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Wismar Nach dem Großfeuer: Werners Eiscafé vor dem Aus
Mecklenburg Wismar Nach dem Großfeuer: Werners Eiscafé vor dem Aus
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17:36 03.05.2018
Bärbel und Detlef Greinke haben Werners Eiscafé zu einem beliebten Treffpunkt in Wismar entwickelt.  Quelle: Michaela Krohn
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Wismar

Der Schock über das Großfeuer in Wismars Altstadt sitzt tief. Gewerbetreibende müssen um ihre berufliche Existenz fürchten. Ein Asia-Imbiss, ein Modegeschäft und eine Arztpraxis sind von den Flammen komplett vernichtet worden. Werners Eiscafé, das sich direkt hinter einem der zwei abgebrannten Gebäude befindet, hat das Feuer zwar verschont. Doch weiter machen können Gastronom Detlef Greinke und seine Frau nicht. Der Lagerraum ist mit Löschwasser gefüllt, die Anschlüsse haben sich in einem der ausgebrannten Häuser befunden. Und das größte Problem: Es besteht die Gefahr, dass Teile der Brandruinen nach hinten einstürzen – und dann das Café treffen. „Deshalb dürfen wir den Laden nicht mehr betreten“, bedauert Greinke mit tränenerstickter Stimme und sagt weiter: „Wir können jetzt Insolvenz anmelden.“

Einmal hat Greinke nach dem Brand am Wochenende seinen Laden noch betreten dürfen – danach nicht mehr. Und das darf er so lange nicht, bis sein Vermieter, der Eigentümer eines abgebrannten Gebäudes, dessen Rückwand so gesichert hat, dass sie nicht mehr nach hinten einstürzen kann. „Das könnte Monate dauern, bis dahin sind wir pleite“, sagt Greinke. Gemeinsam mit seiner Frau hat er den Laden in der Mecklenburger Straße aufgebaut und zu einem beliebten Eiscafé in der Hansestadt gemacht. „Wir haben für das Geschäft unser Haus verpfändet. Jetzt stehen wir vor einer finanziellen Katastrophe“, bedauert Greinke. Während der Löscharbeiten am Wochenende hat er die Einsatzkräfte mit Eis versorgt und bis zuletzt gehofft, dass das Café den Großbrand übersteht – das hat es auch, baulich. Betrieblich steht es vor dem Aus.

Was das Feuer ausgelöst hat, dazu kursieren wilde Spekulationen. Sie reichen von Brandstiftung bis hin zu einem technischen Defekt. Gesicherte Fakten von Brandermittlern liegen aber bislang nicht vor. „Wir weisen nochmals darauf hin, dass der Brand nicht im Asia-Imbiss ausgebrochen ist. Die Brandursache wird noch geklärt“, teilt ein Pressesprecher der Hansestadt mit. Fest steht aber, dass sich die Schadenssumme deutlich erhöht hat. Mittlerweile ist von zwei Millionen Euro die Rede.

Die beiden historischen Giebelhäuser am Marktplatz sind am Wochenende abgebrannt. Die Löscharbeiten haben sich über fast zwei Tage hingezogen, weil die Einsatzkräfte nicht in die einsturzgefährdeten Gebäude durften und ausschließlich von Drehleitern löschen mussten. Außerdem bestanden die Häuser aus viel Lehm und Stroh. Es entstanden immer wieder neue Glutnester – auch wieder in der Nacht zu Dienstag. Deshalb ist die Brandwache verlängert worden.

Am Mittwoch wollen Feuerwehr und der städtische Entsorgungsbetrieb die Keller leer pumpen. Das kontaminierte Wasser wird extra entsorgt. Mit kaum vorstellbaren 2500 Liter Wasser pro Minute sind die Flammen bekämpft worden. Die beiden Häuser sollen ebenfalls heute wieder in die Verantwortung der Eigentümer übergeben werden. Die müssen Versicherungsfragen sowie Fragen zu Statik, zum Erhalt beziehungsweise Abriss, Teilabriss, Sanierung und Finanzierung klären. Das kann dauern.Die Mecklenburger Straße bleibt für Autofahrer auf unbestimmte Zeit eine Sackgasse in Richtung Marktplatz. Autofahrer sollen zu den Parkplätzen kommen. Fußgänger können in Richtung Marktplatz gehen. Die Bushaltestelle am Markt ist ein Stück vorverlegt worden.

Nach Angaben von Wismars Feuerwehrchef Ronny Bieschke habe es am Sonntag eine Situation gegeben, in der eine Fassade um drei Millimeter nachgegeben hat. Bieschke, Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) und dessen Stellvertreter Michael Berkhahn (CDU) loben noch einmal alle Einsatzkräfte und bedanken sich bei Bürgern und Gewerbetreibenden, die die Rettungskräfte unterstützt haben. In der Spitze sind bis zu 110 Einsatzkräfte im Einsatz gewesen – insgesamt waren es 250 Männer und Frauen. „So einen großen Einsatz haben wir noch nicht gehabt“, sagt Wehrführer Ronny Bieschke.

Erst einmal gesichert haben die historischen Fassaden Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks. Sie sind dafür aus vielen Orten mit dicken Holzbalken nach Wismar gekommen. Mit dabei ist auch Sascha Weiss. Der 31-Jährige ist ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk Uelzen tätig. Das ist spezialisiert auf die Sicherung von Gebäuden. Senator Michael Berkhahn meint dazu: „Es war beeindruckend, wie die Hilfskräfte zusammengearbeitet haben.“

Auch Detlef Greinke ist dankbar für die Arbeit der Einsatzkräfte. Seine letzte Hoffnung ist, dass ihm jemand ein bezahlbares Ausweichquartier für sein Eiscafé anbietet – zur Miete, in guter Lage und mit Terrasse. „Ansonsten war’s das“, sagt er. Die Stadt hat mittlerweile ein Spendenkonto für die Betroffenen eingerichtet – auch um den Bewohnern zu helfen, die im oberen Bereich eines der abgebrannten Häuser gelebt und durch das Feuer alles verloren haben.

Wer Detelf Greinke von „Werners Eiscafé“ helfen möchte, kann sich gerne per Mail mit ihm in Verbindung setzen: wernerseiscafe@gmail.com

Kerstin Schröder

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