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Wismar Musikalischer Wettstreit gegen rechtes Denken
Mecklenburg Wismar Musikalischer Wettstreit gegen rechtes Denken
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00:00 18.04.2016
Energiegeladene Gewinner bei der Jurywertung und beim Publikum: Die Band „Misziplin“ überzeugte mit starken Texten und noch stärkerer Frontfrau. Sie wird am 27. Mai mit den anderen Siegerbands aus den vier Vorrunden im Rostocker M.A.U. spielen. Quelle: Fotos: Nicole Hollatz

Jury und Publikum waren sich einig: Die kraftvolle Rockmusik von „Misziplin“ aus Rostock eignet sich am besten, um „Nazis den Marsch“ zu blasen — und um vielleicht jüngeren Wählern klar zu machen, dass „braun“ keine Alternative in der Wahlkabine ist. Im Mensakeller am Wismarer Friedenshof fand unter diesem Slogan die vorletzte Station des landesweiten „Kapellen-Wettstreits“ von „Storch Heinar“ statt. Fünf Bands aus der Region traten gegeneinander an.

Die Rostocker Rockband „Misziplin“ ist Sieger der Vorrunde in Wismar beim Kapellen-Wettstreit unter der Schirmherrschaft der Satirefigur „Storch Heinar“

Ein Blick auf das Mensagebäude zeigte, warum das Konzert wichtig war. „Storch Heinar die Flügel stutzen“ und „Flüchtlinge not welcome!“ hatten Unbekannte in großen Buchstaben an die Mauern geschrieben. Viele Besucher lachten über das „Denglisch“ — für mehr habe es wohl nicht gereicht.

Das Konzert begann mit der Satirefigur „Storch Heinar“ als „Führerstorch“ und seiner Marschkapelle „Storchenkraft“. Sie sangen von „Braunen Äppeln“. Seit 2008 karikiert der Storch mit Hitlerbärtchen und treudeutscher Sprache Neonazis und ihre Rituale — zum Mittanzen und drüber Lachen.

„Man darf sie nicht akzeptieren, diese braunen Äppel“, kommentierte Wismars Bürgerschaftspräsident und Landtagsmitglied Tilo Gundlack (SPD) die Neonazis und neuen Rechten im bürgerlichen Gewand.

„Wenn man sich deren Sachen im Landtag anhören muss, wird einem schlecht!“ Mit dem Bundestagsabgeordneten Frank Junge (SPD) eröffnete er den Abend. Junges Anliegen: „Wir müssen Gesicht zeigen und das Biedermann-Image, das sie gern vor sich her tragen, entlarven.“ Er selbst trug das Storch-Heinar-T-Shirt, in der satirischen Storchen-Sprache „Leibchen“.

Jede der fünf Bands hatte 30 Minuten Zeit, Jury und Publikum von ihrem Können und der Botschaft für Demokratie zu überzeugen. Tosenden Applaus gab es schon für die sechs Schülerinnen und zwei Schüler der „Accpitches“ vom Gerhart-Hauptmann-Gymnasium aus Wismar. Ohne Instrumente, dafür mit starkem Gesang heizten sie den Gästen in der Mensa ein.

Die „Meolodealer“ aus Rostock überzeugten mit einer musikalischen Mischung aus Klezmer und Folk, dazu mit starken, satirisch bösen Texten wie: „Wenn die Soldaten einmarschieren, fängt die Ursel an zu vibrieren“ oder „darauf sind wir prädestiniert, wir wissen, wie man einen Krieg verliert“. Lauter war „Paratax“ aus Rostock. Frontmann Danny Lange (23), der Soziologie und mehr studiert erklärte:

„Ich bin gegen jegliche Form von Extremismus.“ Er untermauerte sein Statement mit einem lauten „Schrei nach Liebe“. Diesen Klassiker der „Ärzte“ gegen Nazis sangen die Gäste lauthals mit.

Ruhiger und weniger politisch spielte die Mutter-Tochter-Formation „Leela Mare“ aus Wismar auf. Aber die Musik war sehr tanzbar, wie das Publikum bewies. Dort tanzten Deutsche mit Syrern und Menschen aus Eritrea. Frank Junge hatte einige Flüchtlinge und ihre Helfer zum Konzert und gemeinsamen Musikgenuss eingeladen.

Der „Musikkapellen-Wettstreit“ geht weiter. Die letzte Vorrunde ist am 29. April in Greifswald. Das Finale steigt am Freitag, 27. Mai, im Rostocker M.A.U.-Club, dann mit „Misziplin“ und Fans aus Wismar.

Diese Bands traten an

„Accpitches“ vom Gerhart-Hauptmann-Gymnasium aus Wismar sangen a capella — ohne Instrumente. Ebenfalls aus Wismar kam „Leela Mare“, eine Mutter-Tochter-Formation mit tanzbarer Musik. Zudem traten drei Rostocker Bands auf: „Meolodealer“, musikalisch eine Mischung aus Klezmer und Folk, „Paratax“ unter anderem mit einem Titel der „Ärzte“

und die Gewinner „Misziplin“, die beim Endausscheid im Mau dabei sein werden.

Von Nicole Hollatz

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