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Wismar Leuchtturm Timmendorf im Wandel
Mecklenburg Wismar Leuchtturm Timmendorf im Wandel
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14:22 27.09.2018
Der Leuchtturm Timmendorf wurde 1872 mittig in ein Lotsenhaus gebaut und befindet sich am Lotsenhafen. Quelle: Sabine Hügelland
Timmendorf

„Hannibal“ und „Lieps“ sind gefürchtete Untiefen für Schiffe, die entlang der Küste Poels nach Wismar wollen. Der unter Denkmalschutz stehende 21 Meter hohe Leuchtturm in Timmendorf dient als Leit- und Quermarkenfeuer. Erweist auf der Insel Poel den Seefahrern seit 1872 den Weg. Das weiße Ensemble wirkt mit der Kulisse des Timmendorfer Fischerhafens idyllisch und erinnert ein wenig an griechische Gebäude. Der Turm, der mittig in das Lotsenhaus eingefügt wurde, ist nicht der Öffentlichkeit zugänglich und wird vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Lübeck unterhalten.

„Ich habe zwei Jahre nach der Wende im ehemaligen Lotsenhaus gelebt“, berichtet Maren Paetow. Vier Wohnungen waren früher darin. „Die Toiletten befanden sich auf dem Hof, das Zimmer war 38 Quadratmeter klein und mit Ofenheizung.“ 100 Mark habe sie dafür bezahlen müssen. Maren Paetow ist Ur-Poelerin und arbeitet seit vielen Jahren im nahen Restaurant „Zur Poeler Kogge“ am Fischerhafen.

Leuchttürme blieben im Krieg verschont

„Leuchttürme sind Fixpunkte, die Orientierungen für Flugzeuge und Schiffe gleichermaßen bilden. Deshalb wurden in den Weltkriegen die Leuchttürme meistens geschont und nicht zerstört“, so Hans Joachim Luttermann, ein Spezialist zum Thema Leuchttürme in MV. Bereits 1266 soll es ein Leuchtfeuer im nordwestlichen Teil der Wismarer Bucht gegeben haben. Als Standort wird die Insel Lieps angegeben, die heute nur noch eine Untiefe darstellt. Bis 1871 befand sich eine unbefeuerte Spierenbake aus Holz im Bereich der Lotsenhäuser. Sie diente als Orientierungshilfe für die Seeleute und als Ausguckpunkt für die Lotsen. Im Spätherbst wütete ein Brand bei den Lotsenhäusern, der einen Neubau notwendig machte. Nach den Plänen des Architekten Brunswig wurde ein neues Lotsenhaus nebst Stall errichtet. Der Turm in der Mitte besaß damals nur eine Höhe von 17,4 Metern.

Matrose war erster Wärter

Der erste Feuerwärter auf dem neuen Turm war der Matrose Adolf Schröder. Er betreute ihn von 1872 bis 1892 und ging dann in Altersrente. Schröder musste im Winter die damals 50 Stufen aus Metall bis zur Laterne, zur Kontrolle der Petroleumlampe, jede halbe Stunde nehmen. Der letzte amtliche Leuchtfeuermaschinist hieß Magnus Susemihl. Leuchtfeuermaschinisten hießen diejenigen, die einst auf dem Turm arbeiteten. Der Begriff Leuchtturmwärter wird nur umgangssprachlich genutzt. Ab 1952 – als der Seehydrographische Dienst das Seezeichenwesen übernahm – arbeitete er bis zu seinem Tod auf dem Turm. War er krank, übernahm seine Frau Martha die Pflichten.

Susemihl stammte aus einer Fischerfamilie. Es wird erzählt, dass es ihn immer wieder zum Fischen hinzog. Nach ihm betreute sechs Jahre lang ehrenamtlich ein Angestellter des Lotsendienstes das Leuchtfeuer. Bis 1978 war der Turm in Timmendorf besetzt, dann erfolgte die Umstellung auf eine Fernwirkeinrichtung.

Der Turm wurde in 1930er Jahren erhöht

Zum Komplex des Timmendorfer Lotsen- und Fischerhafens gehörte auch ein Richtfeuer für die Hafenzufahrt und eine Luftnebelsignalanlage. 1930/31 wurde das runde Turmteil mit rotbraunem, ungeputztem Ziegelmauerwerk um vier Meter erhöht. Zudem erfolgte der Anbau einer Stahl-Außentreppe und der Neubau der nun runden weißen Laterne mit roter kupferner Kuppel. Die Baukosten beliefen sich auf 25 824,12 Reichsmark. Mit dem Neubau des Laternenhauses wurde gleichzeitig die Leistung der neuen elektrischen Lichtquelle auf 1000 Watt erhöht.

Außerdem erfolgte der Einbau einer neuen Gürtellinse mit einer Brennweite von 187,5 Metern und einer Höhe von 540 Metern. Der Signalmast erhielt in 13 Metern Höhe eine Seelaterne. Die Lichtquellen erfuhren im Laufe der Zeit immer wieder Modernisierungen.

Sanierung nach Denkmalschutz

1995 begann die denkmalgeschützte Instandsetzung des Timmendorfer Leuchtturms mit der Errichtung eines Ersatzfeuers und den Abbrucharbeiten des oberen Turmteils. Nach Herstellung der Standsicherheit durch Einbringen eines neuen Fundamentes und der Erneuerung des Turmschaftes wurde die überarbeitete Laterne aufgesetzt und 1998 eine Drehblende neu installiert.Bis dahin zeigte Timmendorf ein Dauerlicht. Seit der Sanierung funktioniert der Turm mit Gleichtaktfeuer, das eine Drehblende erforderte. Sie schließt eine Verwechslung des Schifffahrtszeichens mit anderen Lichtquellen aus.

1998, nach Abschluss der Turmarbeiten und Abriss der nicht mehr benötigten Stallgebäude und des Stahlgitterantennenmastes, sanierte das Sozialwerk der Bundesverkehrsverwaltung die Wohnhäuser nach Denkmalschutz-Vorschriften. Das Wasser- und Schiffsbauamt des Bundes investierte insgesamt 1,3 Millionen Deutsche Mark in die Rekonstruktion von Turm und Wohngebäude.

Leuchttürme des Nordens: Der Leuchtturm Buk leuchtet landesweit am höchsten über der Küste: 95,30 Meter über Mittelwasser (MW). BeimWarnemünder Leuchtturm sind es 34,25 Meter Feuerhöhe. Quelle: C. Viogt

Sabine Hügelland