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Mit Schwammball werden Rohre für Trinkwasser gereinigt

Timmendorf Mit Schwammball werden Rohre für Trinkwasser gereinigt

Der Zweckverband Wismar spült in diesen Tagen die Leitungen auf der Insel Poel / Eisen- und Manganablagerungen für Gesundheit unbedenklich

Timmendorf. Da staunt der Laie: Ein orangefarbener Schwammball in der Größe eines Fußballs fällt aus der Leitung. Fast sechs Kilometer war er von Kirchdorf bis zum Parkplatz in Timmendorf-Strand unterwegs. Mit viel Druck wird der Ball durch die Trinkwasserleitung mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern getrieben. Unterwegs wirbelt er Ablagerungen an den Rohren auf. Nach gut zwei Stunden hat der Schwammball sein Ziel erreicht. Das ansonsten klare Wasser ist schwarz, als der Ball in Timmendorf aus der Leitung hüpft.

Appetitlich sieht anders aus. Horst Bremer, Meisterbereichsleiter Wasser beim Zweckverband Wismar, erklärt: „In den verbrauchsschwachen Monaten kommt es zur Bildung von Eisen- und Manganablagerungen an den Innenwänden der Rohre. Eisen und Mangan sind natürliche Bestandteile des Rohrwassers, für die Gesundheit sind sie unbedenklich.“

Horst Bremer zieht als Vergleich die Zahnreinigung heran. „Der Aufwand ist enorm, aber wir sehen es als unsere Aufgabe an, das Rohrnetz zu erhalten und Trübungen des Trinkwassers zu vermeiden.“

Nächster Einsatz für den Schwammball, der sich mit Wasser vollsaugt, schwer wird, an in den Innenwänden schabt und so Ablagerungen löst. Christian Blieske steckt den Ball im Wasserspeicher auf dem Campingplatz Timmendorf in das Rohr. Der Abschnitt ist mit diesmal 500 Metern kurz.

Nach sieben Minuten flutscht der Ball im schwarzen Wasser aus dem Rohr. Horst Bremer: „Auf der Insel Poel gibt es saisonbedingt einen starken Trinkwasserverbrauch zwischen Sommer und Winter. Durch den höheren Verbrauch im Sommer erhöht sich die Fließgeschwindigkeit, dadurch können sich Ablagerungen eher lösen.“ Im Winter ist das anders. Auch die Filteranlagen im Wasserwerk Timmendorf, das es seit 1954 gibt und dieses Jahr erweitert wurde, können das nicht komplett verhindern. Erst vor sechs Wochen ist ein zusätzlicher Mangan-Filter eingebaut worden.

Vor sechs Jahren wurden die Leitungen auf Poel zuletzt gespült. Andere Zweckverbände scheuen den Aufwand, weiß Bremer. Doch der Bereichsleiter Wasser will vermeiden, dass die Rohre irgendwann dicht sind und sich Bakterien absetzen. „Aus der Bevölkerung gab es keine Beschwerden. Im Rahmen der Eigenüberprüfung haben wir festgestellt, dass eine Spülung mal wieder notwendig erscheint“, sagt Bremer.

Chemische Zusätze werden bei der Spülung der Rohrnetze nicht verwendet. „Die Leitungen werden mittels Luft-Wasser-Spülung und mechanischen Reinigungskörpern wie dem Schwammball gereinigt“, erläutert der Meister und sagt weiter, dass das Leitungsnetz auf Poel in den letzten 25 Jahren neu verlegt beziehungsweise erneuert wurde.

Bei der Reinigung geht es abschnittsweise voran, um die Einschränkungen für die Bevölkerung in Grenzen zu halten. Zunächst war die Trinkwasserleitung von Groß Strömkendorf über Kirchdorf nach Timmendorf an der Reihe. Danach die abzweigenden Leitungen zum Beispiel nach Gollwitz, Vorwerk, Hinterwangern und Brandenhusen.

Eine echte Herausforderung war die Mutter-Kind-Klinik am Schwarzen Busch. Zur Aufrechterhaltung der Wasserversorgung kam ein Milchlaster der Ostseemolkerei mit 36 000 Litern Trinkwasser zum Einsatz, die Leitungen in der Klinik wurden nachts gespült, damit die Mütter mit ihren Kindern nicht tagsüber auf dem Trockenen sitzen.

Vom Zweckverband Wismar werden täglich rund 5000 Kubikmeter Trinkwasser aufbereitet. Jährlich sind es rund 1,8 Millionen Kubikmeter. Der Wasserverlust durch Rohrbrüche beträgt 6,9 Prozent.

Von Heiko Hoffmann

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