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Lila Bäcker: 120 Jobs weg – Schock in Gägelow

Gägelow Lila Bäcker: 120 Jobs weg – Schock in Gägelow

Die Kündigungen kamen von heute auf morgen: Zum 31. Mai fallen alle Jobs der Unser Heimatbäcker GmbH in Gägelow bei Wismar weg. Dort werden Brötchen, Kuchen, Torten und Brote für Bäckerei-Filialen hergestellt.

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Tausende Brote und Brötchen werden in Gägelow gebacken und in Filialen im ganzen Land gefahren. Am 31. Mai soll damit Schluss sein. Die Produktionsstätte im Gägelower Gewerbegebiet wird geschlossen. Somit werden 130 Mitarbeiter entlassen.

Quelle: Michaela Krohn

Gägelow. Der Schock bei den 120 Angestellten von Lila Bäcker in Gägelow sitzt tief: Zum 31. Mai sind sie arbeitslos – alle. Die Nachricht kam für die Belegschaft überraschend: „Erst am Dienstag war der Chef da, um uns zu infromieren. Gestern lagen dann schon die Kündigungen in den Briefkästen“, berichtet eine betroffene Mitarbeiterin. Sie arbeitet seit mehreren Jahren in Gägelow. Dort lässt die Unser Heimatbäcker Holding GmbH Brot, Brötchen, Kuchen für ihre Bäckerei-Filialen herstellen, auch für Lila Bäcker. Die Frau aus einem kleinen Ort in Nordwestmecklenburg weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll. „Meine Zukunft ist ungewiss, das macht einen zu schaffen“, sagt sie. Damit, dass alles so schnell gehe, damit habe doch niemand gerechnet.

Tage vor Ostern gehören zu produktionsreichsten des Jahres

Im Werk, das die Bäckerei-Filialen mit Brot, Brötchen, Torten und Kuchen beliefert, wird weiterproduziert – auf Hochtouren. Gerade vor Ostern gibt es viel zu tun. Die Tage gehören zu den produktionsreichsten des Jahres. Dass gerade in dieser Zeit die komplette Belegschaft die Kündigung bekommt, haben viele Mitarbeiter als unglücklichen Zeitpunkt moniert. Trotzdem arbeiten sie fleißig weiter. Darunter sind auch etliche Rüganer. Nach der Übernahme der Rügener Backwaren GmbH (Bergen auf Rügen) im Jahr 2006 sind viele Mitarbeiter nach Gägelow gewechselt. Dort haben sie in der Woche gearbeitet, an den Wochenenden ging es nach Rügen.

Schließung sei nicht zu verhindern

Wie Betroffene gegenüber der OSTSEE- ZEITUNG berichten, hätte der neue Geschäftsführer des Unternehmens, der erst im Februar von den Gesellschaftern der Heimatbäcker Holding GmbH eingesetzt wurde, am Dienstag vor der Belegschaft gesagt, dass es ihm leid tue und er diesen Schritt bedauere. Aber die Schließlung des Gägelower Werkes sei nicht zu verhindern gewesen.

Dennoch sind neue Bäckerei-Filialen in den nächsten Jahren geplant

In einer Pressemitteilung, die das Unternehmen erst heute veröffentlichen will, der OZ aber schon seit gestern vorliegt, steht: „Die Veränderungen ist aufgrund des immer wettbewerbsintensiveren Bäckereigewerbes notwendig geworden. Dies habe es nicht erlaubt, die kräftigen Kostensteigerungen der vergangenen Jahre, unter anderem des gesetzlichen Mindestlohns, nur durch höhere Preise und entsprechend höhere Umsätze auszugleichen.“ Deshalb würde die Kuchen-Herstellung von den Standorten Pasewalk und Dahlewitz nach Neubrandenburg verlagert und das Werk Gägelow komplett geschlossen. Insgesamt fallen 220 Jobs weg. Trotzdem sollen in den nächsten Jahren deutlich mehr neue Bäcker-Filialen eröffnet werden. „Wie soll das funktionieren?“, fragen sich die Gägelower. Weniger Standorte produzieren für mehr Filialen. „Das funktioniert doch nicht“, sagen sie.

Gewerkschaft kritisiert Transfergesellschaften

Die Produktionsstätte in Gägelow, vor der etliche lila farbende Lkw stehen, ist einer der größten Betriebe im Ort. Die Mitarbeiter sollen nun weiter in Transfergesellschaften beschäftigt werden. Doch genau das kritisiert auch Simone Oldenburg: „Das gibt einen harten Einschnitt in den Arbeitsmarkt. Man kann die Mitarbeiter nicht blind in Transfergesellschaften stecken.“ Denn damit würden sie unter anderem jeden Anspruch auf eine Abfindung verlieren. Oldenburg sieht eher die Agentur für Arbeit und den Staat in der Pflicht, den plötzlich arbeitslos gewordenen Menschen zu helfen. Die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag ist in Gägelow zuhause, auch persönlich trifft sie die Nachricht: „Für die Betroffenen ist das eine furchtbare Entscheidung.“ Auch die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) warnt davor, zu schnell in eine Transfergesellschaft einzutreten. „Wir wollen den Mitarbeitern helfen und bieten eine Informationsveranstaltung in der kommenden Woche an“, sagt NGG-Geschäftsführer Jörg Dahms. Zudem könne Dahms nicht erkennen, warum der neue Geschäftsführer eines gesunden Unternehmens nach nur einem Monat knapp 220 Kollegen feuert.

„Bäcker werden immer gesucht, aber sicher nicht 200 auf einen Schlag.“

Die betroffenen Mitarbeiter sollten außerdem zunächst prüfen lassen, ob ihre Kündigungen überhaupt rechtsgültig sind oder ein Sozialplan hätte greifen müssen.Immerhin: Einen Arbeitsmarkt für Bäcker gebe es im Land. „Bäcker werden immer gesucht, aber sicher nicht 200 auf einen Schlag“, betont Jörg Dahms.

Michaela Krohn und Kerstin Schröder

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