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Wismar Mehr Aufträge für maritime Zulieferer
Mecklenburg Wismar Mehr Aufträge für maritime Zulieferer
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00:00 03.02.2018
Arbeiter vor einem Schiff in der Werft: Vor allem der Innenausbau wird von Zulieferern übernommen. Quelle: Fotos: Carsten Rehder/dpa, Kerstin Schröder
Wismar

Nach anstrengenden Jahren mit Umsatzrückgängen sehen die maritimen Zulieferer in Mecklenburg-Vorpommern einen Silberstreif am Horizont. Viele Unternehmen rechnen in diesem Jahr mit einem Zuwachs an schiffbaulichen Leistungen. Grund sind auch die gut gefüllte Auftragsbücher der Werften: „Der Aufschwung, den der Schiffbau nimmt, wirkt sich auf die Zulieferer aus“, bestätigt Antje Abert vom maritimen Zulieferer-Netzwerk RIC Maza MV. Das zählt zurzeit 37 Mitgliedersunternehmen mit etwa 2000 Beschäftigten. Mit dabei sind kleine und große Firmen, wie zum Beispiel die Baltico GmbH in Hohen Luckow, die KIS Kran- und Industrieservice GmbH in Wismar oder die Caterpillar Motoren Rostock GmbH.

Aufschwung im Schiffbau wirkt sich auf die Branche aus / Innovative Technik wird immer wichtiger

Wie Antje Abert berichtet, profitieren die Zulieferer unter anderem von der Neptun Werft in Rostock- Warnemünde, bei der die Schweizer Reederei Viking River Cruises im Oktober vergangenen Jahres sechs weitere Flusskreuzfahrtschiffe bestellt hat. Die Neubauten, die 2019 ausgeliefert werden sollen, ergänzen die Serie von mehr als 50 Flusslinern, die Neptun bereits für Viking gefertigt hat.

Auch die Bauprojekte von MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund schlagen zu Buche: Zwei Flusskreuzfahrtschiffe sind bereits von den Wismarer Schiffbauern abgeliefert worden, zwei weitere folgen.

Vor allem den Innenausbau übernehmen Zulieferer. In Stralsund hat der Bau von Luxus-Yachten begonnen, Zulieferer wie Ostsee-Strahl übernehmen hier die Materialvorbereitung. Voraussichtlich ab März baut MV Werften noch riesige Kreuzfahrtschiffe. Jeder Ozean-Riese besteht aus etwa zehn Millionen Einzelteilen, 600 Unternehmen könnten am Bau beteiligt beteiligt werden. Von jeder Million, die investiert wird, könnten ersten Schätzungen zufolge 227500 Euro in MV bleiben. „Damit haben wir eine große Chance bekommen, die wir nutzen müssen“, betont Antje Abert. Eine Reihe von Aufträgen für die Schiffe der sogenannten „Global Class“ stünden an – zum Beispiel im elektrischen Bereich mit der Lieferung von Schaltanlagen oder im Innenausbau.

Deutschlandweit ist die Branche in Aufbruchstimmung: Kreuzfahrt- und Marineschiffe, Yachten und Seenotkreuzer sorgen für Arbeit. Die WIS Marine GmbH baut zum Beispiel seit Jahren Tanker und Arbeitsschiffe für kleine Reedereien und Behörden. „Künftig wollen wir den Kontakt mit dem Reedern verstärken, damit wir wissen, wie viele Schiffe sie in den kommenden Jahren brauchen und welche Technik sie dafür wollen“, berichtet Netzwerkmanagerin Antje Abert.

