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NS-Ideologie im Wismarer Bauwesen

Wismar NS-Ideologie im Wismarer Bauwesen

Zwischen 1933 und 1940 entstanden Tausende Wohnungen

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Dieser 196 Meter lange Wohnblock in der Rostocker Straße in Wismar wurde vor genau 80 Jahren übergeben.

Quelle: Foto: Nicole Buchmann

Wismar. Der 196 Meter lange dreistöckige Wohnblock an der südlichen Seite der Rostocker Straße ist am 15. Februar 1937 übergeben worden. Planer und Architekt war Konstanty Gutschow, der wegen seiner besonderen NS-Nähe auch als „Speer von Hamburg“ bezeichnet wurde. Bauherr war die „Mecklenburger Heimstätte GmbH“. Für jeden Aufgang gab es einen Luftschutzkeller. Somit sollte jedem schon in „Friedenszeiten“ klar gewesen sein, dass die zwischen 1933 und etwa 1940 entstandenen Bauten entsprechend der Ideologie der Nazis konzipiert wurden – für die Nutzung für einen Krieg.

1933 hatte Wismar 27500 Einwohner. Die Zahl stieg bis 1940 auf 35100 an. Es wurden mehr Geburten als Sterbefälle angezeigt, doch der Anstieg der Bevölkerung resultierte eindeutig aus dem Angebot an Arbeit. Die Norddeutschen Dornierwerke zogen viele Menschen an und die Stadt musste dringend Wohnraum schaffen. Gleichzeitig übernahm sie die Kosten für die Fertigstellung der Dornierfläche mit Be- und Entwässerung. 1934 und 1935 wurden zunächst 68 Siedlerstellen am „Weißen Stein“ und in Dargetzow gebaut sowie zehn Siedlerstellen an der „Eisernen Hand“. Bis 1936 erfolgte der starke Ausbau der Siedlungen in Dargetzow, denn hier entstand mit den Dornierwerken eine kleine autarke Gemeinde mit Kirche, Lebensmittel- und Bäckerladen. Die Anwohner konnten sich auf ihrem Land auch selbst versorgen. Vergeben wurden Häuser unter anderem an 46 kinderreiche Familien, die „arisch und erbgesund“ waren. Es sollte eine autarke Siedlung entstehen, die der Nazi-Ideologie entsprach.

Ab 1936 wurde der Siedlungsbau eingeschränkt, da Wohnraum dringend benötigt wurde. Außerdem hatte Oberbürgermeister Pleuger mit Konstanty Gutschow einen eifrigen Verfechter von Großbauten. Trotzdem wurden die Siedlungen in den Folgejahren weiter ausgebaut und Pleuger hätte sich beinahe mit seinen Oberbonzen überworfen, denn die „NS-Siedler- und Bauernlobby“ warf ihm vor, dass er gegen die Ideale von „Heim und Scholle“ verstoße. Nur Gauleiter Hildebrandt konnte ihn retten. 1935 entstanden 244 Wohnungen in Wismar-Süd. Weitere kamen am Friedhof, Rosenweg, Wiesenweg, Lenensruher Weg, in der Poeler Straße und am Philosophenweg hinzu. Bis 1936 wurden insgesamt 1000 Wohnungen gebaut, davon lediglich 83 mit privaten Mitteln. Ein Gutachten der Stadt ergab, dass nochmals 1000 Wohnungen gebraucht wurden. Sie sollten „groß und billig“ sein, so die Forderung der Wismarer. Erreicht wurde dies, indem die Stadt den Wohnungsbau mit 550000 Reichsmark unterstützte. 1937 wurden 800

Wohnungen fertiggestellt und von April 1938 bis März 1939 noch einmal 1112. Danach kam der Wohnungsbau langsam zum Erliegen.

Eine zentrale Aufgabe war jedoch auch der Bau einer entsprechenden Kläranlage, denn 1935 waren noch 34 Prozent aller Grundstücke ohne Anschluss. Da sich viele Bürger weigerten, ihren Anteil für die benötigte Kläranlage zu geben, erhöhte die Stadtverwaltung einfach die Gebühren für die Fäkalienabfuhr, um bei den Bürgern Druck auszuüben.

Die Hansestadt hatte den Ehrgeiz, zu den größeren Städten in Deutschland aufzuschließen. Oberbürgermeister Pleuger plante, sicher unter dem Einfluss von Gutschow, aus Wismar eine Großstadt mit 150

000 Einwohnern zu machen. Später sprach er von 80000. Dies setzte auch Eingemeindungen voraus. Am 1. Oktober 1939 erfolgte die Eingliederung von Hof Redentin, Redentin, Hinter Wendorf, Mittel Wendorf, Vor Wendorf, Hoben, Zierow und Rohlstorfer Forst aus dem Landkreis Wismar in die Seestadt und den Stadtkreis Wismar.

Was sonst noch geschah

10. Februar 1948: Beginn der Bauarbeiten für ein neues Theater an der Parkstraße in der ehemaligen Exerzierhalle der Infanteriekaserne.

12. Februar 1995: Eröffnung des Technologie- und Gewerbezentrums mit Haus 1-3, Philipp-Müller-Straße.

13. Februar 1544: Fertigstellung der neuen astronomischen Monumentaluhr hinter dem Hauptaltar in St. Marien.

14. Februar 2000: Gründung des Fördervereins „Poeler Kogge“.

15. Februar 1950: Der kommunale Stadtverkehr nimmt seinen Betrieb mit zwei Linien auf.

Detlef Schmidt

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