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Wismar „Mama, du strahlst endlich wieder“
Mecklenburg Wismar „Mama, du strahlst endlich wieder“
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11:52 05.12.2017
Ina Urbanski, Annette Diehn, Anja Lange und Filialleiterin Anke Schuldt vom dm-Standort Wismar-Wendorf (v. l.) haben Norbert Gelhart gestern eine große Spende überreicht – fünf Prozent eines Tagesumsatzes.
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Wismar

Auf dem kleinen Wohnzimmertisch in der Wohnung von Nicole Elgas stapeln sich Briefe, Papiere und Ordner. Das meiste davon ist schon abgearbeitet, jetzt steht nur noch das Abheften an. Die Mutter von fünf Kindern will aber nicht nur Ordnung in ihren Papierkram bringen, sondern in ihr ganzes Leben und in das ihrer Kinder. In den vergangen Jahren ist ihr das nicht immer leicht gefallen. Die Nordwestmecklenburgerin hat viel durchmachen müssen. Inzwischen ist sie auf einem guten Weg – vor allem Dank der Hilfe des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF), der mit sogenannten Familienhelfern den Frauen und Kindern beisteht. Den unterstützt seit Jahren auch der Wismarer Verein „Licht am Horizont“, für den die OZ mit ihrer Weihnachtsaktion „Helfen bringt Freude“ Geld sammelt.

„Licht am Horizont“ unterstützt 38 Familien vom Sozialdienst katholischer Frauen in Wismar und will schwer kranke Kinder auf Reisen schicken / Drogerie-Markt dm spendet 747 Euro

Spendenkonten

IBAN DE29 1405 1000 1006 0220 62

Empfänger: OZ-Weihnachtsaktion

Verwendung: „Helfen bringt Freude“

IBAN DE19 1406 1308 0204 0015 91

Empfänger: OZ-Weihnachtsaktion

Verwendung: „Helfen bringt Freude“

Sozialpädagogin Anja Wegener hilft Nicole Elgas seit fast einem Jahr bei der Bewältigung ihres Lebens. Zweimal in der Woche sehen sich die beiden. Oft kommt Anja Wegener in die Wohnung ihrer Klientin. Sie verstehen sich gut. Für die Arbeit der Familienhelferin ist das wichtig. „Wir mochten uns gleich von Anfang an“, sagt die Sozialpädagogin. Und es sei wichtig, sich auf Augenhöhe zu begegnen.

2009 hat Nicole Elgas, die damals in einem Dorf bei Wismar lebte, ihre Kinder und ihre Sachen gepackt und ist ins Frauenhaus nach Schwerin gegangen. In ihrem Zuhause konnte sie nicht länger bleiben.

„Der Mann, mit dem ich zusammengelebt habe, hat mich immer wieder gewaltsam sexuell genötigt – auch vor den Augen meiner Kinder“, berichtet die heute 37-Jährige. Als es so schlimm war, dass ihre damals zweieinhalbjährige Tochter schon beschützend dazwischen gegangen ist, hat Nicole Elgas ihre Entscheidung getroffen und ihren Partner endlich verlassen. Nur langsam hatte sie sich damals wieder aufgerappelt, eine neue Wohnung bezogen. Es ging ihr und den Kindern schon besser, als bald die nächste Krise folgte.

2010 wurde ihr neuer Lebenspartner von der Polizei abgeholt. „Er musste für zwei Jahre ins Gefängnis“, erzählt Nicole Elgas. Warum, das weiß sie bis heute nicht. Dennoch blieb sie auch während der Haftzeit mit ihm zusammen, sie haben geheiratet und ein gemeinsames Kind bekommen. Ihre jüngste Tochter ist inzwischen zwei Jahre alt. Der Vater der Kleinen hat die Familie allerdings im vergangenen Jahr derart in Schwierigkeiten gebracht, dass Nicole Elgas mit ihren drei jüngsten Kindern – ihre beiden älteren leben nicht mehr bei ihr – in einem Haus ohne Strom und fließend Wasser lebte.

„Das war im Dezember 2016. Frau Elgas hatte damals nichts, kein Einkommen und zunächst Hilfe abgelehnt, sich dann aber doch darauf eingelassen“, sagt Anja Wegener. „Frau Elgas hat ein gutes Herz, sie ist sehr hilfsbereit und gutmütig. Leider haben das die Menschen in ihrem Leben auch immer wieder ausgenutzt.“ Inzwischen ist sie wieder voller Hoffnung. Es wird langsam. „Seitdem hat Frau Elgas viel geschafft“, sagt Anja Wegener, die die Mutter auch mal zu Terminen beim Jobcenter und zu anderen Behörden begleitet.

Beim SkF macht Nicole Elgas zudem ein Elterntraining. „Ich habe dort viel gelernt, habe viele Tipps bekommen, wie ich mit meinen Kindern umgehen kann“, sagt sie. Denn gerade mit ihrem neunjährigen Sohn ist es oft schwierig. „Er ist sehr klug, sein Herz trägt aber auch viel Wut in sich“, weiß Anja Wegener. Aber: Der Familie geht es derweil wieder etwas besser. Die Kinder haben eigene Zimmer, gehen zur Schule und in die Kinderkrippe. Im Haus des SKF in Wismar treffen die vier andere Frauen, die ähnliche Schicksale durchmachen mussten. „Das hilft mir. Ich weiß, ich bin nicht alleine. Und auch meine große Tochter sagt zu mir: Mama, du strahlst wieder.“

Gestern hat die Wismarer Filiale des Drogerie-Unternehmens dm eine Spende für den Verein „Licht am Horizont“ überreicht – in Höhe von 747,63 Euro. Das Geld stammt von „Giving Friday“, dem Tag, an dem die Weihnachtseinkaufsaison eingeläutet wurde. „Es sind fünf Prozent des Tagesumsatzes“, sagt Filialleiterin Anke Schuldt. Damit ist der Kontostand von „Helfen bringt Freude“ auf fast 2000 Euro gestiegen. Mit dem Gesamterlös werden unter anderem Lebensmittelgutscheine gekauft – für 38 Familien mit 80 Kindern aus Wismar und Umgebung, die der SkF betreut. Außerdem finanziert „Licht am Horizont“ damit 2018 Ausflüge, Nachhilfestunden und Feriencamps und auch eine Berlin-Reise für zehn schwer kranke Kinder aus Wismar und Umgebung – wie die 13-jährige Samantha. Das Mädchen leidet an einer unheilbaren Muskelkrankheit, ist noch nie im Urlaub gewesen. Denn sie kann nur liegend transportiert werden, braucht rund um die Uhr medizinische Betreuung von Ärzten und kann nur in einer behindertengerechten Unterkunft übernachten. Das ist teurer. „Es ist hier Herzenwunsch, einmal mit anderen kranken Kindern zu verreisen – das wollen wir möglich machen“, sagt der Vereinsvorsitzende Norbert Gelhart, der die Aktion zusammen mit der Deutschen Kinderhilfsstiftung organisiert: „Allein kann man so etwas nicht stemmen.“

Michaela Krohn und Kerstin Schröder

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