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Verein will marode Mausoleen retten

Wismar Verein will marode Mausoleen retten

Neue Tür an der Hermes-Kapelle / Zaunpfeiler an Bestattungsstelle Frahm sollen wieder Amphoren erhalten

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Das alte Leichenwärterhaus auf dem Wismarer Ostfriedhof soll weiter saniert werden. Es wird unter anderem als Veranstaltungsort genutzt.

Wismar. Steine sind lose, Putz bröckelt ab, der Wind pfeift durch schiefe Türen, Regenwasser dringt durch Dächer: Von neun Kapellen, die auf dem Wismarer Friedhof stehen, sind mindestens drei sanierungsbedürftig. Doch es gibt Hoffnung. Die Mitglieder des Vereins zur Förderung der Friedhofskultur in Wismar setzen sich für den Erhalt der alten Mausoleen ein.

OZ-Bild

Neue Tür an der Hermes-Kapelle / Zaunpfeiler an Bestattungsstelle Frahm sollen wieder Amphoren erhalten

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Wenn wir die Vergangenheit nicht bewahren, können wir die Zukunft nicht bewältigen.“Karin Engelmann, Friedhofsverein

Sorgen bereiten die Grabkapellen der Familien Meyer und Warncke auf dem Westfriedhof sowie die akut einsturzgefährdete Müller-Kapelle. Letztere hatte der Uhrmacher Peter Johann Müller auf dem Wismarer Ostfriedhof anlegen lassen. Das Baujahr des Gebäudes ist unbekannt, es muss zwischen 1832 und 1844 entstanden sein.

Nur wenige Meter weiter steht das Mausoleum der Familie Hermes, dessen Außenhaut saniert ist und das nun eine neue Tür aus Eichenholz bekam. Der provisorische „Bretterverschlag“ ist somit Geschichte.

Der Wismarer Tischlermeister Mathias Podlasly hatte die nach Vorgaben der städtischen Denkmalpflege grün-grau gestrichene Tür angefertigt. Die beiden Teile sind insgesamt 1,32 Meter breit und 2,45 Meter hoch. Die benötigten 3000 Euro sammelte der Friedhofsverein.

„Zwei vorhandene Langbänder konnten verwendet werden, andere Beschläge wurden ergänzt. Schön sind die Wetterleisten am unteren Ende sowie die Profilleisten oben, die hervorragend zur Fassade passen“, lobt Friedhofsverwalterin Grit Schaller-Uhl die Arbeit. Statt eines Vorhängeschlosses wurde eine schwarze Drückergarnitur mit Schließzylinder eingebaut. „Die Originaltür ist vermutlich in den Sechziger-Jahren des vergangenen Jahrhunderts abhanden gekommen“, sagt Grit Schaller-Uhl. „Es ist unbekannt, wie sie einst aussah.“

Die klassizistische Hermes-Kapelle, 1834 errichtet, diente der Familie von Christian Wilhelm Hermes (1778 bis 1850) als Begräbnisstätte. Der Senator und Kaufmann hatte 1810 eine Holz- und Baumaterialienhandlung in der Lübschen Straße. Laut Rita Gralow von der Denkmalpflege handelt es sich bei diesem Mausoleum, einem Einzeldenkmal, um einen „erhaltenswerten Friedhofsbau, der durch seinen gedanklichen Rückgriff auf antike Tempelbauten mit klaren räumlichen Verhältnisgrößen und vollendetem Gestaltungskonzept eine besondere architektonische Qualität besitzt“. Die Gruftkapelle Hermes sei ein kunsthistorisches Zeugnis bürgerlicher Friedhofs- und Gedenkstättenbauten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ein Gebäude mit schlichter, stilvoller Eleganz. Das Hermes-Mausoleum mit gefliesten und teilweise mit Holz vertäfelten Wänden wird als Werkstatt- und Abstellraum genutzt. Darunter sollen sich laut Grit Schaller-Uhl noch mindestens drei Särge befinden.

„Die Totenruhe ist gewahrt!“

Ein Augenmerk haben die Mitglieder des Friedhofsvereins auch auf das ehemalige Leichenwärterhaus auf dem Ostfriedhof, das weiter saniert und als Veranstaltungsgebäude genutzt werden soll. Sie kümmern sich ebenfalls um die Begräbnisstätte Frahm, die zwischen dem Leichenwärterhaus und der Martens-Kapelle liegt. Nachdem dort bei Arbeitseinsätzen viel Unkraut und Gestrüpp entfernt worden war, sammeln die Vereinsmitglieder nun Geld für Verzierungen am Gebäude: Zwei Steinpfeiler sollen wieder mit jeweils etwa 40 Zentimeter hohen Amphoren ergänzt werden, Grit Schaller-Uhl nennt sie „Steinurnen“.

Diese Gestaltungselemente sollen inklusive Material knapp 1000 Euro kosten und wahrscheinlich im kommenden Jahr aufgestellt werden. Die Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar gab dafür kürzlich 400 Euro. Weitere Sponsoren sind willkommen. Ebenso wie Helfer bei Arbeitseinsätzen auf dem Friedhof.

„Ich bin hocherfreut, dass ich miterleben kann, wie Kulturgüter auf unserem Friedhof geachtet, gepflegt und erhalten werden“, sagt Karin Engelmann. Die ehemalige Friedhofsverwalterin engagiert sich nun im Friedhofsverein. „Wenn wir die Vergangenheit nicht bewahren, können wir die Zukunft nicht bewältigen.“ Grit Schaller-Uhl ergänzt: „Jeder hier Beerdigte hat etwas für das Gemeinwohl getan.

Einige besonders viel. Wir wollen ihr Vermächtnis erhalten.“

Neun Grabkapellen sind noch erhalten

20Mitglieder zählt der Verein zur Förderung der Friedhofskultur in Wismar. Er wurde im April 2014 gegründet. Vorsitzende ist die Kunsthistorikerin Dr. Anja Kretschmer, Stellvertreterin Karin Engelmann.

Die Engagierten wollen die Friedhofs- und Bestattungskultur näherbringen sowie Grabmäler berühmter Persönlichkeiten, künstlerisch wertvolle Ruhestätten und die Baulichkeiten erhalten, instand setzen und einer neuen Nutzung zuführen. Zu den weiteren Zielen gehören unter anderem die Entwicklung von Wegeleit- und Informationssystemen, die Erhaltung historischer Wegestrukturen und das Organisieren von öffentlichen Veranstaltungen.

Mitstreiter sind willkommen. Die Treffen finden in der Regel alle zwei Monate im Techenhaus, Friedrich-Techen-Straße 20, statt.

• www.friedhofsverein-wismar.de.

9 Mausoleen sind noch auf dem Wismarer Friedhof erhalten, sechs auf der Ost- und drei auf der Westseite. Die Mitglieder des Friedhofsvereins möchten vor allem die Grabkapellen der Familien Müller, Meyer und Warncke erhalten.

Norbert Wiaterek

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