursch (32) bei der Arbeit in der Breiten Straße. Dort hat er den Stromkasten mit dem Motiv der Poeler Kogge „Wissemara“ farblich gestaltet. Fotos (3): Nicole Hollatz

Wismar. Die Kogge „Wissemara“ segelt in den Sonnenuntergang. Normalerweise bringt der Wismarer Graffiti-Künstler Christian Pursch (32) solche Bilder auf große Wände. Auf Trafohäuschen, die Wände von Parkhäusern, manch eine private Wand. Aber für seine Auftragsarbeiten in der Wismarer Altstadt stehen ihm nur jeweils wenige Quadratmeter zur Verfügung. Er verschönert die Stromkästen. „Das hilft gegen die Schmierereien und gegen das wilde Plakatieren“, weiß er aus der jahrelangen Erfahrung. Die von ihm gestalteten Wände und Kästen bleiben sauber. „Das ist der Respekt vor meiner Arbeit“, erzählt der Wismarer. „Ich komme selbst aus der Graffiti-Szene.“

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Diesen Schwedenkopf hat Christian Pursch in der Altwismarstraße verewigt.

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Er erzählt: „Mit 13 habe ich angefangen, wie das so ist als Jugendlicher, da muss man das mal ausprobieren.“ Aus den — meist nicht gern gesehenen — Graffiti wurde Kunst. 1998 kam der erste offizielle Auftrag für ein Trafohäuschen. „Damals hab ich noch für die Spraydosen gearbeitet“, erinnert er sich. Die Dosen waren teuer für den Jugendlichen. Christian Pursch ist seiner Leidenschaft treu geblieben, hat eine Kunstschule besucht und das Hobby nach seiner Ausbildung als Drucker bei der OSTSEE-ZEITUNG zum Beruf gemacht. Die ersten Jahre waren hart. „In der Zeit war das Geld wirklich knapp.“ Gerade, weil es ein Saisongeschäft ist, das Sprayen im öffentlichen Raum. Aber die Aufträge kamen. Mittlerweile gehören auch große Firmen wie Lübzer Pils, der Rostocker Flughafen oder die Wismarer Hochschule zu seinen Auftraggebern. Dazu viele private Kunden, die sich Innenräume mit der Spraydose gestalten lassen. So hat Christian Pursch auch im Winter gut zu tun. Nun die kleinen Stromkästen als besondere Herausforderung. „Man hat mit der Spraydose ja eine große Strichführung“, erklärt er. Wie er die Kästen gestaltet, ist seiner Fantasie überlassen. Er guckt, was passt. So guckt Rudolph Karstadt auf „sein“ Warenhaus in der Lübschen Straße. In der Altwismarstraße — Ecke Diebstraße grinst ein frecher Schwedenkopf die Menschen an, während am Markt eine stilisierte Stadtsilhouette ein verträumtes Flair auf einen sonst bis zur Unkenntlichkeit verklebten Kasten zaubert. In der Lübschen Straße weist ein Stromkasten die Autofahrer witzig zurecht aufzupassen.

Über 1500 Farbdosen sprüht er jedes Jahr leer, rettet damit manch eine Parkhauswand vor dem Vandalismus und dem, was andere mit der Spraydose hinterlassen. Verständnis hat er trotzdem für die „wilden“ Sprayer.

Kontakt: www.teml-designs.de

Es gibt auch schöne illegale Graffiti, dann ist das für die Öffentlichkeit interessant. Sonst ist das für alle auch nur ein Geschmiere.“Christian Pursch (32), Graffiti-Künstler

aus Wismar

 

 

Nicole Hollatz

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