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Wismar Landstrom und Kai: Wismar macht sich fit für Mega-Schiffe
Mecklenburg Wismar Landstrom und Kai: Wismar macht sich fit für Mega-Schiffe
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16:33 07.03.2019
Die Kaianlage der Wismarer Werft wird saniert. Quelle: Kerstin Schröder
Wismar

Groß, größer – Wismarer Werft: Der Schiffbau-Betrieb macht sich fit für die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt. Für die entstehen seit November vergangenen Jahres eine neue Kaianlage und eine Landstrom-Versorgung. Letztere soll bereits im Mai in Betrieb gehen. Dafür werden gerade Umrichterstationen und Transformatoren aufgebaut und natürlich jede Menge Kabel verlegt. Kostenpunkt für das Projekt: acht Millionen Euro. „Das neue Stromsystem versorgt künftig nicht nur das Wohnschiff der Werftarbeiter, sondern auch die neuen Global-Class-Schiffe“, berichtet Axel Mohr, Vertriebsleiter bei Siemens. Der Technologie-Konzern installiert die Landstrom-Versorgung und den Netzanschluss. Ziel ist es, mit dem neuen System Emissionen und Lärm zu reduzieren. Denn: Die Dieselgeneratoren an Land und an Bord des entstehenden Schiffes können abgeschaltet bleiben.

Schiffe haben ein anderes Netz

In einer Umspannstation wird das Netz auf die benötigte Spannung und Frequenz umgewandelt. „Schiffe haben ein Bordnetz mit einer Frequenz von 60 Hertz, das deutsche Stromnetz hat eine Frequenz von 50 Hertz“, erklärt Lars Kläschen, Pressesprecher der Siemens AG. Ein ähnliches System sei im Hamburger Hafen errichtet worden. Dort werde es ausschließlich von den Aida-Kreuzfahrtschiffen für die Stromversorgung genutzt. Zuständig für das Wismarer Projekt ist die Siemens-Niederlassung Rostock.

Die Wismarer Werft bekommt eine Landstrom-Versorgung. Quelle: Kerstin Schröder

Seit 2018 werden an den MV Werften-Standorten Wismar und Rostock die nach Passagierzahl (9500) größten Kreuzfahrtschiffe der Welt gebaut. Ende des Jahres soll das Mittelstück auf dem Wasserweg nach Wismar gebracht und hier fertiggestellt werden (die OZ berichtet). Am Ende wird es 342 Meter lang, 46 Meter breit und 74 Meter hoch sein. Für Mega-Maße reicht die in den 1960er Jahren gebaute Kaianlage bei Weitem nicht aus. Grund: Die Riesen-Schiffe bieten dem Wind auch eine riesige Angriffsfläche. Deshalb muss ein neues, stärkeres Uferbauwerk her. „Die Poller brauchen eine deutlich höhere Zuglast, damit die Schiffe auch bei starkem Wind sicher liegen“, erklärt Dockmeister Thomas Schmitz. Die alten Poller hätten den Kreuzliner nicht halten können und wären herausgerissen worden.

Rammarbeiten sind zu Ende

Thomas Schmitz ist zufrieden mit dem Verlauf der Arbeiten. Die sind zügiger vorangeschritten als geplant. Denn durch den milden Winter konnten auch Erdarbeiten problemlos fortgeführt werden. „Die Rammarbeiten sind zu Ende“, erklärt der Dockmeister. Das dürfte viele Wismarer freuen, denn das Rammen der Pfähle ist an manchen Tagen bis in die Innenstadt zu hören gewesen. Auch das Einbringen neuer Pfähle gehört zum Sanierungsprojekt. Dafür ist ein Stahlrohr in die Erde gerammt, mit Bewehrungsstahl und Beton gefüllt und unter Vibrationen wieder herausgezogen worden. Nach 28 Tagen sind die so entstandenen Betonpfähle belastbar. Insgesamt wird der Ausrüstungskai auf einer Länge von 460 Metern erneuert.

Werft macht sich fit für Mega-Schiffe

Ein großer Teil der Oberfläche wird gerade mit Metallstäben (Bewehrungsstahl) ausgestattet, über die dann der Beton gegossen wird. Der muss künftig auch einen neuen Kran aushalten. Dieser befindet sich gerade im Bau. Er soll 123 Meter hoch sein, eine Tragkraft von 75 Tonnen haben und sich auf Schienen am Kai entlangbewegen. „Die ersten Teile werden in der kommenden Woche per Schiff angeliefert“, berichtet Thomas Schmitz. Nach dem Aufbau ist der Kran höher als die Schiffshalle.

Werft investiert 34 Millionen Euro in Kaianlage

Bei den Arbeiten wird auch eine schwimmende Hubinsel eingesetzt, die sich mit hydraulisch betriebenen Beinen aus dem Wasser heben kann. Auf ihr werden einige Pfähle in einen 45 Grad-Winkel an einen Seilbagger gehängt und so schräg dann in den Baugrund eingebracht. Nach dem Abschluss der Kaisanierung soll die Ausrüstung der ersten Schiffsneubauten bei MV Werften erfolgen.

Das neue Uferbauwerk

Das neue Uferbauwerk ist 460 Meter lang und in 16 Blöcken aufgeteilt. Es entsteht mit Hunderten Pfählen in verschiedener Bauweise: Die neue Spundwand besteht aus 136 Tragrohren sowie 136 Füllbohlen. Die Überbauplatte samt Kranschienen wird auf 160 Ortbetonpfählen gegründet. Die Rückverankerung erfolgt mittels 100 Stahlpfählen. Für den späteren Überbau der Platte werden rund 11 000 Quadratmeter Beton benötigt.

In den 1990er Jahren ist die Wismarer Kaianlage das letzte Mal saniert worden. Die derzeitige Erneuerung dauert bis April 2020 und kostet MV Werften 34 Millionen. Insgesamt sind es mehr als 100 Millionen Euro, die allein am Standort Wismar vom Gesellschafter, der asiatischen Genting-Gruppe, investiert werden. In der Summe enthalten ist auch die Landstrom-Versorgung.

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