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Verblüffende Kunst durch die Brille

Wismar Verblüffende Kunst durch die Brille

TO Helbig stellt bis zum 26. November in der Galerie Hinter dem Rathaus aus

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Der Künstler TO Helbig aus Pinnow bei Schwerin in seiner „Kissenlandschaft“.

Wismar. Besucher müssten die Ausstellung von TO Helbig in der Galerie Hinter dem Rathaus eigentlich im Dachgeschoss beginnen. Der Raum ist abgedunkelt, sogar das Treppenloch ist verhangen. Dort „erleuchtet“ Schwarzlicht die Kunst – dieses lilafarbene Licht, das besondere Farben und auch weiße Flächen leuchten lässt.

Auf dem Fußboden liegen TO Helbigs „Kissen“. Sie sind nicht einladend weich, sondern stachelig. In durchsichtigen, mit kleinen leuchtenden Mustern bedruckte „Kissenhüllen“ aus Zellglasfolie stecken die Spitzen, an Stacheln erinnernd. Formen, die dem Betrachter bekannt vorkommen könnten. „Herrnhuter Sterne“, erklärt der Künstler knapp. „Sonst leuchtet der Stern von innen heraus, ich habe ihn demontiert und in einen neuen Sinnzusammenhang gebracht. Nun leuchtet er von außen“, erzählt TO Helbig weiter.

Zirka 1000 dieser Sternspitzen, dieser Stacheln, wollen, so scheint es, die fragilen Kissenfolien durchstoßen. Für TO Helbig sind das Papierarbeiten. Auch die Zellglasfolie ist ein Papierprodukt, das er mit der Flachdrucktechnik und einer Malerwalze gestaltet hat. Der Herrnhuter Stern findet sich auch in einem großformatigen Wandbild wieder.

Das schwarze Papier mit dem ungewöhnlichen Raster hat TO Helbig mit fluoreszierenden Farben gemalt, dabei die an Pixel erinnernden Formvorgaben des Rasters übernommen. Durch Farben, die unbemalten schwarzen Flächen als Linien und Perspektive entstehen diese Herrnhuter Sterne. „Setzen Sie die Brille auf“, fordert er auf. Mit speziell beschichteten Brillen wird die zweidimensionale Kunst an der Wand des Raumes plötzlich dreidimensional. Beim daran vorbei gehen, eher ein Vorbeischleichen an der Wand, wird der Effekt noch verstärkt.

Der Künstler hat auf Teerpapier gemalt. „Eigentlich kein Material für die Kunst, sondern ein Verpackungsmaterial“, erklärt er. Das zweilagige Papier trennt er auf und bringt so die Gewebestruktur – diese Rasterung – im Inneren zum Vorschein. Das ist es, was ihn reizt. Dazu die fluoreszierende Farbe.

2008 hat er 500 Papiertüten ins Dachgeschoss der Galerie Hinter dem Rathaus gestellt. Auf allen leuchtete das Wort „Wunder“ im Schwarzlicht – und machte dem konsumierenden Ausstellungsbesucher vielleicht klar, was ihm verkauft wird. Und nun: Kissen zum drüber Stolpern.

Ungemütlich spitz, und gleichzeitig luftig leicht. Kissen, auf denen man sich nicht ausruhen kann. Kissen, die zum Nachdenken, zur Deutung einladen – nicht, für ein Nickerchen geeignet. Entspannung für die Augen nach den leuchtenden Effekten im Dachgeschoss bieten die Bilder eine Etage weiter unten in der Galerie. Künstlerkollege Klaus-Dieter Steinberg bezeichnete sie treffenderweise als „konsequent“, 14 „Leuchtstücke“, Gouache und Acryl auf Papier.

Farbarbeiten, die wie Farbstudien wirken, die vielleicht die Rasterung des Teerpapiers wieder aufgreifen. Ein sehr konsequentes, recht genaues Neben- und Übereinander von Farbflächen auf weißem Papier, die, so der Künstler, „durch das Lasierende und das übereinander Arbeiten leben“.

Ein Sachse im Norden

Geboren 1961 im sächsischen Frankenberg, lebt TO Helbig seit 1989 in Pinnow bei Schwerin. Seit 1998 ist er als Maler und Objektkünstler selbstständig, seit 1999 Mitglied im Künstlerbund Mecklenburg-Vorpommern e. V. im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Deutschland.

Zahlreiche Ausstellungen, Arbeitsaufenthalte und Stipendien brachten ihn bis nach Dänemark, Schweden und Estland. Seine Arbeiten sind in öffentlichen Sammlungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern, von Neubrandenburg, der KulturStiftung Rügen, der Kunstsammlung des Deutschen Musikrates gGmbH München und des Germanisches Nationalmuseums Nürnberg.

Seine Ausstellung in der Galerie Hinter dem Rathaus in Wismar ist bis zum 26. November zu sehen und jeweils dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr geöffnet sowie samstags bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Nicole Hollatz

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