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Römer-Münze bei Wismar gefunden

Wismar Römer-Münze bei Wismar gefunden

Seltenes Silber-Stück auf einem Acker entdeckt / Fläche hat bereits viele Schätze preisgegeben

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Die Rückseite zeigt die sitzende Göttin Vesta mit Palladium und Zepter.

Wismar. Sensationeller Fund in der Nähe von Wismar: Jens Dammann hat auf einem Acker 15 Kilometer südöstlich der Hansestadt eine römische Silbermünze, einen so genannten Denar, gefunden. Was Archäologen westlich des Rheins nur ein müdes Lächeln entlockt, ist in Mecklenburg-Vorpommern ein seltener Glücksfall. „Denn römische Münzen zählen hier noch immer zu den großen Seltenheiten“, berichtet der ehrenamtliche Denkmalpfleger. Mehrerer Tage ist der 47-Jährige mit dem Metalldetektor auf dem Feld unterwegs gewesen – bis der ausgeschlagen hat. „Das ist ein Römer“, freut sich Dammann, als er die Münze das erste Mal sieht. Und was für ein Römer die ist: Sie gehört zu einem Münztyp, den man in Mecklenburg-Vorpommern bisher noch gar nicht gefunden hatte, bestätigt das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege.

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Seltenes Silber-Stück auf einem Acker entdeckt / Fläche hat bereits viele Schätze preisgegeben

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ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger gibt es zurzeit in Mecklenburg-Vorpommern. Sie helfen dabei, das archäologische Kulturerbe in MV zu erhalten, zu pflegen und zu erforschen. Sie erhalten nach mehreren Lehrgängen von der Landesarchäologie einen Ausweis, mit dem sie sich legitimieren können.

Ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger erfassen Denkmale, sammeln Fundmaterial und melden diese.

Genau handelt es sich um eine Prägung, auf der Julia Domna, die zweite Frau des römischen Kaisers Septimius Severus (193–211 nach Christi Geburt) und Mutter der Kaiser Caracalla (211–217) und Geta (211), abgebildet ist. Die Rückseite zeigt die sitzende Göttin Vesta mit Palladium und Zepter. Den genauen Fundort hält der glückliche Finder geheim. Denn dort sind bereits einige Schätze ans Tageslicht geholt worden. „Die Fläche hat schon viele Funde in einer großen zeitlichen Bandbreite geliefert“, berichtet Dammann. So seien zum Beispiel eine Fibel (Gewandschließe) des 4.

Jahrhunderts, die erste in Mecklenburg geschlagene Münze aus dem frühen Mittelalter, zwei frühneuzeitliche Petschafte (Siegelstempel) sowie Knöpfe und Münzen aus dem Deutschen Kaiserreich auf dem Acker gefunden worden. Bereits 2014 ist auf der Fläche ein römischer Denar des Kaisers Marc Aurel (161-180 n. Chr.) entdeckt worden. Zusammen mit der Fibel liegen somit schon drei Stücke vor, die in die jüngere römische Kaiserzeit weisen.

Jens Dammann aus Cambs (Ludwigslust-Parchim) ist in seiner Freizeit oft als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege unterwegs. „Weil es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt, immer wieder ein neues Stück Geschichte“, erklärt er seine Faszination für die Schatzsuche. Ist er erfolgreich, „erstelle ich eine Fundmeldung, tüte das Stück ein und übergebe es dann dem Amt“, erzählt Dammann. Bei seiner römischen Silbermünze ist noch unklar, ob es sich um Grabbeigaben handelt oder dort früher mal eine Siedlung bestanden hat, in der die Funde verloren gegangen sind. „Deutlich zeigen sie aber, wie wichtig es ist, dass diese Funde dem Landesamt gemeldet werden, denn das Wissen um unsere Geschichte ist wie ein Puzzle, das durch jedes neue Teil vollständiger wird“, betont Dammann. Leider würden immer noch viele Funde ohne ordentliche Erfassung in privaten Sammlungen verschwinden, wodurch ein wesentlicher Teil ihres wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Wertes verloren ginge.

Um dem entgegenzuwirken, ist Jens Dammann nicht nur öfter mit dem Metalldetektor unterwegs, sondern arbeitet auch in der „Initiative Pro Archäologisches Landesmuseum“ oder kurz IPAL (www.ipal-mv.de) aktiv mit. Dies ist ein Zusammenschluss von Bodendenkmalpflegern und Interessierten, der sich dafür einsetzt, die Bürger und Urlaubsgäste, insbesondere aber auch die politischen Entscheidungsträger für die einzigartigen archäologischen Schätze unseres Landes zu begeistern. Gut findet der Maurer, dass sich die Landesregierung nach jahrelangen Verhandlungen endlich für einen Standort des neuen archäologischen Landesmuseums entschieden hat. Rostock hat den Zuschlag bekommen (die OZ berichtete). „Vielleicht werden meine Funde dann auch mal der Öffentlichkeit präsentiert“, hofft der 47-Jährige.

Bisher lagern die Schätze der Ur- und Frühgeschichte MecklenburgVorpommerns größtenteils in einem Lager bei Schwerin – unzugänglich für neugierige Besucher. Nun sollen sie in das bisherige Schifffahrtsmuseum am Rostocker Steintor ziehen. Zudem ist ein Erweiterungsbau im gegenüberliegenden Rosengarten geplant. Insgesamt soll das neue Museum bis zu 20 Millionen Euro kosten.

Die zum Teil mehrere 1000 Jahre alten Schätze – darunter das „Horn von Wismar“ aus der Älteren Bronzezeit (um 1300 v. Chr.) oder auch die „Scheibenfibel von Mueß“ (um 600) – sollen von Rostock aus auf Wanderschaft gehen und unter anderem in den Touristen-Orten gezeigt werden. So will das Land auch den Gästen seine Geschichte nahebringen. Jens Dammann wird im Herbst wieder auf dem Acker bei Wismar auf Schatzsuche gehen. Denn zurzeit ist das Feld landwirtschaftlich bestellt. Die Erlaubnis, dort mit dem Metalldetektor unterwegs sein zu dürfen, hat der 47-Jährige sich vom Bauern eingeholt. Und er ist sicher: „Dort gibt es bestimmt noch einiges zu entdecken.“

Spektakuläre Funde in Wismar

Archäologen und Bodendenkmalpfleger haben im vergangenen Jahr einige historische Funde in Wismar entdeckt, unter anderem zwei Schiffswracks im Hafen. Ersten Untersuchungen zufolge handelt es sich um mittelalterliche Koggen aus der Hansezeit.

Ende April 2016 sind die Schiffswracks gefunden worden, als Experten für die geplante Hafenerweiterung das Gelände nach Munitionsresten absuchten.

Im April 2017 ist in der Mecklenburger Straße in Wismar bei Bauarbeiten für ein neues Wohn- und Geschäftshaus ein Drainagegraben aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts freigelegt worden. Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege MV haben das historische Flechtwerk dokumentiert.

Ende März 2017 haben Archäologen im Seebad Wendorf eine Siedlung der Bronzezeit entdeckt, darunter eine Grube mit fast 80 Kilo Getreide, eine Geweihhacke und zahlreiche Keramikgefäße. Die Fundstücke sind so alt wie die Pyramiden in Ägypten, 3000 Jahre.

Jürgen Krakor und Kerstin Schröder

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