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Wismar Nach Befreiung Siegesparade auf dem Marktplatz
Mecklenburg Wismar Nach Befreiung Siegesparade auf dem Marktplatz
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00:16 14.05.2018
Auf dem Wismarer Marktplatz: Siegerappell der Engländer Quelle: Foto: Sammlung Detlef Schmidt
Wismar

Am 12. Mai 1945 veranstalten die englischen Besatzungstruppen in Wismar auf dem Marktplatz eine Siegesparade. Viele Wismarer schauen sich an diesem sonnigen Sonnabend die ungewöhnliche Zeremonie an.

Der Zweite Weltkrieg ist aus. Das feiert die englische Besatzungstruppe im Mai 1945 in Wismar.

Der verheerende Krieg ist aus. In Reims und Berlin wird am 7. Mai und 8. Mai die bedingungslose Kapitulation besiegelt. In Wismar funktioniert ab 2. Mai nichts mehr. In der NSDAP-Kreisleitung, Adolf-Hitler-Straße 40, haben sich nach einem Saufgelage die Kreisleiter von Wismar, Paul Ohl, und von Rostock, Otto Dettmann, sowie Sekretärin Gisela von Sobbe erschossen. Sie wurden, nachdem sie notdürftig im Garten der Kreisleitung verscharrt worden waren, auf dem Soldatenfriedhof beigesetzt.

Eine Verteidigung der Stadt kam für einen Großteil der Wismarer nicht in Frage. Oberbürgermeister Alfred Pleuger wusste, dass die Engländer von Boizenburg und von Osten die Rote Armee anrückten. Mit Stadtkämmerer Dr. Heinz Maus wollte er mit einer weißen Fahne die Engländer, die aus Richtung Gadebusch kamen, treffen und ihnen und nicht der Roten Armee die Stadt kampflos zu überlassen. Die Wismarer trafen auf eine kanadische Fallschirmjägereinheit der 6. britischen Luftlandedivision. Gegen zwölf Uhr erreichten die Kanadier Wismar und Oberbürgermeister Pleuger übergab ihnen die Stadt.

Wismar gehörte zu den Städten, die sich kampflos ergaben. Nachmittags traf ein kanadischer Erkundungstrupp an der östlichen Stadtgrenze auf die Rote Armee, die ebenfalls in Wismar einmarschieren wollte. Der kanadische Oberstleutnant Napier Crookenden machte ihnen unmissverständlich klar – auch mit Verweis auf die militärische Stärke seiner Truppen – dass Wismar in ihrer Hand sei. Die Führung der Roten Armee hatte keine Ahnung, dass Wismar schon besetzt war. Sie hatte Befehl, bis Lübeck zu marschieren. Ein russischer Panzer, der in voller Fahrt in Richtung Wismar fuhr, wurde in letzter Minute aufgehalten. Ein Trupp Wehrmachtssoldaten unter Führung von Hauptmann Erich Mende, späterer FDP Politiker, wollte sich den Engländern ergeben, wurde aber „vertröstet“. Sie sollten ihnen noch eine Nacht die Russen aufhalten, dann dürften sie auch in englische Gefangenschaft.

Am Abend des 2. Mai war die Nazizeit für Wismar vorbei. Feldmarschall Bernard Montgomery telegrafierte aus seinem Hauptquartier in der Lüneburger Heide nach London, dass seine Truppen den Wettlauf gegen die Russen gewonnen hätten. Montgomery hatte den schnellen Vormarsch der Truppen befohlen – entgegen den Abmachungen mit den Amerikanern. Er traute der Roten Armee nicht zu, dass sie bei Lübeck Halt machen, sondern weiter in Richtung Dänemark ziehen würde.

Die Russen quartierten sich im Gutshaus Kritzowburg ein. Der Wismarer Stadtkommandant, Major Charles, schlug sein Quartier im Rathaus auf. Zwischen Kritzowburg und dem Soldatenfriedhof war „Niemandsland“. Am 7. Mai flog Feldmarschall Montgomery nach Wismar und traf sich mit seinem russischen Pendant, Marschall Rokossowsky, in der Dr.-Unruh-Straße 7, dem Hauptquartier der 6.

Luftlandedivision. Am Abend flog Montgomery vom Wismarer Haffeld zurück.

Zwar waren es zunächst Kanadier, die Wismar besetzten, doch mit ihnen kam auch eine polnische Exilstreitkraft. Diese beiden Gruppierungen haben sich durch Diebstähle, Plünderungen und Vergewaltigungen keinen guten Ruf erworben. Die Situation besserte sich erst mit dem Zuzug eines schottischen Regimentes.

Am 16. Mai wurden die Straßennamen mit den Nazigrößen durch die früher gebräuchlichen ersetzt. Nur die Adolf-Hitler-Straße wurde in Churchillstraße umbenannt. Oberbürgermeister Alfred Pleuger, NSDAP Mitglied seit 1925, wurde erst am 22. Mai durch den englischen Stadtkommandanten Major Charles abgelöst. An seine Stelle trat Baron von Biel, Gutsherr auf Zierow. In der kommunistisch gefärbten Geschichtsschreibung wird er als reaktionär beschrieben. Es wird aber ausgeblendet, dass er wegen seiner Beteiligung am Widerstand vom 20. Juli 1944 im Zuchthaus saß.

Gemäß den Vereinbarungen von Jalta vom Februar 1945 über die Aufteilung Deutschlands, räumten die Engländer am 30. Juni Wismar. Am 2. Juli zog die russische Rote Armee unter Begleitung einer Wismarer Musikkapelle ein. Ihre Mitglieder verließen Wismar – auch mit Musik und Geschenken – am 30. Juni 1993. Am 5. Juli 1945 mussten die Wismarer ihre Uhren nach Moskauer Zeit zwei Stunden vorstellen. Mit den Engländern verließen auch Alfred Pleuger, Baron von Biel und weitere Wismarer und Flüchtlinge die Stadt in Richtung Westen. Den Russen traute man nicht.

Was sonst noch geschah

12. Mai 1949: Die Straße „Fürstengarten“ erhält den Namen „Goethestraße“ gegen den Willen der Bürger.

13. Mai 1785: Historiker Friedrich Christoph Dahlmann in Wismar geboren.

14. Mai 1881: Rudolph Karstadt eröffnet sein erstes „Tuch-, Manufactur- und Confectionsgeschäft“ in der Krämerstraße 7.

14. Mai 2001: Der Rudolph-Karstadt-Platz erhält seinen Namen.

15. Mai 1993: Der Wismarer Buchhändler und Antiquar Hermann Rhein ist verstorben. Er wurde am 3.11.1906 in Regensburg geboren.

16. Mai 1975: Eröffnung der Tierparkgaststätte im Köppernitztal. Seit dem 28. April 2007 Vereinsheim des Modelleisenbahn-Clubs.

16. Mai 2014: Stiftertafeln der Bürgerstiftung der Hansestadt Wismar von 1997 werden in St. Georgen in der Turmkapelle enthüllt.

Detlef Schmidt

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