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Wismar Mitchell Grell verlässt die Insel Poel
Mecklenburg Wismar Mitchell Grell verlässt die Insel Poel
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03:31 14.09.2013
Dr. Mitchell Grell, der 13 Jahre lang als Pastor auf der Insel Poel wirkte, widmet sich nun neuen Aufgaben innerhalb der Nordkirche. Quelle: nw

Er ist bei vielen Poelern beliebt und geachtet, seine Impulse und die Fähigkeit, auf andere Menschen einzugehen, werden den Insulanern fehlen: Dr. Mitchell Grell ist seit 1. September als Reformationsbeauftragter der Nordkirche für den Bereich Mecklenburg und Vorpommern zuständig. Morgen wird der Pastor während eines Gottesdienstes in Kirchdorf verabschiedet. Die Feier mit Abendmahl, Chorgesang und Bläsermusik beginnt um 14 Uhr. Anschließend gibt es Kaffee und Kuchen.

Familie Grell wird noch bis „mindestens Ende Oktober“ im Pfarrhaus leben. Der zukünftige Wohnort sei derzeit noch unklar. Eine Möglichkeit: ein Umzug nach Neukloster, wo Sohn Johannes (16) die Schule für Blinde und Sehbehinderte und die Tochter (14) das Gymnasium besuchen. Grell schätzt, dass die Poeler Pfarrstelle erst im kommenden Jahr wieder besetzt wird. „Es gibt schon Bewerber.“

Auf die neue Stelle als Reformationsbeauftragter — Mitchell Grell wurde von Verantwortlichen der Nordkirche berufen — freut sich der Geistliche. „Ich möchte mich während der Luther-Dekade mit Inhalten beschäftigen, eher substanziell arbeiten, das Anliegen der Reformation elementarisieren und auch kritisch beleuchten. Mir geht es um die Frage, was die Gnade Gottes für uns als Christen bedeutet“, berichtet der 55-Jährige, dessen Kalender schon voller Termine sind.

„Ich verlasse die Insel eher mit einem weinenden Auge“, sagt Mitchell Grell, der im theologischen Ausschuss arbeite und auf Poel 13 Jahre lang wirkte. „Eine sehr schöne Zeit, weil ich mit den Menschen hier zusammengewachsen bin“, erzählt der in den USA aufgewachsene Kirchenmann. „Eigentlich konnte ich mir nie vorstellen, von hier wegzugehen.“ Zwar seien die Poeler „nicht einfach, aber auch ich bin nicht einfach“, schmunzelt der Luther-Kenner, unter dessen Regie das Pfarrhaus und der Pfarrgarten verschönert wurden. „Es gab viele Schnittstellen. Ich mag die Leute hier, ob sie nun in der Kirche sind oder nicht.“ Gerne erinnert sich Grell an die vielen guten Gespräche mit Poelern, an seine wissbegierigen Schüler im Religionsunterricht, an die Krippenspiele und den Chor sowie an die traditionellen Gottesdienste mit mecklenburgischer Liturgie, „die mich sehr geprägt haben. Ich werde dies vermissen.“ Poel habe eine „attraktive Kirchengemeinde, die aber auch nicht ohne ist, weil es keine Pausen gibt. Hier gibt es keinen Dauerurlaub!“

Der Theologe hofft, nun mehr Zeit für seine Familie zu haben und eventuell auch für Hobbys wie das Klavierspiel und das Wandern. „Früher bin ich auch gerne geritten.“ Von vielen seiner Tiere hat sich der Hobby-Landwirt bereits getrennt. Obstgärtner Grell hatte einst bis zu zehn Gänse, 18 Enten und viele Hühner. Er züchtete. Und verkaufte Bruteier. Momentan scharren noch 180 Hühner und Junghähne auf dem Hof, die aber bald in andere Hände kommen oder im Kochtopf landen.

Mitchell Grell wünscht sich für seine Kirche, dass das theologische Profil nicht vernachlässigt wird. „Es sollte aber aus der Bibel gewonnen werden, nicht von irgendwelchen Wertmaßstäben, die nicht unbedingt biblisch sind.“ Der Theologe hofft auf eine „offene Kirche, die sich auf alle Menschen einlässt, das Menschliche nicht aus den Augen verliert. Denn es gibt vieles, was alle verbindet, etwa wenn man an Grenzen kommt und die eigene Ohnmacht erfährt.“

Vorfahren aus Schleswig-Holstein und Norwegen

55 Jahre ist Mitchell Grell alt. Er wurde im US-Bundesstaat Iowa geboren und wuchs auf der Farm der Eltern auf. Seine Vorfahren stammen aus Schleswig-Holstein und Norwegen.

Nach dem College in South Dakota mit den Schwerpunkten Geschichte, Germanistik und Altphilologie kam Grell mit einem „großzügigen“ Rotary-Stipendium zum Studium nach Tübingen, wo er 1998 das Examen machte und 1992 in Systematischer Theologie promovierte. Ein Vikariat in Boizenburg folgte. 1994 bekam Mitchell Grell die erste Pfarrstelle bei Lübz und die zweite ab Herbst 2000 auf Poel.

Der Schreibtisch von Grell steht nun im Zentrum für kirchliche Dienste in Rostock, der Dienstsitz ist Kiel. Er wird viel in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg unterwegs sein. Seine Frau, gelernte OP-Schwester, arbeitet weiterhin in der Mutter-Kind-Klinik auf Poel.

630Gemeindeglieder zählt die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde auf Poel. Das in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtete Gotteshaus ist eine historisch bedeutsame Sehenswürdigkeit. Der 47 Meter hohe Turm war über Jahrhunderte hinweg eine Landmarke für die in die Wismarbucht einfahrenden Schiffe.

Norbert Wiaterek

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