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Schorlemmer liest sich durch die deutsche Literatur

Wismar Schorlemmer liest sich durch die deutsche Literatur

Saxofon neutralisiert Theatralik und verzaubert Zuhörer in St. Georgen

Wismar. Das Pult mit dem Mikro und einem Glas Wasser, ein Stuhl – daneben das Saxofon. Es war ein schlichtes Arrangement in St. Georgen am Dienstagabend. Die Töne sollten wirken, die Worte von Barlach, Bobrowski, von Hesse. Vorgetragen von Friedrich Schorlemmer. Dem Theologen aus Wittenberg. Dem Theologen, der Briefe an den Papst schreibt – bislang unbeantwortet.

 

OZ-Bild

Friedrich Schorlemmer bedankte sich für die Einladung: „Ich wollte schon immer in St. Georgen lesen.“

Quelle: Nicole Buchmann

Wenn die Zeiten schwierig werden, sagte Schorlemmer zu Beginn seiner Lesung, müsse man gute Musik hören, Gedichte lesen. Man müsse das tun, um etwas für den inneren Frieden zu tun, um dem äußeren Unfrieden etwas entgegenzusetzen.

So wählte Schorlemmer für diesen Abend Gedichte und Texte, die an den Blick auf das Große, das Ganze mahnen. Clemens Brentano, Thomas Morus, Christian Morgenstern – Romantik, Humanismus und mit Morgenstern einer, der dem Realismus seiner Zeit voraus war – als Gegenpol zum Wahnsinn des Alltäglichen.

Die Theatralik des Vortragenden stand in seltsamem Kontrast zur Klarheit der Worte. Etwa derer von Reiner Kunzes „Die Mauer“, die die Verantwortung eines jeden benennen. Auch der Versuchung, dem Reim in seinem Singsang rezitierend zu folgen, erlag Schorlemmer zuweilen. Das Saxofon Warnfried Altmanns gestand es ihm zu. Ja, die Welt ist wirr und schwer. Dennoch. Dennoch, schien das Saxofon zu rufen, und nahm den Zuhörer in einer Abfolge heiterer Töne wieder hinaus aus den gedankenvollen Versen, um leise hinterherzusetzen, dass es sehr wohl wisse um die Schwere des Lebens.

Amüsement und Befremden in den Gesichtern der Zuhörer, als Schorlemmer den Romantiker Novalis mit der Staatssicherheit zu verbinden suchte. Als er aus seiner „Politischen Meditation“ las – Sätze wie „Der Osten ist frei, der Westen zählt sein Geld“. Der Rückgriff auf das gerade heute wieder vielfach beschworene DDR-Gemeinsame fiel heraus aus dem Blick aufs Ganze.

Und während Schorlemmer die Literaturepochen durchrezitierte bis hin zu Borchert, Sölle oder Mercier, sanken die Töne des Saxofons in St. Georgen hinab wie in ein warmes Bett. Es war, als küsste der eine im Nachhall den folgenden zur friedvollen Nacht.

nb

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