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Wismar Mieter müssen keine Treppen mehr steigen
Mecklenburg Wismar Mieter müssen keine Treppen mehr steigen
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06:07 11.04.2018
Thorsten Fichtler, Mieterin Waltraut Vathje und Silke Mawick am Aufzug. Die Kabine ist 60 Zentimeter tiefer und fünf breiter als beim Prototyp. Jetzt passt ein Kinderwagen hinein und auch eine angeklappte Krankentrage. Quelle: Haike Werfel
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Gägelow-Proseken

„Wenn man fast neunzig ist, dann freut man sich, dass man keine Treppen mehr steigen muss“, sagt Siegfried Schulz. Er wohnt im zweiten Obergeschoss des Wohnblocks in der Kirschenallee 1 bis 4 in Proseken. Das Mehrfamilienhaus wurde 1978 gebaut. Jetzt hat es die Wohnungsgesellschaft Gägelow mit zwei Personenaufzügen modernisieren lassen. „Das ist eine Erleichterung vor allem für unsere älteren Mieter und die Familien mit Kindern“, sagt Geschäftsführerin Silke Mawick.

„Ich brauche nicht mehr auszuziehen“

Auch Waltraut Vathje (77), die von Beginn an in dem Haus wohnt, ganz oben, ist froh. „Ich hab’ eine neue Hüfte bekommen und muss nun nicht mehr bis ins vierte Stockwerk gehen.“ Sie sei nicht mehr eingesperrt in ihrer Wohnung, freut sich Gisela Hafemeister über die neue Wohnqualität. Da sie an Luftnot leide, war es schon sehr beschwerlich, in die erste Etage zu gelangen. „Jetzt brauche ich nicht mehr auszuziehen. Mit dem Fahrstuhl ist das ganz wunderbar“, sagt die 87-Jährige.

Fahrstuhl wird ins Treppenhaus integriert

Der Firmenverbund Krassow hat die von Geschäftsführer Thorsten Fichtler erfundene Aufzugsanlage im Aufgang 1 und 4 eingebaut: Der Fahrstuhl wird in das bestehende Treppenhaus integriert. Dadurch sind die einzelnen Etagen direkt erreichbar. „Wir haben einen der beiden Treppenläufe demontiert und in den geschaffenen Freiraum den Aufzug eingebaut“, erklärt Fichtler. An den Wohnblock wurde ein neues Treppenhaus angebaut, das zugleich als Fluchtweg dient. „Im Ergebnis können die Bewohner jede Etage, auch den Keller, über den Aufzug barrierefrei erreichen.“ Diese innovative Lösung des nachträglichen Fahrstuhleinbaus hat sich Thorsten Fichtler patentrechtlich schützen lassen. Jetzt tüftelt er daran, dass alles schneller vonstatten geht sowie die Fahrstuhlkabine größer und breiter wird.

Preiswertere Variante

In Proseken betrug die Bauzeit zehn Monate. „Es sind nach den ersten beiden Aufzügen in Dorf Mecklenburg immer noch Prototypen, für die es noch nicht so viel Erfahrung gibt“, sagt Uwe Wandel, Gägelows Bürgermeister. Und es sei die preiswertere Variante, als barrierefreie Wohnungen zu bauen. „Von Vorteil war auch, dass die Mieter nicht aus ihrer Wohnung ausziehen mussten.“

500000 Euro in Modernisierung investiert

Im Zuge der Modernisierung des Mehrfamilienhauses haben die Mieter auch neue Wohnungseingangstüren bekommen, die mit einem „Spion“ ausgestattet sind. Die vier Treppenhäuser erhielten frische Farbe. Neue Lampen innen und außen wurden angebracht und zum Teil neue Brandschutztüren eingebaut. Der Gehweg am Wohnblock wurde neu gepflastert und Rasen angesät. Die Wohnungsgesellschaft Gägelow investierte rund 500000 Euro. Deren Geschäftsführerin bedankte sich bei den Mietern, für die die Bauzeit sehr strapaziös gewesen sei. Die gaben den Dank an alle Beteiligten zurück. „Die Bauleute hatten es nicht leicht. Die Witterung hat ihnen die Arbeit erschwert“, meint Waltraut Vathje.

Neue Idee: Treppenhaus vorfertigen

Derzeit lässt das Wohnungsunternehmen auch in Tressow, Gemeinde Bobitz, einen Fahrstuhl in dem Wohnblock im Meierstorfer Weg 15 einbauen. Dafür hat Thorsten Fichtlers Firma das Treppenhaus in Modulbauweise in Krassow vorgefertigt. So konnte es an einem Tag aufgestellt werden.Im Dezember 1991 gründeten die Gemeinden Barnekow, Bobitz, Gägelow, Hohenkirchen und Zierow die Wohnungsgesellschaft Gägelow GmbH. Das Team von sechs Mitarbeitern um Geschäftsführerin Silke Mawick betreut 324 eigene Wohnungen und verwaltet mehr als 1050 Wohnungen anderer Kommunen.

Haike Werfel

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