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Wismar Leni und Mama Kathy suchen Vermieter mit Herz
Mecklenburg Wismar Leni und Mama Kathy suchen Vermieter mit Herz
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00:40 23.08.2014
Leni und Kathy Liebscher wirtschaften gemeinsam in der Küche. Doch die Kleine hat mit dem Rolli kaum Bewegungsfreiheit.

Leni ist drei Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Sie kurvt mit dem wendigen Mobil durchs Wohnzimmer. Dann möchte sie in ein anderes Zimmer — und die Probleme beginnen.

Schwellen verwehren ihr den Weg in den Rest der Wohnung. Die Kleine streckt die Ärmchen aus: „Mama!“ Mutter Kathy Liebscher hilft ihr. Allein schafft die Kleine das nicht.

Kathy Liebscher (25) ist verzweifelt. Sie möchte eine neue Wohnung für Leni und für sich. Doch barrierefrei wohnen, das ist schwierig in Wismar. Bisher hagelte es Absagen. Derzeit wohnen die beiden in Wendorf. Eigentlich eine ruhige Gegend, Bäume und Rasen zwischen den Wohnblöcken. Doch die Wohnung ist zu klein: 56 Quadratmeter, drei kleine Zimmer. Ins Bad kommt das Kind mit dem Rolli gar nicht, in Küche und Kinderzimmer kann es sich nur einmal um die eigene Achse drehen.

Leni kam mit einer angeborenen Krankheit zur Welt. Ihre Rückenwirbel haben sich nicht richtig geschlossen. Das Mädchen ist querschnittsgelähmt. Umso mehr braucht sie Pflege und Training — zum Beispiel mit einem Stehständer, der Lenis Beine mobilisiert, damit die Gelenke nicht versteifen. Doch auch der passt nicht in die Wohnung.

„Ich weiß einfach nicht mehr weiter“, sagt die junge Mutter. Bei der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) ist keine barrierefreie Wohnung frei. Es gibt lange Wartelisten. „Das dauert“, habe man ihr gesagt.

Überhaupt gibt es in Wismar nur wenige behindertengerechte Wohnungen. Die Wobau verfügt nach eigenen Angaben über 190 altersgerechte, aber nur zehn behindertengerechte Wohnungen — bei einem Bestand von etwa 5500 Wohnungen. Bei der Wohungsgenossenschaft Union (WGU) sind nach eigenen Angaben von rund 4200 Wohnungen weniger als 100 mit einem Fahrstuhl ausgestattet.

Wolfgang Griese, Vorsitzender des Behindertenbeirates Nordwestmecklenburg, kennt das Problem. Nur etwa 20 Prozent der Wohnungen im Kreis gelten als barrierefrei, manche auch nur teilweise. „Da besteht großer Nachholbedarf“, sagt Griese. Er und seine Mitstreiter kämpfen unter anderem dafür, dass Barrierefreiheit hergestellt wird, vor allem in öffentlichen Gebäuden. Dabei streitet er auch für die richtige Auslegung des Begriffs, denn allzu oft werde Behindertenfreundlichkeit durch Ausdrücke wie „barrierearm“ eher vorgespielt als tatsächlich umgesetzt. „Barrierefreiheit muss für alle Arten von Behinderungen gelten und sich nicht nur auf die Mobilität beziehen“, mahnt Griese. Gebäude müssen nicht nur für Rollstuhlfahrer, sondern auch für blinde oder taube Menschen nutzbar sein.

Immerhin: „Der Trend in Richtung Barrierefreiheit ist spürbar“, stellt Griese fest. Angesichts der demografischen Entwicklung und der rapide zunehmenden Zahl von Bedürftigen sei der Prozess aber viel zu langsam. Wolfgang Griese empfiehlt Betroffenen, Kontakt zum Behindertenbeirat zu suchen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Für Kathy Liebscher ist nach Ansicht von Wolfgang Griese zunächst die Wobau zuständig. Immerhin hat die alleinerziehende Mutter ein Recht auf ein behindertengerechtes Umfeld. Doch dort kann sich die junge Frau nur in die Schlange der Wartenden einreihen. Die Wismarerin ist unterdessen nicht wählerisch und hat sich an anderer Stelle umgetan — auf dem freien Markt. Eine wunderbare Wohnung hatte sie gefunden, für die eigene fand sich ein Nachmieter. Aber kurz vorm Umzug machte der neue Vermieter einen Rückzieher, als er hörte, dass die junge Frau Hartz IV empfängt, weil die Betreuung der Tochter mit Pflegestufe nicht mehr als einen Gelegenheitsjob zulässt. Dabei beteiligt sich die Arge Wismar sogar an den Kosten.

Kathy Liebscher gibt nicht auf. „Vielleicht findet sich doch noch ein Vermieter mit Herz“, hofft sie. „Mama“, ruft Leni, die mit dem Rolli an der Schwelle festsitzt. Die junge Mutter steht auf und hilft ihrer Tochter ins Kinderzimmer.

Kontakt & Info
Kontakt zum Behindertenbeirat oder zur Behindertenbeauftragten über:

Landkreis Nordwestmecklenburg, Fachdienst (FD) öffentlicher Gesundheitsdienst, Hinter dem Rathaus 15, 23966 Wismar, Telefon 038 41/30 40 53 11

Infos für Wohnungssuchende: Wohnungsamt Wismar, Scheuerstraße 2, 23966 Wismar, Tel. 038 41/251 32 70
Ich weiß nicht mehr weiter. Ich bin schon ewig auf der Suche nach einer neuen Wohnung.“Kathy Liebscher (25)



Matthias Schümann

Dor ik gra‘ mit mien lütt‘ Enkel Mika bi mien‘ Goordenfründ an Klingenbarg in‘ Goorden wier un all de välen Bläumings un dat Aft vör mi seech, föll mi dortau een lütt Beläwnis in.

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