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Schmalz-Jacobsen las in Wismar

Wismar Schmalz-Jacobsen las in Wismar

Die ehemalige FDP-Generalsekretärin stellte ihr Buch „Russensommer“ vor

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Cornelia Schmalz-Jacobsen bei ihrer Lesung in Wismar.

Quelle: Nicole Hollatz

Wismar. Eine warmherzige, leise Lesung mit 90 Gästen am Donnerstagabend im Steigenberger Hotel „Stadt Hamburg“. Cornelia Schmalz-Jacobsen war auf Einladung der Wismarer Buchhandlung Hugendubel zu Gast und las aus ihrem Buch „Russensommer – meine Erinnerungen an die Befreiung vom NS-Regime“.

Sie erzählte von den Bombennächten in Berlin. Der Angst der neunjährigen Cornelia. Der Angst um den 19-jährigen Bruder bei der Wehrmacht in Russland, der Angst um den Vater in Polen. „Es gab damals so viele Dinge, vor denen ich Angst haben konnte“, las sie. Im Bunker träumte sie vom Urlaub an der Ostsee. „An der Ostsee gab es keine Sirenen und keine Bomben.“ Sie erzählte von der Kinderlandverschickung, der „vorsorglichen Umquartierung“, bei der damals 2,8 Millionen Kinder aufs Land geschickt wurden, um sie vor den Bombenangriffen zu schützen. „Es war streng, im Ruhrgebiet wollten viele Mütter ihre Kinder nicht einfach wegschicken, aber es gab Plakate und Druck von oben.“ Die kleine Cornelia kam an die Ostsee. „Zu einer mir unbekannten Tante Maria und einem unbekannten Onkel Friedel.“ Das war, so Cornelia Schmalz-Jacobsen am Ende der Lesung, eine Zeit ihres Lebens, die wichtig und schön war. Nachts im November 1944 kam sie auf dem Darß an. „Heute Nacht kann ich durchschlafen, weil es keinen Bombenalarm geben wird“, dachte das Kind damals. Sie erzählte von der Dorfschule in Müggenburg auf dem Darß. Und von ihren Eltern, die in Berlin agierten und in ständiger Gefahr schwebten. „Meine Eltern hatten sich entschlossen, so viele Menschen zu retten wie möglich.“ Ungefähr 200 Juden retteten sie vor dem sicheren Tod im KZ. An den Mut der Eltern erinnern in der „Allee der Gerechten“ in Yad Vashem in Jerusalem zwei Bäume.

Cornelia Schmalz-Jacobsen erzählte vom „aufklärerischen“ Gespräch zwischen der damals sechsjährigen Cornelia und ihrer Mutter, damit das Kind sich nicht verplappere und damit das Leben der Eltern gefährde. „Sie erzählte mir die Geschichte vom bösen König, wenn der erfährt, wie wir denken, sagt er: Köpfchen ab! Ich wusste mehr als die meisten deutschen Kinder.“ Im Herbst 1944 hieß es, „die Russen kommen“. Cornelia Schmalz-Jacobsen berichtete von der durch Propaganda geschürten Angst der Menschen. „Onkel Friedel hatte eine Idee: Wir sollten Russisch lernen.“ Warmherziges las und erzählte sie von dem vielleicht damals 18-jährigen Nicolai, dem Kosaken, der für sie wie zum großen Bruder wurde. Und von dem, wie sie sich fühlte – befreit.

Ein sehr bewegendes, sehr persönliches Buch mit einer gewissen Leichtigkeit aus der Sicht der Kinderaugen, nicht wertend, nicht belehrend. „Das sind meine Erinnerungen, jeder hat andere.“ Gefragt, wie sie als ehemalige FDP-Politikerin nun die schwierigen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland bewerte, bleibt sie neutral: „Man sollte die Menschen und das System auseinander halten.“

Nicole Hollatz

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