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Mahnbescheid an einen Verstorbenen

Wismar Mahnbescheid an einen Verstorbenen

Wer einen Platz in den Seniorenheimen der Hansestadt Wismar reserviert, muss dafür zahlen. Ein inzwischen Verstorbener hat jetzt einen Mahnbescheid vom Amtsgericht Hamburg erhalten. Die Hinterbliebenen haben dagegen Widerspruch eingelegt.

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Lennard Schmidt, Schwiegersohn des Verstorbenen.

Quelle: Haike Werfel

Wismar. Obwohl bereits verstorben, soll ein Wismarer noch eine Bettenfreihaltegebühr an die Seniorenheime der Hansestadt zahlen. Der städtische Eigenbetrieb fordert 520,99 Euro. Vom Amtsgericht Hamburg kam inzwischen ein Mahnbescheid, sodass sich der Betrag auf 552,99 Euro erhöht hat.

Widerspruch eingelegt

„Wir haben dagegen Widerspruch eingelegt“, sagt Lennard Schmidt. Der Schwiegersohn des Verstorbenen spricht von Abzocke. Noch zu Lebzeiten seines Schwiegervaters sei nicht einzusehen gewesen, warum der schwerkranke, pflegebedürftige Mann von seiner kleinen Rente als Eisenbahner solch eine hohe Gebühr entrichten sollte. „Darüber wurden wir nicht aufgeklärt“, moniert der 40-Jährige. „Außerdem waren im Heim am Friedenshof mehrere Pflegebetten frei. Wir bekamen drei zur Auswahl angeboten. Es war also überhaupt kein Notstand.“

Auf Pflegeheimplatz angewiesen

Am 25. Juli haben er und seine Lebenspartnerin ihren Vater für das städtische Alten- und Pflegeheim am Friedenshof angemeldet. Da befand sich der an einer lebensbedrohlichen Lungenkrankheit Leidende noch im Krankenhaus.Die Entlassung sei laut Schmidt mehrfach verschoben worden. „Es stand fest, dass wir ihn nicht wieder zu uns nehmen konnten. Die Krankheit war zu weit fortgeschritten. Wir brauchten den Platz im Pflegeheim unbedingt.“ Seit 2013 lebte der Schwerkranke in der Familie seiner Tochter, sie hat ihn intensiv gepflegt. Einen Antrag auf einen Heimplatz für ihren Vater hatte sie im Januar dieses Jahres im Malteserstift St. Elisabeth gestellt. Dieses Pflegeheim befindet sich unmittelbar gegenüber von ihrem Zuhause. Gleich am nächsten Tag, so berichtet Lennard Schmidt, also am 26. Juli, hätten sie den Pflegevertrag mit dem städtischen Seniorenheim unterschrieben. „Wir dachten, wenn wir das sofort tun, dass dann keine Bettenfreihaltegebühren anfallen.“ Ein Irrtum, wie sich herausstellte.

Pflegebedürftiger zog ins Wunschheim ein

Der pflegebedürftige Vater kam erst am 3. August aus dem Krankenhaus. Er konnte dann doch im Malteserstift einziehen. Hier war der Familie just einen Tag zuvor ein Heimplatz angeboten worden. „Vier Wochen lebte unser Opa dort und hat sich sehr wohlgefühlt. Wir haben ihn täglich besucht“, erzählt Lennard Schmidt mit erstickter Stimme. Noch vor seinem Tod erhält der 76-Jährige Post von den Seniorenheimen der Hansestadt Wismar, die die besagte Freihaltegebühr in Höhe von 520,99 Euro für den Zeitraum vom 25. Juli bis 2. August verlangen. Tochter und Schwiegersohn bitten Anfang September um ein klärendes Gespräch mit der Geschäftsführung. Ohne Erfolg. Obendrein befremdlich findet Lennard Schmidt: „Nicht mal das Beileid wurde uns ausgesprochen.“

Freihaltegebühr gängige Praxis

Dagmar Broy, Geschäftsführerin der städtischen Seniorenheime, äußert sich verwundert gegenüber der OZ: „Die Familienangehörigen haben doch eine Selbstzahlerverpflichtung unterschrieben.“ Sie bedeutet, dass ab Vertragsbeginn der künftige Bewohner die Kosten laut seinem Pflegegrad pro Tag, die sonst die Pflegekasse übernimmt, zahlt. Solange, bis er im Pflegeheim aufgenommen ist. „Wir halten bereits ab Vertragsbeginn Personal und Leistungen für ihn vor. Und er bekommt genau das Zimmer und das Bett, das seine Angehörigen für ihn ausgesucht haben.“ Anderenfalls, so die Geschäftsführerin, müsste er das nehmen, was ihm zugewiesen wird. Nach OZ-Recherchen sei diese Bettenfreihalte- oder Reservierungsgebühr zwar keine gesetzliche Regelung, aber durchaus gängige Praxis in Wismar. Damit komme die jeweilige Senioreneinrichtung dem Pflegebedürftigen beziehungsweise seinen Bevollmächtigten entgegen. Die Vereinbarung über diese Gebühr sei zudem freiwillig.

Haike Werfel

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