In Mecklenburg-Vorpommern sind laut Industrie- und Handelskammer momentan etwa 5500 Mitarbeiter im Schiff- und Bootsbau tätig. Der Auftragsbestand sichere die Auslastung der vorhandenen Werftkapazitäten bis über das Jahr 2020 hinaus. 2016 hat die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zulieferindustrie deutschlandweit mit rund 400 Unternehmen und etwa 65000 Beschäftigten einen Umsatz von 11,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Exportquote lag bei 78 Prozent. Die wichtigsten ausländischen Absatzmärkte sind das europäische Ausland und Asien, vor allem China und Korea. In beiden Ländern wächst jedoch der Wettbewerbsdruck auf ausländische Zulieferer, da das politische Ziel der Regierungen ist, eine eigene Schiffbauzulieferindustrie aufzubauen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen die deutschen Zulieferer deshalb in innovative Technologieangebote investieren und immer komplexer werdende Leistungspakete anbieten. Das heißt: Verschiedene Bauteile werden nach dem Lego-Prinzip – auch mit Partnerunternehmen – zusammengesetzt und dann als große Module in der Werft eingebaut. Vor allem energieeffiziente und umweltschonende Systeme werden immer stärker nachgefragt. Deshalb will RIC Maza MV die Forschungsarbeit weiter verstärken. Unter anderem arbeitet das Netzwerk mit der Fraunhofer-Einrichtung für Großstrukturen in der Produktionstechnik IGP in Rostock zusammen sowie mit dem Maschinenbau- und Umwelttechnikbereich der Hochschule Wismar und der Neptun Ship Design GmbH. Ein Projekt ist die Entwicklung neuartiger umweltfreundlicher Energiesysteme für Schiffe, mit denen auch Betriebskosten gesenkt werden können. Ideen dafür liefern auch einige der 400 Ingenieure, die in den RIC-Maza-MV-Unternehmen arbeiten.

Deckma investiert in weiteren Standort

In diesem Jahr siedeln sich einige maritime Zulieferer neu in Mecklenburg-Vorpommern an, andere bauen ihre Standorte aus. Zu Letzteren gehört die Deckma GmbH. Das 1974 gegründete Familienunternehmen mit Sitz in Rosengarten bei Hamburg sowie Standorten in Bremerhaven und Rostock plant den Neubau eines Gebäudes in dem Gewerbegebiet Kavelstorf West im Landkreis Rostock.

Wie Geschäftsführerin Petra Bölkow-Anderwald informiert, entsteht dort ein Gebäude mit einem Bürobereich von 520 Quadratmetern und einem Bereich für die Fertigung und Kommissionierung von 600

Quadratmeter. Durch das Projekt sei es möglich, weitere sechs Dauerarbeitsplätze zu schaffen. Bislang hat das Unternehmen 36 Mitarbeiter und sieben Aushilfen.

Die Deckma GmbH ist ein international tätiger Hersteller und Lieferant für die Schiffbau- und Offshore-Industrie. Zu den Leistungen zählen unter anderem die Projektierung und Fertigung von Feuermeldeanlagen sowie die Lieferung kompletter Beleuchtungspakete inklusive Planungsleistungen. Wie Petra Bölkow-Anderwald erklärt, werde es auch im Schiffbau immer wichtiger, energieeffiziente Beleuchtungsanlagen zu installieren. Weitere Dienstleistungsangebote des Unternehmens, das seit 1991 eine Zweigstelle in Rostock hat, sind die Lieferung und Inbetriebnahme von Fremdstrom-Korrosionsschutz-, Antifouling- und Ballastwasser-Behandlungsanlagen sowie Generatorsteuerungen. ks

Die OZ sucht Ihre Werftbilder

Historische Bilder gesucht: Ob in Rostock, Bad Doberan, Wismar oder Grevesmühlen – viele Menschen haben eine Verbindung zu den Werften in Mecklenburg. Ihre Geschichte erzählt vom Schiffbau, von der Werftenkrise, bei der Tausende Menschen ihren Job verloren, bis hin zum Neubeginn mit der Windkraftbranche. Die OSTSEE-ZEITUNG sucht Bilder und Geschichten über das Leben und die Arbeit auf den Werften in Wismar und Rostock. Wie sah die Arbeit damals im Vergleich zu heute aus? Wir freuen uns, wenn Sie, liebe Leser, uns Ihre Fotos und Geschichten zukommen lassen.

Per Mail: mecklenburg@ostsee-zeitung.de, per Post: Ostsee-Zeitung, Redaktion Sekretariat, Richard-Wagner-Straße 1a, 18055 Rostock.

