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Lehrer – nicht nur ein Job, sondern eine Berufung

Proseken/Klütz Lehrer – nicht nur ein Job, sondern eine Berufung

Rolf Kruse (60) aus Klütz war Schulleiter in Boltenhagen und zuletzt 13 Jahre in der Regionalen Schule mit Grundschule in Proseken / Nun genießt er seinen Vorruhestand

Proseken/Klütz. „Ein rühriges Streben gehört zu den besten Lebenszeichen des Lehrerstandes. Es ist eine Feder des Fortschritts, ein Quell der Berufsfreude und ein Hebel der Berufstüchtigkeit.“ Treffender kann das Zitat des deutschen Pädagogen und Schriftstellers Friedrich Polack († 1915) nicht sein, wenn man die lobenden Worte der Schülerschaft und der Kollegen von Rolf Kruse hört. Als hätte er das Zitat direkt für den 60-Jährigen geschrieben. „Er hat sehr guten Unterricht gemacht und wusste sich durchzusetzen“, sagt Leandra Dylla (12). „Wir werden ihn alle sehr vermissen. Er war ein sehr guter Schulleiter“, ergänzt Woskehat Grigoryan (12). „Er hatte ein Gefühl dafür, mit Schülern, Eltern und Kollegen umzugehen“, meint Schulsekretärin Sandra Köhn.

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Rolf Kruse (60) aus Klütz war Schulleiter in Boltenhagen und zuletzt 13 Jahre in der Regionalen Schule mit Grundschule in Proseken / Nun genießt er seinen Vorruhestand

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Die Ära Rolf Kruse in der Regionalen Schule mit Grundschulteil in Proseken ist vorbei. Der Schulleiter genießt nun seinen Vorruhestand. In seine großen Fußstapfen wird Antje Kyjowsky (51), seine bisherige Stellvertreterin, treten. Ihren Posten übernimmt Jana Locher (46) – bis zu den Sommerferien alles kommissarisch, ab kommendem Schuljahr dann offiziell.

„Es fällt mir schon schwer, aber ich freue mich auch auf eine neue Zeit“, sagt Rolf Kruse, der in Klütz zu Hause ist. Langeweile wird jedenfalls nicht aufkommen. Dafür werden schon seine fünfjährige Enkelin und sein dreijähriger Enkel sorgen. Und dann ist da ja auch noch sein Garten und sein Gartenhaus. Mit dem Fotoapparat weiß er auch umzugehen. „Auf das Hobby freue ich mich ganz besonders“, sagt er.

Vor der Wende arbeitete Rolf Kruse an der heutigen Ploggenseeschule (früher POS „Wilhelm Pieck“). Nach zwei Jahren wechselte er an die Polytechnische Oberschule (POS) in Klütz. „1991 wurden die Schulleiterstellen neu ausgeschrieben und ich habe es einfach versucht, wollte die große Herausforderung eingehen“, erinnert er sich. Es folgten 13 Jahre als Schulleiter in Boltenhagen, ein Jahr als Stellvertreter an der Regionalen Schule mit Grundschule in Proseken und schließlich der Schulleiterposten. Weniger als 300 Schüler zählte die Einrichtung damals, mit der freien Schulwahl und dem guten Ruf, den die Schule mittlerweile genießt, ist die Zahl deutlich gestiegen. „Nach den Sommerferien haben wir hier 380 Schüler“, freut er sich. Wir. So wird es wohl noch eine Weile heißen. Einmal Lehrer, immer Lehrer. Ja, dem Satz stimmt er zu. „Wenn man die Tätigkeit nicht als Job sieht, sondern als Berufung“, sagt er. Das habe er immer gelebt – und genoss dadurch von jeher einen guten Ruf unter Schülern, Eltern und Kollegen. „Herr Kruse war ein sehr menschlicher Schulleiter, der für ein Miteinander der Kollegen an der Schule gesorgt hat“, sagt Jana Locher, die neue stellvertretende Schulleiterin. Ihre Chefin Antje Kyjowsky ergänzt: „Wir als Kollegen schätzten ganz besonders die Sozialkompetenz von Herrn Kruse.“

Eine turbulente Zeit hat Rolf Kruse in Proseken hinter sich. So hing die Schulentwicklungsplanung des Landkreises wie eine dunkle Wolke über der Einrichtung. „Wir haben 2006 Schwierigkeiten gehabt, fünfte Klassen zu bilden. Es gab Diskussionen, die Schule zu schließen“, erinnert er sich. Bis zuletzt hatte er auch mit Personalmangel zu kämpfen. „Es ist schwierig, geeignete Lehrer zu finden“, erläutert er. So gibt es bis zu den Sommerferien auch keine Vertretung für seinen Astronomie- und Physikunterricht. Die Verwaltungsarbeit werde er weniger vermissen, aber die Schüler auf jeden Fall, gibt er unumwunden zu. Für ihn sei es immer wichtig gewesen, die Schüler ernst zu nehmen. „Das schafft Vertrauen. Und auf dieser Basis können Regeln und Sanktionen ausgesprochen werden. Ich gehe mit einem guten Gefühl, ohne Verbitterung. Dieser Teil meines Lebens wird mir fehlen.“

Wird es ihn noch in die Schule verschlagen? „Ja, auf jeden Fall“, sagt er. Dann aber als Freund der Schule, ohne Aktentasche und Aufgaben für den Tag. Oder, um mit den Worten des deutschen Dichters Bertolt Brechts zu schließen: „Jeder Lehrer muss lernen, mit dem Lehren aufzuhören, wenn es Zeit ist. Das ist eine schwere Kunst.“

Jana Franke

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