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Wismar Nach Feuer: Bewohner und Geschäftsleute suchen neue Räume
Mecklenburg Wismar Nach Feuer: Bewohner und Geschäftsleute suchen neue Räume
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11:54 09.05.2018
Detlef Greinke und Jeannette Fleury stehen vor dem Trümmern ihrer Existenz. Der Gastronom hatte bis zum Brand das Eiscafé betrieben. Jeannette Fleury hatte mit ihrem Sohn in dem roten Haus mit den zwei Balkonen gelebt. Quelle: Michaela Krohn
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Wismar

„Es ist zurzeit alles sinnlos“, so verzweifelt spricht Detlef Greinke, der mit seiner Frau „Werners Eiscafé“ in der Mecklenburger Straße betrieben hat, über seine Situation nach dem verheerenden Brand am Wismarer Markt. Auch Chirurg Dr. Ralph Battermann, der seine Praxis mit drei Mitarbeitern in einem der nun abgebrannten Häuser betrieb, steht noch immer fassungslos vor den Ruinen und sucht inzwischen nach neuen Räumen. Eine Bewohnerin, deren Söhne mit der Drehleiter durch die Feuerwehr vor den Flammen gerettet wurden, ist in einer möblierten Wohnung am Kagenmarkt untergekommen. Sie alle brauchen neue Räume oder eine neue Wohnung. Doch einfach gestaltet sich die Suche für sie nicht.

Mauer ist noch nicht gesichert, Eiscafé bleibt geschlossen

Weil die Rückwand des roten Hauses, das vor knapp eineinhalb Wochen brannte, einsturzgefährdet ist, darf Gastronom Detlef Greinke nicht mehr in seinen Eisladen, der an den Hinterhof des abgebrannten Hauses grenzt (die OZ berichtete). „Wir haben schon ein paar Läden in Wismar und sogar in Boltenhagen angeschaut“, berichtet Greinke. Doch sie sind entweder zu klein oder die hygienischen Bestimmungen könnten nicht eingehalten werden. „Denn wir verkaufen ja nicht nur unser Eis, wir produzieren es auch“, erklärt er.

Das größte Problem: „Wir kommen nicht an unsere Technik und die Maschinen heran“, sagt Detlef Greinke. Denn selbst, wenn das Ehepaar einen neuen Laden finden würde, fehlt immer noch die Technik. „Das Bauamt erlaubt uns derzeit nicht, in den Laden zu gehen. Dabei wäre das unser einziger Lichtblick.“ Er weiß: Die einsturzgefährdete Mauer auf dem Hinterhof muss so schnell wie möglich abgestützt werden. Doch das könnte dauern.

Chirurg sucht neue Praxis mit zehn Räumen

Auch Ralph Battermann, der seine Praxis seit 2005 am Markt hatte, sucht händeringend neue Räume. Er sagt: „Ich komme schon klar und kann mir alles neu aufbauen“, aber geeignete Räume zu finden, sei in Wismar sehr schwierig. Von den Spendengeldern brauche er nichts. Er sucht aber Räume in guter Lage, um eine schöne Praxis aufbauen zu können, mit etwa zehn Räumen für Operationen – unter anderem ästhetische Chirurgie. Seine Patienten können ihn dennoch unter der alten Telefonnummer erreichen.

Mutter erhielt Anruf aus brennendem Haus

Jeannette Fleury war gerade nicht zu Hause, als sie von einem ihrer Söhne einen Anruf bekam: „Hier brennt es. Wir kommen nicht mehr raus.“ Sie berichtet: „Ich war ein paar Minuten später am Markt, da hatten andere Anwohner schon die Feuerwehr gerufen und meine zwei Söhne und der Hund mussten mit der Drehleiter gerettet werden, weil sie nicht über das Treppenhaus hinaus konnten.“ Zunächst hätte sie gedacht, dass es nur Qualm war und sie wieder in die Wohnung zurück könnten. Doch dann sei ihr schnell klar geworden: Das war es jetzt. „Noch am Freitagnachmittag hatte ich jemandem von meiner Wohnung vorgeschwärmt. Komisch, als ob man es heraufbeschworen hat. Persönliche Dinge, erste Zähne, Bilder, Andenken an die Großeltern – alles ist weg.“

Polizei geht ersten Hinweisen nach

Die Polizei sucht unterdessen weiter nach Hinweisen aus der Bevölkerung und hat dafür extra ein Hinweisportal eingerichtet. Unter www.mv.hinweisportal.de können Bürger zum Beispiel Videos und Fotos hochladen. „Wir haben schon Hinweise im zweistelligen Bereich erhalten. Die befinden sich gerade in der Auswertung“, bestätigt Jessica Lerke, Sprecherin der Polizeiinspektion Wismar. Wichtig sei vor allem der Zeitraum vor dem Brand. „Wir suchen besonders nach auffälligen Personen, die sich in der Zeit von 17 bis 18 Uhr an den Häusern am Markt bewegt haben“, sagt die Polizeisprecherin.

Eigentümer müssen nun Stützkonstruktion überwachen

Derzeit sind die Gebäude durch die Brandermittler der Polizei noch beschlagnahmt und auch noch nicht freigegeben. „Die Notsicherung – Abstützkonstruktion gegen Kippen der Fassaden in den öffentlichen Bereich – der Gebäude und die Absperrung ist den Eigentümern in ihre Verantwortung mit entsprechenden Auflagen zur ständigen Kontrolle und Überwachung übergeben“, betont Marco Trunk, Sprecher der Hansestadt Wismar.„Ein betreten der Gebäude, einschließlich des Eiscafés, ist aus bauordnungsrechtlicher Sicht aufgrund der nicht gegebenen Standsicherheit – also Einsturzgefahr – nach wie vor nicht möglich und kann auch nicht verantwortet werden“, heißt es aus dem Bauamt der Hansestadt Wismar. Die Polizei hingegen agiert in ihrer Brandermittlung bezüglich des Betretens der Gebäude in eigener Verantwortung.

„Durch die Eigentümer und deren Eigentümerverpflichtungen sind bereits Planer und Statiker beauftragt, die eine Lösung zur Sicherung der Gebäude erarbeiten“, sagt Trunk. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor. Die Verwaltung sei jedoch in ständigem Kontakt mit Eigentümern, Planern und der Polizei, um den Prozess schnellstmöglich voranzubringen.

Für Bärbel und Detlef Greinke geht die Suche nach einem neuen Laden unterdessen weiter. „Einen leerstehenden Laden schauen wir uns in dieser Woche noch an“, sagt Detlef Greinke. „Vielleicht passt der ja.“

Krohn Michaela

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