Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeschauer

Navigation:
Nach Unfällen: Viele gaffen, anstatt zu helfen

Wismar Nach Unfällen: Viele gaffen, anstatt zu helfen

Johanniter aus Wismar beklagen: Viele stehen vor Verletzten nur herum und helfen ihnen nicht richtig. Bei der Polizei gehen hingegen nur wenige Meldungen wegen unterlassener Hilfeleistung ein.

Voriger Artikel
Unbekannte brechen drei Pkw auf
Nächster Artikel
Auto prallt gegen Mähdrescher: Ein Mensch schwer verletzt

Eine Schaulistige fotografiert einen Unfall mit dem Handy: Laut Johannitern ein immer häufigeres Bild im Landkreis.

Quelle: Symbolbild/Fotolia

Wismar. „Aus der Ferne hatten wir schon eine Tasche auf dem Boden gesehen. Als wir näher kamen, sahen wir dort einen Menschen liegen.“ So beschreibt der Wismarer Michael Winter den Moment, als er zusammen mit einem Schüler einen hilflosen Mann mit dem Kopf nach unten liegend auf der Straße fand – neben ihm sein Fahrrad. Der Mann war gestürzt, konnte sich nicht mehr bewegen. Niemand hatte ihm geholfen, bis die beiden Wismarer vorbeikamen, ihm halfen und den Notruf wählten.

Im gesamten Landkreis Nordwestmecklenburg zählte die Polizeiinspektion Wismar im Jahr 2016 gerade einmal zwölf Fälle von unterlassener Hilfeleistung. „Dabei handelte es sich aber nicht immer um Verkehrsunfälle“, erklärt Polizeisprecher Axel Köppen. Und es handelt sich aus Sicht der Polizei auch um keinen Schwerpunkt. Dennoch sagt Köppen: „Jeder Fall ist einer zu viel.“ Die Kriminalitätsstatistik von 2017 hält Innenminister Lorenz Caffier (CDU) noch unter Verschluss. Die wird erst im März veröffentlicht.

Johanniter: Menschen helfen Verletzten immer seltener

Allerdings: Nicht alle Fälle werden oder können zur Anzeige gebracht werden. Das bestätigen auch die Mitarbeiter der Johanniter in Wismar. „Viele Menschen wissen, dass sie dazu verpflichtet sind, Hilfe zu leisten, haben aber oft Angst davor“, sagt Karsten Müller von den Johannitern, der auch als Rettungssanitäter bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Wismar tätig ist. Die Retter von dort sind vor allem in der Hansestadt, auf der Insel Poel, in Neukloster, aber auch bis nach Boltenhagen unterwegs. Müller beobachtet häufig, dass Menschen anderen keine Hilfe leisten – aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Notruf absetzen allein reicht nicht, aktive Hilfe ist wichtig

„Viele Menschen, die eine verletzte Person finden, glauben, dass es reicht, den Unfall einfach zu melden“, sagt Johanniter Karsten Müller. Den Notruf allein zu wählen, dann nur rumzustehen, sei allerdings nicht genug. „Ein Ersthelfer muss aktiv werden. Wenn keiner anfängt, können wir auch nicht weiterhelfen“, betont Karsten Müller, der zudem sagt: „Als Johanniter haben wir schon viel erlebt – auch Menschen, die am Unfallort Bilder machen und filmen, anstatt zu helfen.“

Wer Angst hat, einem Verletzten noch mehr Verletzungen oder andere Ordnungswidrigkeiten zuzufügen, den kann der Johanniter mit dem Paragraphen 323c aus dem Strafgesetzbuch beruhigen. Denn dort steht, dass es sich bei der Hilfeleistung um ein „höherwertiges Rechtsgut“ handelt, was den Ersthelfer vor Bestrafung schützt.

„Zuvor waren schon einige Leute daran vorbeigelaufen“

Michael Winter, der den gestürzten Mann in der Nähe der Sport- und Mehrzweckhalle n Wismar fand, hatte sofort den Rettungsdienst alarmiert. „Zuvor waren schon einige Leute daran vorbeigelaufen“, berichtet er. Warum sie, wenn sie dem Mann schon nicht selbst helfen, nicht einmal den Notruf gewählt haben, versteht er nicht. „Wenigstens das könnten sie tun.“

Michaela Krohn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wismar
Verlagshaus Wismar

Mecklenburger Straße 28
23966 Wismar

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag 10.00-17.00 Uhr
Freitag 10.00-16.00 Uhr

Leiterin Lokalredaktion: Kerstin Schröder
E-Mail: wismar@ostsee-zeitung.de
Telefon: 0 38 41 / 415 65

Ticket- und Anzeigenverkauf: 03841 / 41550.

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist