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00:00 22.09.2016
Mikado spielen für die Feinmotorik und natürlich Spaß in der Gemeinschaft: Elfriede Volkmann (87), Inge Schuldt (87), Elisabeth Lüth (86) und Hildegard Elsner (78, v.l.) in einer der Pausen in der Geriatrischen Tagesklinik. Fotos (2): Nicole Hollatz

„Das knackt in der Schulter“, sagt Emelie Henning, 91 Jahre jung, als sie den kleinen Massageball über ihren Kopf von einer Hand in die andere geben soll. Mit gestreckten Armen. „Wir sind im knackigen Alter“, kommt die Retourkutsche von Physiotherapeutin Anica Schiewe. Morgens um zehn sitzen die Damen im Kreis, machen Sport und versuchen, langsam und Schritt für Schritt wieder mobil zu werden. Jeden Tag ein Stückchen mehr, das ist das Prinzip in der Geriatrischen Tagesklinik des Sana Hanse-Klinikums Wismar. „Ich konnte nicht mehr richtig laufen“, erzählt Inge Schuldt (87) von ihrer Darmoperation und der langen Genesungszeit danach. Eigentlich kommt sie, so wie die anderen Patientinnen und Patienten auch, gut alleine zu Hause zurecht.

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In der Geriatrischen Tagesklinik in Wismar finden viele Menschen ein zeitweiliges Zuhause

Gleich nach der Krankenhauszeit nach Hause wäre es schwer geworden. „Hier finde ich die richtige Unterstützung“, erzählt sie und schwärmt vom Alltag in der Tagesklinik. Chefärztin Dr. Mirja Katrin Modreker erklärt: „Die Tagesklinik ist der Übergang vom stationären Aufenthalt in die eigene Häuslichkeit, die Patienten sind tagsüber bei uns, nachts und am Wochenende sind sie zu Hause. Sie können so die Selbständigkeit wieder erproben und herstellen.“ Nach einem Schlaganfall, nach Operationen oder schwerwiegenden Erkrankungen, oft auch nach Stürzen und Knochenbrüchen werden die Patienten direkt aus dem Krankenhaus in die Tagesklinik überwiesen. Der Bedarf und die Nachfrage wachsen. Auch immer mehr Hausärzte kennen das Angebot und die Möglichkeiten in der Geriatrischen Tagesklinik und überweisen ihre Patienten.

Die bleiben erst einmal drei Wochen, können aber bei Bedarf verlängern. Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Pflegemaßnahmen wie die Wundversorgung, dazu ärztliche Überwachung und Hilfe, wenn nötig – die therapeutischen Angebote in der Tagesklinik sind groß. „Alles mit dem Ziel, eine Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und die Lebensqualität des Menschen wiederherzustellen“, erklärt die Chefärztin. In der Gruppe und in Einzeltherapien wird der Alltag wieder erprobt. Küchentraining, Treppensteigen, Gleichgewichtstraining beispielsweise – die Alltagskompetenzen werden wieder aufgebaut. Jeden Tag und wesentlich intensiver, als das meist zu Hause passieren könnte. Und immer ärztlich überwacht. Mindestens genauso wichtig: der gemeinsame Alltag, die Gesellschaft und die Kontakte, aus der in der Zeit oftmals Freundschaften entstehen.

„Ich konnte nicht mehr schreiben, so sehr hat meine Hand gezittert“, erzählt Hildegard Elsner (78). Drei Monate lag die Grevesmühlenerin mit zahlreichen Frakturen im Krankenhaus. Ob sie ohne die tägliche Hilfe in der Tagesklinik gleich zu Hause zurechtgekommen wäre? Sie zuckt mit den Schultern.

Nicole Hollatz

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