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Wismar Kunst mit Spannung aus Holz und bunten Gurten
Mecklenburg Wismar Kunst mit Spannung aus Holz und bunten Gurten
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00:00 24.03.2014
Die 3,30 Meter große Kugel aus Holz und Spanngurten fasziniert im Seitenschiff der Georgenkirche. Fotos (3): Nicole Hollatz

Ein Spanngurt hilft beim Transport. Viele Spanngurte können zur Kunst werden. Zur faszinierenden Kunst — vorausgesetzt, der Besucher lässt sich auf sie ein und wagt den genauen Blick, die Auseinandersetzung. Am Freitagabend wurde die Ausstellung „Überspannte Bögen“ der Berliner Künstlerin Katja Pfeiffer in der Wismarer Georgenkirche eröffnet.

Die große Kugel im Seitenschiff fällt als erstes Kunstobjekt auf. 3,30 Meter im Durchmesser, trotzdem luftig leicht aus dünnen Holzstäben. Bunt auf den zweiten, den genaueren Blick. Denn die Holzelemente des gewaltigen dreidimensionalen Puzzles sind nur durch bunte Spanngurte miteinander verbunden. Die aus dem Baumarkt, mit denen, durch die Koffer auf dem Autodach festgezurrt werden.

Katja Pfeiffer erhebt die Spanngurte zur Kunst. Mit einem ernsten Hintergrund.

„Während meines Stipendiums besuchte ich die italienische Stadt L‘Aquila“, berichtet die Künstlerin. Eine fast zerstörte Stadt — nach einem Erdbeben der Stärke 6,3 im April 2009 mit mehr als 300 Todesopfern und zehntausenden Menschen, die obdachlos wurden. „Da gab es eine Kirche mit einem Riss in der Mitte“, beschreibt Katja Pfeiffer. „Vier Gurte hielten die Kirche provisorisch zusammen, dieser Eindruck ist hängen geblieben, die provisorische Haltbarkeit.“ 2011, zwei Jahre nach dem Beben, war sie dort. Das Ergebnis sind ihre beiden großen Ausstellungsstücke in der Georgenkirche.

Neben der Kugel das begehbare Quadrat.

Katja Pfeiffer hat mit dieser provisorischen Haltbarkeit ihren eigenen Kunstraum in St. Georgen geschaffen. Einen Raum aus billiger Spanplatte und massiven Dachlatten als Ständerwerk, als Versteifung — und vier überdimensionalen Spanngurten. An den Innenwänden dieses Raums sind kleinere Arbeiten der Künstlerin, Collagen aus Metallstreben, Holz, aus Bändern und Schrauben. Auch provisorische Konstruktionen, die durch Katja Pfeiffer zu „Providurien“, zu dauerhaften Provisorien werden.

„Was die Welt im Innersten zusammen hält, ist im Werk von Katja Pfeiffer beweglich und ein Provisorium, nämlich ein Spanngurt“, sagte Julia Brodauf, Künstlerin und Autorin aus Berlin, bei der Einführung und ließ die Ausstellungsgäste schmunzeln. Kunst mit der Erkenntnis, das nichts für die Ewigkeit gebaut ist.

Das dritte, große Objekt in der Georgenkirche könnte im Raum schnell untergehen. Katja Pfeiffer hat eine Tür mitgebracht, die wie eine im Kirchenbauprozess vergessene alte Innentür neben einer der kleinen, fest eingebauten Kirchentüren steht. In der weißen Kastentür ist ein Guckloch. Der neugierige Kirchen- oder Ausstellungsbesucher muss sich bücken, wenn er seinem Voyeurismus nachgeben will.

Was zu sehen ist? Nicht das „heilige Schlüsselloch“ mit Blick auf die Kuppel des Petersdom. Besucher müssen schon selbst nachschauen.

Die Künstlerin
Katja Pfeiffer wurde 1973 in Karlsruhe geboren. Von 1992 bis 2000 studierte sie an der Kunstakademie Düsseldorf bei Günther Uecker, Alfonso Hüppi und Jan Dibbets Kunst und Erziehungswissenschaften auf Lehramt, später Geschichte auf Lehramt. Seit 2006 hat sie eine Professur für Kunst an der Bergischen Uni Wuppertal. Sie lebt in Berlin.
Die Ausstellung in der Georgenkirche ist bis zum 21. April zu sehen. Im März täglich von 11 bis 16 Uhr, ab April täglich von 10 bis 18 Uhr.



Nicole Hollatz

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