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Nach 98 Jahren: Die alte Orgel präsentiert sich neu und klangvoll

Friedrichshagen Nach 98 Jahren: Die alte Orgel präsentiert sich neu und klangvoll

Die Winzer-Orgel in der Kirche in Friedrichshagen ist aufwendig restauriert worden / Im Ersten Weltkrieg ist sie geplündert worden / Gefeiert wurde mit einem Orgelkonzert

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Die Orgel ist aufwendig restauriert worden – für 26000 Euro.

Friedrichshagen. In einer guten Orgel stimmen große und kleine Pfeifen, heißt es in einem Sprichwort. Gut war das Instrument in der Kirche in Friedrichshagen demnach nicht mehr. Genauer gesagt 98 Jahre lang. Der Erste Weltkrieg hatte Spuren hinterlassen. Denn die Kirche ist geplündert und die sogenannten Prospektpfeifen, also die sichtbaren, sind zu Munition eingeschmolzen worden. Seit 1917 klang die Orgel nicht so, wie sie eigentlich klingen sollte – es ertönte eher halbherzige Musik. Bis Dezember vergangenen Jahres. Auf Initiative des Fördervereins der Kirche konnte die Orgel restauriert werden.

Am vergangenen Sonntag ist das Instrument offiziell eingeweiht worden. Ein denkwürdiger Tag für die Kirchengemeinde – und Joachim Schünemann, Vorsitzender des Fördervereins. Mit den Mitgliedern warb er Geld ein, konnte sogar zur Benthack-Stiftung Kontakt aufnehmen, von der es 10000 Euro gab – der Grundstock für die mehr als 26000 Euro teure Restaurierung. An der Finanzierung beteiligten sich zudem das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege sowie die Nordkirche als Landeskirche.

Flott gemacht hat das Instrument letztlich Orgelbaumeister Andreas Arnold aus Plau am See. „Wir waren von September bis Dezember beschäftigt“, erklärt er. Wir – das sind vier weitere Mitarbeiter.

Nicht ganz einfach seien die engen Platzverhältnisse vor Ort für die Reparatur gewesen, sagt er. Aber die Freude ist nun auch bei ihm groß, dass die Klänge wieder schön durch die Kirche hallen – nicht zuletzt auch, weil er sich mit dem 600 Jahre alten Gotteshaus in Friedrichshagen verbunden fühlt. „Ich kenne die Kirche seit 1981. Mit einer Bläsergruppe hatte ich hier mehrfach Auftritte“, erinnert sich der 51-Jährige.

Die Freude über die funktionstüchtige Orgel ist auch bei Gunhild Hanf groß. Die 56-Jährige aus Friedrichshagen agiert oft als Organistin in der Kirche. Alle zwei Wochen finden dort Gottesdienste statt – immer im Wechsel mit Gressow. Da die verbundene Kirchengemeinde mit ihren etwa 300 Mitgliedern keinen eigenen Pastor hat, halten Gastpastoren oder Laienprediger die Worte zum Sonntag. „Ich bin glücklich, dass die Orgel restauriert werden konnte“, erklärt Gunhild Hanf. „Es ist ein enormer Unterschied zu vorher.“

Dem pflichtet auch Kirchengängerin Christa Lipke aus Plüschow bei. „Jetzt klingt sie, wie eine Orgel klingen muss. Ein Jubel. Ich freue mich“, meint die 76-Jährige. Ein anderer Gast, der aus der Umgebung angereist war und seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sprach von einer ruinierten Orgel, die er bei seinem ersten Besuch in der Kirche vorfand. Den alten Klang bezeichnete er als Gejaule, jetzt aber sei er wunderschön, schätzt er ein. Viele Kirchgänger nutzten den vergangenen Sonntag, um bei der feierlichen Einweihung des Instruments dabei zu sein – zunächst beim Festgottesdienst mit Bischof Andreas von Maltzahn und nach einer gemütlichen Kaffeerunde bei einem Orgelkonzert mit Kirchenmusikdirektor Eberhard Kienast aus Wismar.

Kirchenjubiläum

Die Kirche in Friedrichshagen feiert in diesem Jahr 600-jähriges Jubiläum. Schriften belegen, dass im Winter des Jahres 1413 in den Wäldern der Umgebung stattliche Eichen geschlagen und auf einem Platz neben der zukünftigen Kirche nach alter Zimmermannskunst per Hand bearbeitet und zu einem Dachstuhl zusammengesetzt wurden.

Auf einen Kirchturm wurde zunächst verzichtet, der wurde erst 115 Jahre später errichtet.

Schon 1541 wurde die Kirche geplündert. So heißt es in einem Protokoll: „...ein Kerkherr ist nicht da. Die Kerke stehet wüste und verfällt. Die Bülowen haben das Silber aus der Kerken genommen...“

Jana Franke

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