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Täuschende Gefäße im Baumhaus

Wismar Täuschende Gefäße im Baumhaus

Martin McWilliam präsentiert ungewöhnliche Keramiken

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Spezialist für Holzbrandtechnik in japanischer Tradition: Martin McWilliam zeigt ungewöhnliche Keramik im Wismarer Baumhaus.

Wismar. Ein gefährliches Unterfangen für einen Künstler, einen Keramikkünstler, sich das Gefäß als Sujet seiner Kunst zu suchen. Ist der Grat zum oftmals missliebigen Kunsthandwerk doch ein schmaler. Martin McWilliam geht ihn. Zu sehen in seiner Ausstellung „unearthed“ (deutsch: ausgegraben) im Baumhaus am Alten Hafen.

OZ-Bild

Martin McWilliam präsentiert ungewöhnliche Keramiken

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Eine Vase hat rund zu sein und von allen Seiten gleich auszusehen. Martin McWilliam führt diese Vorstellung aus dem klassischen Kunsthandwerk, aus der Gebrauchskeramik, ad absurdum. Seine Vasen, seine Gefäße sind nur auf den ersten Blick rund, voluminös und bauchig. Vorausgesetzt der Ausstellungsgast steht frontal und blickt auf die Kunst. Schon dann merkt man, dass da etwas nicht stimmt.

Ein Spiel mit der Dimensionalität und der Wahrnehmung, mit der Perspektive. Martin McWilliams Kunst irritiert, fasziniert, illusioniert. Denn die Körper haben nicht die Tiefe, die sie zu haben scheinen. Durch Schattenwirkungen und verzerrte Linien entsteht der Effekt. Von der Seite betrachtet sind die Objekte fast reliefartig. Ein Illusionist. Ein Spieler.

Zum Spiel mit der Perspektive kommt das Spiel mit dem Material. Martin McWilliam lässt Keramik wie Holz aussehen. Er gestaltet keramische Steine. Irritierend echt und doch eine Illusion mit Gesteinsschichten, mit Einschlüssen und Absprengungen, mit den Spuren des Meißels.

Dabei hatte McWilliam mit der ganz klassischen Gefäßkeramik angefangen, entfernte sich dann aber in den 1990er-Jahren von dessen funktionaler Form. „Stattdessen überträgt er das Gefäß nun auf eine theoretische Ebene. Seine Arbeiten werden zu Objekten, mit denen er die Seele des Gefäßes ergründet. Er erkundet sie von außen nach innen und umgekehrt. Hierbei löst er die Formen auf und setzt sie wieder zusammen, spielt mit Räumlichkeit und Wahrnehmung bis hin zu einer scheinbaren Verschmelzung von Objekt und Raum oder Objekt und Objekt“, erläutert Ulrike Ernemann als Kuratorin und Fachfrau für Keramik, Eisenkunstguss und mehr bei ihrer Einführung in die Ausstellung.

Danach beginnen die Ausstellungsbesucher, sich zu bücken, den Kopf zu verrenken und um die Objekte herumzugehen, um ihr Geheimnis zu ergründen. „Das finde ich gut“, sagt Martin McWilliam schmunzelnd.

Er erfand diese Art der Figuren, um seinen Werken eine Vor- und Rückseite zu geben. „Wenn man ein rundes Objekt abflacht, entsteht eine Rückseite“, beschreibt er den Gegensatz zur klassischen Vase.

Die Schattenwirkungen in seinen Arbeiten entstehen durch den Holzbrand. „Eine Seite zeigt zu den Flammen“, erklärt er. Der bekannte Keramiker hat einen riesigen Ofen mit zwei begehbaren Brennkammern im heimischen Garten in Sandhatten bei Oldenburg. „Ich sammle ein halbes Jahr, dann wird der Ofen zum Wallfahrtsort“, erzählt er. Denn viele nutzen den Ofen und das Wissen von Martin McWilliam. Fünf Tage lang werden die Kammern befeuert, um mit den verschiedenen Temperaturen unterschiedliche Effekte zu erzielen und eben auch die großen Objekte zu härten.

• www.martin-mcwilliam.de

Der Künstler

Der Brite Martin McWilliam wurde 1957 in Kapstadt/Südafrika geboren. Er studierte an der Bournemouth Art School und besuchte zahlreiche Keramik-Kurse in Europa und Japan. Seit 1983 lebt er in Deutschland und gibt eigene Kurse. Seine Werke finden sich in nationalen und internationalen Sammlungen, er wurde vielfach ausgezeichent für seine Kunst.

Die Ausstellung „unearthed“ ist bis zum 10. April im Wismarer Baumhaus im Alten Hafen zu sehen, im März täglich von 10 bis 16 Uhr, ab April von 9 bis 17 Uhr. Der Eintitt ist frei.

Von Nicole Hollatz

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