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Meditativ: Fotos durch unendliches Licht

Wismar Meditativ: Fotos durch unendliches Licht

Der Künstler Volkmar Herre aus Stralsund zeigt Bilder aus der Camera obscura

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Volkmar Herre zeigt seine ungewöhnlichen Fotografien in der Galerie Hinter dem Rathaus in Wismar. Fotos (2): Nicole Hollatz

Wismar. Sie wirken unwirklich, die Bilder von Volkmar Herre, unreal, nicht greifbar. Der Stralsunder stellt sie derzeit in der Galerie Hinter dem Rathaus aus. Der Titel:

OZ-Bild

Der Künstler Volkmar Herre aus Stralsund zeigt Bilder aus der Camera obscura

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„Unendliches Licht“. Bereits im Jahr 2013 zeigte er seine beeindruckenden Bilder in Wismar, seinerzeit im Baumhaus am Alten Hafen. Die jetzigen sind „typisch Herre“ und doch wieder ganz anders. Zu seinen klassischen Schwarz-Weiß-Fotografien kommen Farbbilder — alles andere als klassisch — und Experimente. Alle vereint durch die Technik, mit der sie fotografiert wurden.

Beziehungsweise durch das Nichtvorhandensein von Technik. Volkmar Herre fotografiert mit der Camera obscura.

„Die Camera obscura ist ein Apparat ohne Linse, nur mit Loch, durch das belichtet wird“, erläutert der Künstler. Mehrere Minuten, zwei Stunden oder auch 304 Tage — Volkmar Herre hat Zeit zum Belichten. Meditatives Fotografieren. Es hilft, zur Ruhe zu kommen und Stress abzubauen in einer stressigen Zeit. „Ich muss Geduld haben, ich schenke mir diese Zeit selbst“, erklärt er seinen gegensätzlichen Ansatz zur modernen Digital- oder Handyfotografie, in der in kürzester Zeit schnell Hunderte Bilder „geschossen“ werden.

„Ich brauche nichts Technisches, keine Batterie, die irgendwann alle ist, und kein Objektiv, das kaputt geht“, sagt der Künstler. Er braucht einen Kasten, einen Film, zur Not einen Kaugummi, mit dem das Loch im Kasten verschlossen werden kann, ein Stativ und vielleicht noch einen Belichtungsmesser. Und Geduld. So fotografiert er die Kreidefelsen, die alten, knorrigen Bäume auf der Insel Vilm, die Uferlandschaften.

Volkmar Herre sieht die Wolken vorbeiziehen. Sieht die Natur sich verändern beim Warten. Das, was sich verändert, fängt er während dieser langen Belichtungszeit ein. Mehr, als das menschliche Auge wahrnehmen kann. Beispielsweise die Spuren der Sonne. Gut ein Jahr lang hat er einige Fotos belichtet. Dazu hat er in große Kartons lichtempfindliches Papier gepackt. Das, was eigentlich in der Dunkelkammer unter den Negativfilm kommt, um ganz analog ein Positiv, ein Papierbild zu entwickeln. Dreihundert und einen Tag lang stand diese Box mit der mikroskopischen Öffnung und mit Blick auf den Stralsunder Markt im Fenster und „belichtete“. „Das Bild entsteht durch die Veränderung der Emulsion, der lichtempfindlichen Schicht auf dem Papier“, erklärt Herre. Allmählich entstand so über den langen Zeitraum der Hauch eines Bildes, mehr gemalt als fotografiert und doch viel intensiver, als die Masse der heutigen Bilderflut. Die Häuser gegenüber sind zu sehen, dazu die Spuren, die die Sonne ins Papier gebrannt hat. „Ein Notizbuch der Sonne“, sagt Volkmar Herre beim Blick auf das Bild und lacht. Die Sonne hat Streifen über das Papier gezogen, mal intensiv, mal löchrig, je nach Wetter, Wolken und Sonnenstand.

Etwas Technik musste dann doch sein. Damit das lichtempfindliche Papier jetzt nicht verblasst, hat Herre es eingescannt. „Das Original ist geopfert, durch die Lichtflut löst es sich auf.“

Daten zur Ausstellung

Die Ausstellung „Unendliches Licht — Naturschau mit der Camera obscura“ von Volkmar Herre ist bis zum 23. April in der Galerie Hinter dem Rathaus zu sehen. Sie wird vom Verein „Gemeinschaft Wismarer Künstler- und Kunstfreunde“ betrieben.

Die Galerie ist dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr sowie am Sonnabend von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Der Eintritt ist frei.

Volkmar Herre , Jahrgang 1943, hat Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig studiert, seit 1969 arbeitet er als freiberuflicher Fotograf und Buchgestalter. Seit 1986 lebt er in Stralsund, ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Fotografie mit der „Camera obscura“.

Die Camera obscura ist die Urform des Fotoapparats. Sie besteht aus einem innen geschwärzten Kasten, in den durch ein kleines Loch Licht auf die gegenüberliegende transparente Rückwand trifft. In dem Loch kann eine Sammellinse angebracht sein. Fehlt diese, so spricht man von Lochkamera.

Von Nicole Hollatz

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