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Wismar Land favorisiert weiter Hochbrücke in Wismar
Mecklenburg Wismar Land favorisiert weiter Hochbrücke in Wismar
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06:33 13.04.2019
Die Hochbrücke ist verschlissen. Ein Neubau muss her. Wie dieser aussehen soll, wird diskutiert. Quelle: Heiko Hoffmann
Wismar

Wird in Wismar eine neue Hochbrücke gebaut oder kommt es doch noch zu einer Troglösung? Die Frage bewegt die Gemüter. Fakt ist: Die Hochbrücke aus dem Jahr 1970 ist so verschlissen, dass ein Neubau unumgänglich ist. Wichtige Entscheidungen stehen an.

Wie ist der Stand, was sagt das Land, wie verhält sich die Stadt, was meint die Arbeitsgruppe Baukultur? Die OZ hat nachgefragt.

Für einen Neubau ist das Land zuständig, weil die Brücke Teil einer Landesstraße ist. Im Februar 2018 hatte die Bürgerschaft die sogenannte Variante 4 favorisiert. Danach würde eine neue Brücke südlich der jetzigen über den Mühlenteich verlaufen.

Land: Variante 4 hat den Vorzug

„Sofern darüber hinausgehende Lösungen seitens der Hansestadt gewünscht werden, müssten die entsprechenden Mehrkosten von der Stadt getragen werden.“ Renate Gundlach, Sprecherin Verkehrsministerium Quelle: Uwe Driest

Für das Land ist die Linienplanung abgeschlossen. „Die Variante 4 ist die Vorzugslösung. Die dafür geschätzten Baukosten bilden den Kostenrahmen. Sofern darüber hinausgehende Lösungen, die mit Mehrkosten verbunden wären, seitens der Hansestadt gewünscht werden, müssten die entsprechenden Mehrkosten von der Stadt getragen werden“, so Renate Gundlach, Sprecherin des Schweriner Verkehrsministeriums.

Zum jetzigen Zeitpunkt geht das Land bei den Kosten von mehr als 20 Millionen Euro aus.

Entwurf wird geplant

Über das Wismaria-Gelände und südlich der jetzigen Hochbrücke soll die neue Brücke verlaufen. Das ist die aktuelle Vorzugsvariante. Quelle: pgw/Repro OZ

Die Entwurfsplanung beginnt noch 2019. Bei normalem Verlauf könne das Planfeststellungsverfahren voraussichtlich 2021 beginnen. Ob zum Beispiel eine Brücke mit Damm oder eine aufgeständerte Brücke über die gesamte Streckenlänge gebaut wird, „wird im Ergebnis der Entwurfsplanung festgelegt“, so die Sprecherin.

Aktuell werde eine Visualisierung der Variante 4 erstellt. Gundlach: „Wir erhoffen uns dadurch, den Bürgern einen Eindruck von einer möglichen künftigen Gestaltung der Hochbrücke geben zu können und so die Akzeptanz zu erhöhen.“

Zudem sind im Rahmen der Entwurfsplanungen unterschiedliche Gestaltungslösungen vorgesehen. Diese sollen später der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Renate Gundlach: „Neue Planungsgrundlagen, wie zum Beispiel Änderung der Vorzugstrasse von Brücke auf Trog, führen zu zeitlichen Verschiebungen.“

Wie lange hält die Hochbrücke?

Der Baubeginn hänge davon ab, wann die Deutsche Bahn ihr Projekt Poeler Straße umsetzt. Erst danach soll mit dem Ersatzbau für die Hochbrücke begonnen werden.

Die Bahn will im Mai/Juni 2020 mit den Arbeiten für den Trog in der Poeler Straße beginnen. Im Sommer 2021 soll die Sperrung für den Autoverkehr wieder aufgehoben werden.

Das Ministerium geht davon aus, dass das Ersatzbauwerk fertig ist, bevor die Restnutzungsdauer der alten Hochbrücke endet. Im Jahr 2012 wurde die Restlaufzeit der Hochbrücke mit zehn Jahren angegeben. Könnte das dazu führen, dass die Brücke 2022 für den Fahrzeugverkehr gesperrt wird? Dazu die Sprecherin des Verkehrsministeriums: „2011 wurde der Schwerlastverkehr über 7,5 Tonnen von der Brücke genommen, 2012 wurden die Fahrstreifen eingeschränkt. Im Ergebnis dieser Maßnahmen und fortlaufender Beobachtungen und Prüfung des Bauwerks hat sich die Restnutzungsdauer dadurch verlängert, sodass ausreichend Zeit für die anstehenden Entwurfsplanungen mit anschließendem Planfeststellungsverfahren bleibt.“

Ministerium kennt Trogvariante

Die Arbeitsgruppe Baukultur Wismar favorisiert eine Troglösung und will das gesamte Umfeld städtebaulich einbeziehen und aufwerten. 

