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Wismar Martin Luther gab den Anstoß für eine neue Schule
Mecklenburg Wismar Martin Luther gab den Anstoß für eine neue Schule
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06:40 29.09.2016
Ein Blick über den Hof der Großen Stadtschule im Jahr 2014.

Am Michaelistag, dem 29. September 1541, fasste der Wismarer Rat den Entschluss, eine Schule im frei werdenden Franziskaner Kloster – Graues Kloster – einzurichten. Zwar hatte im Mittelalter in Wismar der Rat das Sagen, aber in Sachen Bildung waren die Geistlichen tonangebend und so kann von einer breiten bürgerlichen Bildung bis zur Reformation in Wismar keine Rede sein.

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Heute vor 475 Jahren hat der Wismarer Rat den Grundstein für die Große Stadtschule gelegt

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Die Reformation hat unter anderem auf diesem Gebiet in Wismar tiefe Spuren hinterlassen. Im Kirchspiel St. Marien war es zu einem Auswechseln der Konfessionen gekommen. An St. Marien hatte 1543 der letzte katholische Pfarrer Knudsen aufgehört und sein Nachfolger Paul Mecklenburg wetterte von der Kanzel, dass „die Bürgermeister alle auf dem Galgenberg stünden zwischen einem Haufen und brennen, weil sie die geistlichen Güter auffräßen“.

Nach dem Tod Mecklenburgs war ein letztes Aufbäumen der alten Lehre in Wismar vorbei. Neben dem Wechsel der Konfession vom Katholizismus hin zum evangelischen Glaubensbekenntnis ist das Sendschreiben Martin Luthers „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen“ aus dem Jahre 1524 besonders für Wismarer Schulen von Bedeutung und somit die unmittelbare direkte Reaktion aus Wismar, am 29. September 1541 eine Stadtschule im Grauen Kloster der Franziskaner zu gründen.

So schrieb Luther, dass die Aufsicht über die Schulen nicht mehr die Kirche habe. Erhaltung und Ordnung des Schulwesens sei künftig Pflicht und Recht der weltlichen Obrigkeit. Das war wichtig für den Wismarer Rat. Zwar sind nicht alle Forderungen Luthers, wie Schulen für das gesamte Volk, danach erfüllt worden, doch dem Wismarer Rat, der zumindest die Einrichtung einer weltlichen „Gelehrtenschule“ zügig betrieb, kann nachgesagt werden, dass er immerhin schon seit gut 250 Jahren die Patronatsrechte gegen alle Angriffe der Geistlichkeit verteidigt hatte.

Mit der Großen Stadtschule wurde auch die Einrichtung der Alten Schule, wie sie nun seit 1569 erstmals genannt wurde, immer hinfälliger. 1544 musste die Große Stadtschule wegen Umbauarbeiten im Grauen Kloster und damit verbundenem Geldmangel in die Schule an der St.-Marien-Kirche verlegt werden, was den Rat noch in einem Schreiben von 1552 „nicht behage“, aber man sparte zunächst zwei Lehrerstellen ein. Zum Unterhalt der neuen Schule ließen die findigen Wismarer Ratsherren aus dem Erlös des Klosterinventars Wohnbuden bauen, die sie vermieteten. Diese Häuser hatten die Bezeichnungen von A bis M und das war der Grundstein für die heutige ABC-Straße. Die Mieteinnahmen wurden zum Erhalt der neuen Schule verwendet. Nach Beendigung der notwendigen Umbauarbeiten zog die Große Stadtschule 1554 in das endgültig hergerichtete Graue Kloster an der Schulstraße ein. In der Mitte des 16. Jahrhunderts verzeichnete die Große Stadtschule 400 Schüler. Eine enorme Anzahl, wenn man dagegen die Einwohnerzahl von etwa 7000 Bürgern stellt. Erstmals konnten sehr viele Bürger eine Schule besuchen und so nutzten einige Erwachsene dies Angebot, denn wie vermerkt, „saßen auch einige Bärtige“ in den Schulbänken.

Wismar hatte einen großen Bedarf an Schulen, seit am 1. März 1855 das Schulzwangsgesetz eingeführt wurde. Alle innerstädtischen Schulen wurden in wenigen Jahren erbaut und so ist es nicht verwunderlich, dass der Rat wieder einmal „stöhnte“ wegen der vielen Ausgaben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in der Stadtschule am 27. Juli 1945 ein Hilfskrankenhaus mit 200 Betten eingerichtet und am 19. April 1948 erfolgte die Umbenennung in „Erweiterte Oberschule Geschwister Scholl“. Seit 1991 heißt sie Große Stadtschule „Geschwister Scholl Gymnasium“. Umfangreiche Sanierungsarbeiten der letzten Jahre entsprechen den heutigen Anforderungen an eine Bildungseinrichtung, die nunmehr ihr 475. Jubiläum begeht.

Was sonst noch geschah

30. September 1903: Uhrmachermeister Julius Brunnckow (Altwismarstr. 1) mit 76 Jahren gestorben. Mitglied des Bürgerausschusses seit 1871, deren stellvertretender Vorsitzender 1887-1901, Vorsitzender des Wismarer Gewerbevereins. Namensgeber des „Brunnckowkai“ am Hafen.

1. Oktober 1953: Einweihung der Kabelkrananlage auf der MTW (Mathias-Thesen-Werft).

1. Oktober 1956: Eröffnung der Betriebspoliklinik der Werft (heute Ärztehaus an der Koggenoor) durch Dr. Walter Heller (Betriebsambulatorium bereits seit dem 29. Juli 1950).

Detlef Schmidt

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