Tischler möbeln Schiffe auf

Sägen, fräsen, schleifen – Benjamin Bauer kennt sich mit Holz hervorragend aus. Der 24-jährige Wismarer gehört zu den besten Tischler-Gesellen Deutschlands. Sein Handwerk übt der junge Mann nicht nur in der Werkstatt aus – sondern auch in Werfthallen und auf dem Wasser. Denn sein Arbeitgeber, die Firma R&M Ship Technologies GmbH Wismar, rüstet Schiffe aus.

Sie kümmert sich um deren Innenausbau und repariert auch Möbel an Bord. Geselle Bauer hat das eine Woche lang auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff getan – mit Begeisterung. „Das würde ich auf jeden Fall noch einmal machen“, sagt der junge Mann. Seine Aussichten, auch künftig während der Arbeit in der Welt herumzukommen, sind gut. Seine Firma gehört zur R&M-Gruppe und die ist international aktiv.

In Wismar beschäftigt R&M 47 Mitarbeiter – zwölf Angestellte, fünf Azubis, vier Bauleiter und 26 Tischler. Zusammen fertigen sie hochwertige Einrichtungen für Passagier- und Arbeitsschiffe. Sowohl Gäste- als auch Crewkabinen werden mit Möbeln eingerichtet. Darüber hinaus beteiligt sich die Firma an der Ausstattung sogenannter öffentlicher Bereiche auf Kreuzfahrtschiffen. „Das bedeutet, R&M ist beteiligt an der Planung, Entwicklung und Fertigung von Einrichtungsteilen, Wandverkleidungen und hochwertigen Möbeln für Restaurants, Spielcasinos oder andere öffentliche Aufenthaltsbereiche auf typischen Urlaubsschiffen“, berichtet Standortleiter Ulf Schneider. Zu den Kunden gehören die Werften in MV.

Der Standort Wismar mit seiner Möbelfertigung ist seit 2003 ein fester Bestandteil des Unternehmens R&M, das bereits vor 128 Jahren gegründet wurde. Weltweit beschäftigt es 450 Mitarbeiter, davon etwa 150 in Deutschland.

Dienstreisen ins Ausland unternehmen zu können, das hat Benjamin Bauer überzeugt, nach der Lehre bei seinem Ausbildungsbetrieb zu bleiben. Woanders unterzukommen, ist für gute Handwerker heutzutage kein Problem. Und Benjamin Bauer ist gut in seinem Job. Bei den Deutschen Meisterschaften im Tischler- und Schreinerhandwerk hat er im vergangenen Jahr den 10. Platz belegt. Die Aufgabe: einen Schaukelstuhl herstellen mit mehr als 20 Holzverbindungen, davon die Hälfte klassisch von Hand gefertigt. Der Landessieger aus MV hat das in der vorgegebenen Zeit – 18 Stunden – geschafft.

Problemlos. Denn Holz hat es seiner Familie angetan. Sein Opa ist Schreinermeister, auch sein Onkel ist Handwerker. In diesem Jahr möchte der junge Mann seine Meisterschule beginnen. Ursprünglich stammt er aus Baden-Württemberg. Der Liebe wegen ist er in den Norden gekommen. Die hat zwar nicht gehalten. Aber mittlerweile hat Benjamin Bauer ein neues Liebesglück gefunden.

Wie Jan Voß und Ralph-Peter Neumann vom Berufschulzentrum Nord berichten, ist Benjamin Bauer Teil eines „guten Jahrganges“ und nicht der einzige Azubi aus Süddeutschland. 60 Frauen und Männer werden gerade ausgebildet – zum Holzmechaniker und Holzbearbeiter. Die Zahlen steigen: 15 Azubis im dritten Lehrgang stehen 23 im ersten gegenüber. Ihr Unterricht besteht aus einem Drittel Theorie und zwei Drittel Praxis. Die Chancen vom Ausbildungsbetrieb übernommen zu werden, seien sehr gut. ks

Kerstin Schröder

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