So könnte die Trogvariante aussehen: Blick von der Dr.-Leber-Straße/Ecke Kanalstraße in Richtung Mühlenteich. Quelle: Arbeitsgruppe Baukultur Wismar

Dazu sagt das Ministerium: „Die Pläne/Ideen sind mit einigen Risiken, vor allem umweltfachlich, behaftet und würden deutliche Mehrkosten erzeugen. Sollte die Stadt solche Lösungen favorisieren, müsste sie diese Mehrkosten tragen.“ Abgesehen davon lasse sich zurzeit nicht verlässlich einschätzen, „ob solche Troglösungen in der Planfeststellung Bestand haben werden, da sie einen deutlich größeren Eingriff in Natur und Umwelt erzeugen würden als die derzeitige Vorzugslösung“.

Das Ministerium spielt den Ball teilweise in Richtung Stadt. Erster Adressat der Ideen der AG Baukultur sei die Hansestadt. Renate Gundlach: „Dort müssten Entscheidungen zu städtebaulichen Entwicklungen getroffen werden, die wir dann selbstverständlich berücksichtigen werden.“

Bürger können sich einbringen

Unter der E-Mail-Adresse Hochbruecke_Wismar@sbv.mv-regierung.de sammelt die Projektgruppe Großprojekte im Straßenbauamt Schwerin Hinweise und Anregungen. Diese würden bei der anstehenden Entwurfsplanung berücksichtigt. Gundlach: „Die Bürger können sich fortlaufend einbringen.“ Gesetzlich vorgeschrieben sei die Bürgerbeteiligung dann im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens.

Was sagt die Stadt?

Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) hält aktuell an der Variante 4 fest. Auf der letzten Sitzung der Bürgerschaft hat er betont, dass die Trogvariante keine Variante des Landes und auch keine der Hansestadt ist, sondern der Bürgerinitiative. Das Land und die Stadt würden mit den Vertretern sprechen. Beyer stellte aber unmissverständlich klar, dass für die Stadt der Bürgerschaftsbeschluss und die Vorzugsvariante des Landes „Geschäftsgrundlage ist“.

Arbeitsgruppe stellt Pläne vor

Am 23. April wird die Arbeitsgruppe Baukultur ihre städtebauliche Studie der Verwaltung um den Bürgermeister präsentieren. Dr. René Firgt von der Planungsgruppe Großprojekte vom Land wird dabei sein. Dr. Sönke Reimann von der Arbeitsgruppe Baukultur kritisiert, dass bisher keine „Variante auf ihre städtebaulichen Effekte untersucht worden“ ist. Dies gelte aber als allgemeine Handlungsempfehlung bei Bauprojekten des Landes und des Bundes. Reimann: „Diese Abwägung der Varianten nach ihren städtebaulichen Effekten erbitten wir – hoffentlich bald mit politischer Unterstützung der Stadt – nachdrücklich vom Ministerium.“

Die Zeit läuft

Am 7. August 1970 wurde das 400 Meter lange Bauwerk als damals längste Spannbetonbrücke der DDR eingeweiht. Die gesamte Baulänge ist über einen Kilometer. Die Brücke kostete 15,3 Millionen DDR-Mark.

Von der Kreuzung Philosophenweg bis zur Kreuzung Dr.-Leber-Straße misst sie 600 Meter.

Im September 2011 wurde sie für den Schwerlastverkehr über zwölf Tonnen – bis auf Busse, Rettungs- und Müllautos – gesperrt. Seit Oktober 2012 gibt es nur noch zwei Fahrspuren.

Rund 18 000 Fahrzeugerollen täglich über die Hochbrücke, darunter etwa 1000 Laster. Laut Verkehrsprognose wird sich mit dem Bau einer neuen Hochbrücke der Verkehr auf etwa 19000 Fahrzeuge erhöhen. Der Anteil des Schwerlastverkehrs ab 3,5 Tonnen macht 5,3 Prozent aus, einschließlich Busse.

Die Hochbrücke ist Teil einer Landesstraße, darum ist das Land Mecklenburg-Vorpommern für die Unterhaltung der Brücke und einen Neubau zuständig.

Das rechnerische Ablaufdatum der Brücke ist im Jahr 2022.

Die erste Grobplanung für eine neue Brücke wurde 2012 vorgestellt.

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Heiko Hoffmann

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