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Vortrag im Leichenwärterhäuschen

Wismar Vortrag im Leichenwärterhäuschen

Stadtarchivar Dr. Nils Jörn spricht auf dem Wismarer Friedhof über den Historiker Friedrich Techen

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Dr. Nils Jörn blättert in einem Buch im Stadtarchiv. Heute Abend hält er einen Vortrag über den Ratsarchivar Friedrich Techen.

Quelle: Nicole Hollatz

Wismar. „Den Plan, die Geschichte meiner Vaterstadt zu schreiben, habe ich vor bald vierzig Jahren gefaßt, als ich nicht gar lang nach Abschluß meiner Universitätsbildung in diese zurückgekehrt war und sah, daß mein väterlicher Freund Dr. med. Crull, der von mir dazu berufen gewesen wäre, sich nicht mehr dazu entschließen würde.“ Das schrieb Friedrich Techen 1929 in seiner „Geschichte der Seestadt Wismar“. Ein Buch, das als Nachdruck und auch im Original immer noch gelesen wird und eine Grundlage beispielsweise für die Heimatforscher und Gästeführer in der Stadt ist.

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Stadtarchivar Dr. Nils Jörn spricht auf dem Wismarer Friedhof über den Historiker Friedrich Techen

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Am heutigen 30. März jährt sich der Todestag des Historikers Friedrich Techen zum 80. Mal. Aus diesem Anlass wird Stadtarchivar Dr. Nils Jörn auf Einladung des Wismarer Friedhofvereins ab 18

Uhr über den bekannten Mann sprechen — allerdings an einem ungewöhnlichen Ort: im Leichenwärterhaus auf dem Friedhof.

„Er soll und muss als Historiker gewürdigt werden“, erklärt Jörn, selbst Historiker und Leiter des Stadtarchivs. Techen, 1859 als Sohn eines Buchbinders in Wismar geboren, bestand Ostern 1879 sein Abitur an der Großen Stadtschule und studierte dann in Tübingen, München, Leipzig und Göttingen alte Sprachen, Geschichte und Germanistik. 1886 promovierte er mit dem Ziel „Lehramt an höheren Schulen“, er arbeitete aber nur kurz als Lehrer in Schwerin und Bad Doberan. 1889 führte ihn der Historiker Dr. med. Friedrich Crull in die Arbeit des Wismarer Ratsarchivs ein. Hier war Techen von 1905 bis 1930 als erster hauptamtlicher Archivar der Hansestadt angestellt.

„Er ist als Historiker absolut unübertroffen hier“, lobt Dr. Nils Jörn. „Er hat akribisch und sehr ordentlich vieles ausgewertet und Abschriften erstellt.“ Diese Abschriften gehören heute zu den Schätzen im Wismarer Stadtarchiv. Techen war mitunter der Letzte, der manch ein inzwischen verloren gegangenen Original gesehen hat. „Auf diese Abschriften kann man sich bis heute verlassen, da war Techen ein Glücksgriff für Wismar“, sagt Jörn. Friedrich Techen hat selbst Quellen für die heutigen Historiker geschaffen, beispielsweise über die Novemberrevolution 1918 in Wismar geschrieben, dazu ein Register zu Schlagworten mit dem Hinweis gemacht, in welchen Quellen er etwas gefunden hat.

„Das Problem, das wir heute noch mit seinem Vermächtnis haben, ist die damalige Herangehensweise von Techen als ungelernter Archivar“, erklärt Nils Jörn. Techen überlegte, wie er im Archiv „ankommende“ Akten ordnen könne. „Normalerweise werden Akten nach dem Provenienzprinzip geordnet“, erklärt Jörn. Sprich danach, woher sie kommen, zum Beispiel aus welcher Behörde. Techen hat sie nach ihrem Inhalt geordnet und dadurch Zusammenhängendes auseinandergerissen.

Er war eben der Historiker in seiner Bibliothek, der nach bestimmten Fragestellungen ordnet. In Bibliotheken wird nach diesem „Pertinenzprinzip“ — nach Themenfeldern wie Sachverhalten, Ereignissen, oder Personen — geordnet. „So haben wir im Archiv immer wieder mit seinem Nachlass zu tun“, sagt Nils Jörn und schmunzelt.

Friedrich Techen

Friedrich Techen wurde 1936 auf dem Wismarer Friedhof begraben, zwei Jahre später wurde eine neue Straße unweit der Hochschule nach ihm benannt. Heute jährt sich sein Todestag zum 80.

Mal.

Der Friedhofsverein der Hansestadt Wismar nimmt den 185. „Geburtstag“ des Wismarer Friedhofes zum Anlass, mit monatlichen Vorträgen auf den Friedhof und damit in die Wismarer Geschichte einzuladen. Ein Obolus von fünf Euro als Eintritt wird heute Abend erhoben.

Von Nicole Hollatz

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