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Mitarbeiter besetzen die Werft und kämpfen

Wismar Mitarbeiter besetzen die Werft und kämpfen

Am 26. Februar 1992 streiten die Schiffbauer in Wismar erstmals um ihre Arbeitsplätze — es wird nicht das einzige Mal bleiben

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Um 1987 wurde auf der Helling der MTW-Werft in Wismar die Eisenbahngüterfähre „Mukran“ gebaut. Damals mussten sich die Werftarbeiter noch nicht um ihren Arbeitsplatz sorgen.

Quelle: Archiv Detlef Schmidt

Wismar. Am 26. Februar 1992 wird die Wismarer „Meerestechnik-Werft“ (MTW), von der Belegschaft mit Beginn der Frühschicht um sechs Uhr besetzt. Sie wollen eine schnelle Entscheidung zur Privatisierung. Die MTW wurde am 1. Juni 1990 von einem VE-Betrieb durch die Treuhandgesellschaft in eine GmbH umgewandelt.

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Seit dem 13. Oktober 1952 hieß die Wismarer Werft „Mathias Thesen“. Am 1. Januar 1992 wurde der Name in „Meerestechnik-Werft“ umgewandelt. 1992 warten die 3100 Mitarbeiter, von ehemals 6300 in 1990, ungeduldig auf die Entscheidung zur Privatisierung ihres Betriebes. Von ehemals 55000 im Schiffbau Beschäftigten in MV sind noch 20000 übrig. Sie fordern den Erhalt eines eigenständigen existenzfähigen Schiffbaus.

Von Wismar geht das Signal an alle Werften im Land aus, sich der Betriebsbesetzung anzuschließen. Die Arbeit in den Unternehmen geht weiter. Auf der Helling liegt das nächste Schiff, zehn weitere Schiffe sollen in dem Jahr noch folgen. In der Betriebsversammlung spricht die Betriebsratsvorsitzende Inge Pohlmann, die ihre Kollegen respektvoll „Mutter Courage“ nennen, zu den Mitarbeiter: „Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen. Wir sind aufgestanden und werden bis zum letzten kämpfen“. Das wirkte. Der eilig aus Schwerin gekommene Wirtschaftsminister Conrad-Michael Lehment (FDP) wird mit „der Schnapsbrenner Lehment muss verschwinden“ ausgebuht. Die Stimmung kocht hoch als er sagt: „Für Werften dieser Größenordnung gibt es hier zukünftig keinen Platz.“

Zwei Tage später versucht Bundesverkehrsminister Günther Krause (CDU) die Wogen zu glätten, was für Verstimmungen in der Schweriner Koalition sorgt. Wismars Bürgerschaft solidarisiert sich mit den Arbeitern. In der Stadt weiß man, was man an der Werft hat und beim Ende Februar durchgeführten „Tag der offenen Tür“ besuchen tausende Wismarer „ihre“ Werft.

Am 1. März kommt Ministerpräsident Alfred Gomolka (CDU), der seine USA-Reise nicht unterbrechen wollte, in die Hansestadt. Beim Besuch der Werft wird er schon beim Pförtner zurück gewiesen. Er muss vor dem Tor mit der Betriebsratsvorsitzenden Inge Pohlmann sprechen. Der Ton wird rauer, die Forderungen energischer. Am 4. März marschieren die Werftler vors Schweriner Schloss und richten vor der Staatskanzlei eine Mahnwache ein. Die Wismarer befürworten eine „Paketlösung“ mit dem Bremer Vulkan und keinen Einzelverkauf. Dies favorisierte zunächst auch Alfred Gomolka, taktierte aber in der Landesregierung für eine andere Lösung, was ihn letztlich am 14. März 1992 das Amt kostete.

Bei der Tagung des Verwaltungsrates der Berliner Treuhandgesellschaft wird am 17. März 1992 eine vorläufige Entscheidung für eine Paketlösung mit der Bremer Vulkan AG beschlossen. Dies ist der Favorit der Wismarer und Inge Pohlmann sagt in ihrer direkten Art: „Mann, wir wollen doch nicht die Vulkan AG weil das unsere Lieblingskapitalisten sind.“ Es ging ihr um den Erhalt aller Arbeitsplätze. Am gleichen Tag wurde die deutschlandweit viel beachtete Betriebsbesetzung nach 21 Tagen aufgehoben. Am 11. August 1992 wird MTW von der Vulkan AG übernommen. Keine vier Jahre später wird das schon wieder Geschichte sein.

Ein besonderes Weihnachtsgeschenk bekommt die Wismarer Werft am 24. Dezember 1992 von der EU-Kommission: ein beachtliches millionenschweres Beihilfepaket für die Umstrukturierung.

Zwei Jahre später kriselt es wieder als es um einen Werftneubau oder Umbau geht und die Arbeitsplätze der Werftarbeiter wieder bedroht sind. 20000 Wismarer demonstrieren mit der Belegschaft.

Hoffnung dann am 15. November 1994: Ministerpräsident Berndt Seite (CDU) legt den Grundstein für die „Kompaktwerft 2000“, die am 28. Oktober 1998 fertig ist. Die Investitionssumme: 600 Millionen D-Mark.

Am 21. Februar 1996 meldet der Bremer Vulkan wegen Missmanagements Insolvenz an, die Werften kommen ins Schlingern. Jetzt zeigte sich wieder einmal die gute Zusammenarbeit des Betriebsrates mit Inge Pohlmann und Werftchef Oswald „Ossi“ Müller. Sofort wurde alles versucht, das Unternehmen und die Arbeitsplätze zu retten. Am 1. März 1998 übernahm der norwegische Aker-Konzern die Werft.

Es folgen wechselhafte Zeiten und verschiedene Eigentümer. Der derzeitige, Witali Jussufow, Chef der Nordic-Werften, verhandelt gerade mit der malayischen Genting-Gruppe über einen Verkauf. In Wismar wurde dazu Ende Januar 2016 bereits die „Star Cruises Wismar Operations GmbH“ (Schiffbau) und die „Star Cruisis Property GmbH“ (Immobilien) gegründet.

Was sonst noch geschah

27. Februar 1313 erteilt die Stadt den Zisterzienser-Mönchen die Genehmigung zum Grunderwerb: Doberaner Hof in Mühlenstraße.

28.Februar 1991 Gründung des Gemeinnützigen Vereines für den Heimattierpark.

28. Februar 1996 Das Wismarer Amtsgericht zieht wegen grundlegender Sanierung seiner Amtsräume aus dem Fürstenhof aus und bezieht vorläufige Räumlichkeiten im „Diamanthof“ Rostocker Straße. Übergabe an Amtsgericht am 17. Dezember 2002.

1. März 1433 Weihe der Sühnekapelle für Bürgermeister Johann Banzkow auf dem Marienkirchhof (1850 abgerissen).

1. März 1833 Ratsbeschluss: Niemand darf mehr innerhalb der Stadt beerdigt werden.

1. März 1855 tritt das Mecklenburgische Schulzwang-Gesetz auch für die Hansestadt Wismar in Kraft.

1. März 1991 Die Karstadt AG übernimmt wieder ihr Stammhaus in der Lübschen Straße, Ecke Krämerstraße. Der Schriftzug „Kaufhaus Magnet“ wird entfernt.

2. März 1850 Robert Schmidt, Gründer der Ingenieur-Akademie, geboren.



Detlef Schmidt

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